<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title><![CDATA[null]]></title><description><![CDATA[Rasierklingenschmetterling]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/</link><image><url>https://rasierklingenschmetterling.de/favicon.png</url><title>null</title><link>https://rasierklingenschmetterling.de/</link></image><generator>Ghost 5.24</generator><lastBuildDate>Sat, 28 Feb 2026 15:29:29 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://rasierklingenschmetterling.de/rss/" rel="self" type="application/rss+xml"/><ttl>60</ttl><item><title><![CDATA[Du in ihr]]></title><description><![CDATA[<p>&#x201E;Dann ber&#xFC;hrten meine Lippen deine, auf denen das Gift s&#xFC;&#xDF;er schmeckte als die Wahrheit.&#x201C; Ich kritzele den Satz in mein kleines Notizbuch, weil ich ziemlich angepisst dar&#xFC;ber bin, dass du mit meiner besten Freundin geschlafen hast und ich dich nun irgendwie</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/du-in-ihr/</link><guid isPermaLink="false">696b7195befb18000155e212</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Sat, 17 Jan 2026 11:26:32 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2026/01/0_3--14-.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2026/01/0_3--14-.png" alt="Du in ihr"><p>&#x201E;Dann ber&#xFC;hrten meine Lippen deine, auf denen das Gift s&#xFC;&#xDF;er schmeckte als die Wahrheit.&#x201C; Ich kritzele den Satz in mein kleines Notizbuch, weil ich ziemlich angepisst dar&#xFC;ber bin, dass du mit meiner besten Freundin geschlafen hast und ich dich nun irgendwie daf&#xFC;r umbringen will. Ich? Theatralisch? Nein, ich doch nicht. Andererseits, wenn ich so dar&#xFC;ber nachdenke, bin ich auch froh, dass ich nun nicht mehr deinen Mundgeruch ertragen muss. Eigentlich ist es sogar ziemlich gut, dass du mir gestern im Suff deinen Seitensprung gestanden hast. Warum hast du nicht schon viel fr&#xFC;her mit ihr geschlafen? Oh Gott, mir w&#xE4;re so viel erspart geblieben. Na toll, jetzt will ich dich umso mehr um die Ecke bringen. Wo sind wir stehen geblieben? Ach ja, beim Kuss. Halten wir fest: Vergiften reicht nicht. Okay, &#xE4;ndern wir das um in langsam wirkendes Gift, damit ich noch genug Zeit habe, dich so richtig sch&#xF6;n und ausgiebig zu foltern f&#xFC;r alles, was du mir angetan hast.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Blind-Date]]></title><description><![CDATA[<p>Ich habe mich in einen Mann aus dem Internet verliebt und nun kribbelt es &#xFC;berall. Auf meiner Haut. Darunter und ganz besonders an einer Stelle, von der ich l&#xE4;ngst geglaubt habe, sie ist so tot, wie ich mich innerlich f&#xFC;hle. Als h&#xE4;tte mich</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/blind-date/</link><guid isPermaLink="false">69626321cc515e00010af5ca</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Sat, 10 Jan 2026 14:37:28 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2026/01/0_3--11-.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2026/01/0_3--11-.png" alt="Blind-Date"><p>Ich habe mich in einen Mann aus dem Internet verliebt und nun kribbelt es &#xFC;berall. Auf meiner Haut. Darunter und ganz besonders an einer Stelle, von der ich l&#xE4;ngst geglaubt habe, sie ist so tot, wie ich mich innerlich f&#xFC;hle. Als h&#xE4;tte mich dieser Mann mit seinen Worten, seiner Stimme aus meinem Grab geholt und nun wandle ich als lebende Untote wieder auf dieser Erde und treffe ihn gleich. Leider trifft der Begriff &#xAB;Zombie&#xBB; mehr auf mich zu, als mir lieb ist. Ich sehe aus, als h&#xE4;tte ich ein paar Gehirne zu viel gefressen und als w&#xE4;re ich schon einmal gestorben und das sage ich nicht nur, weil ich gerne schwarz trage und mit meinem Klamottenstil als Grufti durchgehe und denen das gerne einmal nachgesagt wird. Dass sie aussehen wie tot. Ja, das Leben ist nicht fair zu mir gewesen. Hat mich gepr&#xE4;gt, denn ich bin zu bleich, meine Augenringe zu tief, meine Haare zu sch&#xFC;tter, meine Z&#xE4;hne&#x2026; von denen will ich gar nicht erst anfangen, nur der schiefe Turm von Pisa ist schiefer. Kurzum: Ich bin alles andere als sch&#xF6;n und treffe gleich einen Mann, von dem ich weiss, dass er der Inbegriff von Oberfl&#xE4;chlichkeit ist und diese Beschreibung quasi nur f&#xFC;r ihn erfunden worden ist. Okay. Nein, ganz so schlimm ist es wohl nicht, dennoch hat er ganz klar durchscheinen lassen, dass ihm das Aussehen einer Frau wichtig ist und was er an einer Frau so gar nicht mag. Optisch. Und ich bin optisch genau das, auf das er so gar nicht steht. Deswegen habe ich mich auch nicht getraut, mich ihm zu zeigen. Was bl&#xF6;d und dumm von mir ist. Aber es hat so viel Spa&#xDF; gemacht, mich mit ihm zu unterhalten, ihm zu schreiben, sich auszutauschen, zusammen zu lachen und neue Dinge auszuprobieren, &#xFC;ber die ist sonst nicht so spreche, aber bei ihm habe ich mich befreit und losgel&#xF6;st gef&#xFC;hlt. Mutig genug, auch mal ein bisschen romantisch und sexy zu sein. Obwohl ich alles andere als sexy bin.</p><p>Allm&#xE4;hlich geht mir auch die Pumpe, ich werde nerv&#xF6;s und komme ins Schwitzen. Unn&#xF6;tig zu erw&#xE4;hnen, dass ich vor lauter Aufregung eine Stunde zu fr&#xFC;h dran bin und bereits den dritten Kaffee in mich reinsch&#xFC;tte, weil ich mir einbilde, dass die mich sonst aus dem Caf&#xE9; werfen. &#xAB;Warum machst du dir auch immer so viele Gedanken, Vroni?&#xBB; Ich fummele zum vierhundert f&#xFC;nfzigsten Mal an meinem Hosenbund herum, weil der dr&#xFC;ckt und quetscht und ich das Gef&#xFC;hl habe, dass ich kurz vor dem Platzen bin. Wie ein Luftballon macht es dann einfach Puff. Und ich bin weg. &#xAB;Sch&#xF6;n w&#xE4;re es&#xBB;, murmle ich leise und linse zur Toilette r&#xFC;ber. Vielleicht nochmal aufs Klo verschwinden und Make-Up richten? F&#xFC;r das habe ich mir heute ganz besonders M&#xFC;he gegeben. Was eigentlich bl&#xF6;d ist, weil Jan eher auf nat&#xFC;rliche M&#xE4;dchen steht, ohne viel Schnickschnack. Ich bin der Inbegriff von &#xFC;berschminkt und zu viel von allem. Wortw&#xF6;rtlich! Ich h&#xE4;tte ihm einfach ein Foto von mir schicken sollen, dann m&#xFC;sste ich jetzt nicht hier sitzen und mir &#xFC;ber solchen Bl&#xF6;dsinn wie &#x201E;gefalle ich ihm?&#x201C; Gedanken machen. Er h&#xE4;tte bei meinem Anblick hundertpro den Kontakt einfach abgebrochen oder, wenn er nett h&#xE4;tte sein wollen, ihn langsam einschlafen lassen und ich k&#xF6;nnte nun zuhause in meinem Kabuff sitzen und eine Tonne Eis in mich reinschaufeln, w&#xE4;hrend irgendeine doofe Serie auf Netflix l&#xE4;uft. Wenn ich so dar&#xFC;ber nachdenke, gef&#xE4;llt mir die Option mit Eis essen und Netflix besser, als hier zu sitzen, in meinem eigenen Schwei&#xDF; badend, w&#xE4;hrend der Uhrzeiger unweigerlich seine Runden dreht.</p><p>Ob er &#xFC;berhaupt kommt? Kommt er dann p&#xFC;nktlich oder zu sp&#xE4;t? Der D&#xE4;mon in meinem Kopf lacht. &#xAB;Und selbst wenn er kommt, kommt er jedenfalls nicht bei dir - oder in dir.&#xBB;<br>Ein leises &#xAB;Fick dich&#xBB; kommt &#xFC;ber meine Lippen. Oh nein, Vroni, du f&#xFC;hrst jetzt nicht wieder Selbstgespr&#xE4;che, sonst gucken die Leute komisch. Wobei die eh schon komisch gucken. Ich bin viel zu auff&#xE4;llig gekleidet, das ist Jan bestimmt unangenehm. Aber f&#xFC;r ein Date putzt man sich doch heraus. W&#xE4;re doch auch irgendwie schr&#xE4;g, wenn ich nur in einem T-Shirt und einer Jeans zu einem Date erscheine. Dann heisst es, ich gebe mir keine M&#xFC;he. Warum zum Teufel ist Daten eigentlich so schwer und warum bin ich so eine Nullnummer? Jan wird mich nicht m&#xF6;gen. Er wird sich vor mir ekeln. Oh Gott, alleine bei der Vorstellung wie sich sein Gesicht verzieht, wenn er mich sieht. Ich k&#xF6;nnte einfach abhauen, wenn er zur T&#xFC;r reinkommt, er w&#xFC;rde mich eh nicht erkennen. Aber w&#xE4;re es fair, ihn sitzen zu lassen, nur weil ich nicht den Mut habe, mich einer Abfuhr zu stellen? Vielleicht sollte ich ihm schreiben, dass etwas dazwischengekommen ist oder dass ich spontan krank oder von einem Bus &#xFC;berfahren worden bin. Die Idee mit dem Bus gef&#xE4;llt mir. Die ist gut. Dann k&#xF6;nnte ich auch so tun, als w&#xE4;re ich gestorben und m&#xFC;sste nie wieder mit ihm schreiben und mich nochmal so etwas affigem wie einem Date stellen, das sowieso nur schlecht und entt&#xE4;uschend ausgehen wird. Ach ja und nachdem ich mich schlechter f&#xFC;hle werde als zuvor und am liebsten einfach nur sterben will.</p><p>&#xAB;M&#xF6;chten Sie noch etwas bestellen?&#xBB; Die Kellnerin taucht neben mir auf, der ich mit meiner Rumsitzerei vermutlich so langsam auf den Keks gehe. Oder ich bilde mir das ein. Weil ich mich allgemein als unangenehm und unerw&#xFC;nscht empfinde. Ich sch&#xFC;ttle blo&#xDF; den Kopf, ringe mich dann doch zu einem freundlichen L&#xE4;cheln durch und hoffe, dass es nicht so aussieht, als h&#xE4;tte ich Verstopfung. &#xAB;Das Einzige, was bei dir verstopft ist, sind deine Hirnsynapsen&#xBB;, triezt mich der D&#xE4;mon in meinem Kopf. Ich zucke zusammen. Manchmal ist seine Stimme zu real, genauso wie seine Pr&#xE4;senz. Und das macht mir Angst.</p><p>Wie die Tatsache, dass es gleich so weit ist. Gleich wird Jan zur T&#xFC;r hereinkommen und nach mir suchen. Ich gucke verlegen auf das Buch, das ich auf den Tisch gelegt habe und er garantiert wiedererkennen wird. Ich habe es geschrieben und ihm meinen Autorennamen verraten. Ist ein Pseudonym, das ich mit einem Avatar geschm&#xFC;ckt habe, der mir so gar nicht &#xE4;hnlich sieht. Gerne w&#xE4;re ich die skizzierte Frau auf diesem Bildchen, leider hat sie nichts mit mir gemeinsam, au&#xDF;er dass wir Augen, Nase und einen Mund haben. Ach ja, und Ohren. Wie aus einem Reflex heraus, schiebe ich mir eine lose Str&#xE4;hne aus dem Gesicht. Keine Ahnung, wie ich auf den Trichter gekommen bin, meine Haare heute so etwas wie einer Frisur zusammenzubinden. Das sieht total bescheuert an mir aus. So sehen meine Wangen noch mehr nach Flugzeuglandebahn aus als ohnehin schon.</p><p>Gerade als ich aufstehen und das Desaster auf meinem Kopf richten gehen will, passiert es. Ein Mann, der so aussieht wie Jan, betritt das Caf&#xE9; und sieht sich um. Ich mache mich auf meinem Stuhl ganz klein. Der Schrumpf-Modus springt wie von alleine an. Bl&#xF6;derweise macht der mich nicht ganz unsichtbar und l&#xE4;sst meine breite Masse auch nur minimal verschwinden. Und zwar St&#xFC;ck f&#xFC;r St&#xFC;ck immer mehr unter der Tischplatte. &#xAB;Mann, Vroni, eigentlich musst du dich aufrichten und selbstbewusst die Schultern nach hinten werfen!&#xBB;, motiviert mich die mickrige Version von mir, die noch nicht ganz aufgegeben hat. Mein D&#xE4;mon lacht nur, so laut, dass ich bef&#xFC;rchte, das bald alle Augen und nicht nur die von Jan auf mich gerichtet sind. Was Schmonzes ist. Passiert alles nur unter deiner Sch&#xE4;delrinde, hast du geh&#xF6;rt, Vroni? Nicht echt, nicht real. In der realen Welt existieren keine D&#xE4;monen, nur Monster und der Mann, der sich selbst in so vielen Gespr&#xE4;chen als Monster betitelt hat, kommt geradewegs auf mich zu. Er muss das Buch entdeckt haben. Mist, ich h&#xE4;tte es doch wegpacken sollen! Jetzt ist es zu sp&#xE4;t und er kommt auf mich zu und da ist kein L&#xE4;cheln auf seinem Gesicht. Herrgott, da ist nichts! &#xDC;berhaupt nichts. Wie zum Henker kann ein Mensch so neutral gucken? Mein Muffensausen nimmt v&#xF6;llig neue Ausma&#xDF;e an und wird umso schlimmer, je n&#xE4;her Jan kommt. Und Jan sieht gut aus. Wo zum Teufel hat dieser Mann sein Selbstbewusstsein her und kann ich bitte etwas davon abhaben? Nur so ein kleines bisschen oder zumindest ein wenig Mut to go f&#xFC;r absolute Problemf&#xE4;lle wie mich? Wahrscheinlich ist es total einfach, &#xAB;einfach&#xBB; selbstbewusst zu sein, wenn man so gute Gene in die Wiege gelegt bekommen hat wie Jan. Seine dunklen Locken tr&#xE4;gt er heute wild und nat&#xFC;rlich, dazu passend hat er sich f&#xFC;r ein lockeres Herbst-Outfit entschieden. Jeans, einen schwarzen Pullover und Sneaker. Seine Haltung ist so, wie sie sein sollte und nicht so eingefallen und t&#xFC;tenhaft wie meine. Normalerweise sieht man auf Fotos besser aus als in echt, doch f&#xFC;r Jan scheint dieses ungeschriebene Gesetz au&#xDF;er Kraft getreten zu sein. Er sieht schlichtweg umwerfend aus und das, ohne viel daf&#xFC;r machen zu m&#xFC;ssen.<br> &#xAB;Anders, als erwartet&#xBB;, sind die ersten Worte, die ich von ihm, live und in Farbe, aus seinem Mund zu h&#xF6;ren bekomme. In meinem Hals trommelt eine Horde Affen herum. Ich habe prompt das Gef&#xFC;hl, dass, egal was ich sage, es das Falsche und viel zu laut sein wird. Also presse ich wie eine zum Schweigen Verdammte angestrengt die Lippen aufeinander und realisiere erst, wie abf&#xE4;llig seine Bemerkung zu meiner Erscheinung eigentlich gewesen ist, als er mir gegen&#xFC;ber Platz bereits genommen hat. Autsch. Er streckt mir nicht einmal die Hand zur Begr&#xFC;&#xDF;ung hin oder macht Anstalten mich in den Arm zu nehmen. Okay. Zugegeben. Er hat mir im Vorhinein in einem Gespr&#xE4;ch gesagt, dass Umarmungen nicht so sein Ding sind. Dennoch tut es weh, auch kein &#xAB;sch&#xF6;n, dich zu sehen&#xBB; zu h&#xF6;ren oder irgendetwas in der Art, dass er sich freut, mich auch mal au&#xDF;erhalb eines Bildschirms zu erleben.<br><strong> &#xAB;Vroni, richtig?&#xBB;,</strong> hakt er nach, weil ich immer noch die Stumme mime. Ich nicke und schlucke gleichzeitig. Er spiegelt meine Geste mit einem Nicken seinerseits. Die Kellnerin stolpert herbei und das in einer Geschwindigkeit, als h&#xE4;tte sie nur darauf gewartet, endlich jemand anderes als mich an diesem Tisch bedienen zu k&#xF6;nnen. Er bestellt sich irgendetwas, das ich gar nicht so richtig mitbekomme, weil ich so sehr mit Glotzen besch&#xE4;ftigt bin, dass meine Ohren kurzzeitig ihren Dienst komplett aufgegeben haben. Dort nehme ich nur so am Rande ein unangenehmes Dr&#xF6;hnen wahr, was vermutlich von meinem Herzen herkommt, das wie verr&#xFC;ckt schl&#xE4;gt, um Blut in meinem Bahnen pumpen, um mich irgendwie am Leben zu erhalten.<br> <strong>&#xAB;Wartest du schon lange?&#xBB;</strong>, ist Jans n&#xE4;chste Frage auf die ich, dumm wie ich bin, wieder mit einem Nicken antworte. &#xAB;Irgendwann musst du etwas sagen, sonst steht er auf und geht&#xBB;, mahnt mich die Vroni in meinem Kopf.<br>Ich will den Mund schon aufmachen, da greift Jan nach meinem Buch. Gut, dort stehen auch Buchstaben drin, trotzdem w&#xE4;re ich nun gerne selbst welche losgeworden. <strong>&#xAB;Und du willst wirklich ein Buch &#xFC;ber mich schreiben?&#xBB;</strong>, erkundigt er sich und guckt &#xFC;ber den Rand des Buches zu mir r&#xFC;ber. Ich verliere mich kurz in diesen gr&#xFC;nen, ungew&#xF6;hnlichen Augen, ehe ich das dritte Mal dummbl&#xF6;d nicke und es dann doch noch schaffe, ein zaghaftes &#xAB;Ja&#xBB; hinterherzuschieben. Und schleunigst noch ein &#xAB;Eine Kurzgeschichte&#xBB; rausquetsche.<br> <strong>&#xAB;Eine Kurzgeschichte&#xBB;</strong>, wiederholt er in einem s&#xFC;ffisanten Ton. An den kleinen F&#xE4;ltchen, die sich auf seinem Gesicht bilden, kann ich erkennen, dass er jetzt wohl l&#xE4;chelt oder grinst. Mein Buch verdeckt die untere H&#xE4;lfte seines Gesichts und irgendwie bin ich traurig dar&#xFC;ber. Ein L&#xE4;cheln seinerseits h&#xE4;tte den D&#xE4;mon in mir vielleicht eine Sekunde lang zum Schweigen gebracht. Doch der lacht immer noch, als w&#xE4;re das hier kein Date, sondern eine Comedyshow.<br>Besch&#xE4;mt richte ich meinen Blick auf die Tischplatte. Ich will gar nicht wissen, welchen Rotton meine Wangen mittlerweile angenommen haben m&#xFC;ssen. Kirschrot, Apfelrot, Ampelrot&#x2026;</p><p><strong>&#xAB;Hast du dich mit ihm auch in einem Caf&#xE9; verabredet?&#xBB;</strong> Jan tippt mit seinen Fingern gegen den Einband von meinem Deb&#xFC;t-Roman. Mit der Frage h&#xE4;tte ich rechnen m&#xFC;ssen. Und wie unangenehm sie mir ist auch. Vorbereitet auf sie habe ich mit jedoch nicht. Also tue ich das, was ich am besten kann. Ich sinke noch mehr unter den Tisch. Viel kleiner kann ich mich gar nicht mehr machen, ohne dass ich ganz vom Stuhl rutsche und auf dem Boden lande. Viel lieber w&#xFC;rde ich vom Erdboden verschluckt werden.<br> &#xAB;Also&#xBB;, beginne ich und w&#xFC;nsche mir, mir w&#xFC;rde es so einfach fallen wie den anderen Autoren, &#xFC;ber das eigene Buch zu reden. Mein D&#xE4;mon spitzt derweil gespannt die Ohren, w&#xE4;hrend die andere Vroni in meinem Kopf nerv&#xF6;s auf ihren N&#xE4;geln herumbeisst.<br> &#xAB;Er ist fiktiv&#xBB;, stammele ich herum und m&#xF6;chte eigentlich noch etwas hinzuf&#xFC;gen. Mir f&#xE4;llt blo&#xDF; nicht ein was. <strong>&#xAB;Und diesmal willst du es mit einem echten Mann machen, ja?&#xBB;</strong>, stichelt Jan und legt das Buch dabei auf dem Tisch ab. Nun sehe ich das L&#xE4;cheln. Oder besser gesagt das selbstgef&#xE4;llige, fast schon b&#xF6;se leicht &#xFC;berheblich wirkende Grinsen in Jans Gesicht. Ich f&#xFC;hle mich schlecht, weil mich dieses Grinsen irgendwie anmacht und mir nun nicht mehr nur hei&#xDF; ist, sondern die H&#xF6;lle in meinem Innern ausgebrochen ist. Genauer gesagt, an einem ganz bestimmten Ort, der tot sein sollte.</p><p><strong>&#xAB;Ist schon okay, ich beisse nicht&#xBB;</strong>, behauptet Jan, dem ich diese Worte sowas von gar nicht abkaufe. H&#xE4;tte ich Platz unterm Tisch w&#xFC;rde ich nun provokativ meine Beine &#xFC;bereinanderschlagen, doch die sind zu dick f&#xFC;r dieses Unterfangen. Zumal ich mich so ein Man&#xF6;ver vermutlich ohnehin nicht getraut h&#xE4;tte, also versuche ich zur Abwechslung ein bisschen hoch statt runterzurutschen und die Schultern zu straffen. Er beobachtet mich dabei, was mir direkt wieder peinlich ist.<br> <strong>&#xAB;Du machst sowas sonst nicht, hm?&#xBB;,</strong> foltert Jan mich weiter. Ohne meine Antwort abzuwarten, die wahrscheinlich ohnehin nur aus einem Nicken bestanden h&#xE4;tte, lehnt sich der Mann zu mir vor. Die gr&#xFC;nen Augen fokussieren mich, hypnotisieren mich beinahe. Der Mann ist definitiv der Inbegriff einer Schlange. Heimt&#xFC;ckisch, giftig, gef&#xE4;hrlich und gleichzeitig so verlockend mysteri&#xF6;s.<br> <strong>&#xAB;Nur um eine Sache klarzustellen, Mausi&#xBB;,</strong> fl&#xFC;stert Jan und funkelt mich an. <strong>&#xAB;Ich weiss, warum du dich nicht hast zeigen wollen, weil du wei&#xDF;t, wie ich drauf bin. Aber verjagen kannst du mich nun nicht mehr. Jetzt bin ich hier und wir ziehen die Sache heute durch. Ich stehe zu meinem Wort, stehst du auch zu deinem?&#xBB;</strong></p><p>Hat er mir gerade durch die Blume gesagt, dass er mich abscheulich findet, aber dennoch bleiben wird? Ist das dieser Mitleidbonus, den man kriegt, weil man doch irgendwie nett ist, obwohl man auf optischer Ebene komplett versagt hat?</p><p>Ein Impuls r&#xE4;t mir, einfach aufzustehen und zu gehen oder diesen Mann wenigstens anzumaulen und ihm w&#xFC;ste Beschimpfungen an den Kopf zu werfen. Aber die liebe, dicke Vroni bleibt sitzen und l&#xE4;sst es passieren. Auch wenn aus Jan und mir wahrscheinlich niemals Liebespaar werden wird, k&#xF6;nnte mein zuk&#xFC;nftiges Werk ein Bestseller werden. Vorausgesetzt, jeder, der diese Geschichte lesen wird, kann meine Faszination f&#xFC;r diesen Mann teilen. Wenn nicht auf Anhieb, dann vielleicht, sobald der Leser das letzte Wort gelesen hat und anf&#xE4;ngt, mich zu verstehen.</p><p>Kaum hat sich Jan wieder normal hingesetzt, stellt die Kellnerin seinen Tee auf dem Tisch ab und verschwindet so schnell, wie sie gekommen ist, zur&#xFC;ck hinter dem Tresen. Auf eine seltsame Art und Weise beneide ich sie. Sie kann gehen, w&#xE4;hrend ich hier festsitze und komplett &#xFC;berfordert bin. Mit Jan, meinem Leben und der Tatsache, dass ich so wie ich derzeit bin, wohl keinem jemals gefallen werde.</p><p>&#xAB;Denkst du, die Welt w&#xE4;re ein besserer Ort, wenn alle Menschen blind w&#xE4;ren?&#xBB;, rutscht es aus mir heraus. &#xDC;berrascht halte ich mir die Hand vor den Mund, als k&#xF6;nnte ich ungeschehen machen, den Gedanken laut ausgesprochen zu haben. Jan hingegen dr&#xFC;ckt in aller Gem&#xFC;tlichkeit den Teebeutel &#xFC;ber seiner Tasse aus. Dann zuckt er mit den Achseln und sieht zu mir her&#xFC;ber. &#xAB;Du w&#xFC;rdest dich genauso hassen&#xBB;, meint er nur. Ich schlucke, weil diese Aussage irgendwie wieder weh getan hat. Eine vern&#xFC;nftige Frau w&#xFC;rde das Caf&#xE9; im Galopp verlassen. Sich vor diesem stechenden Schmerz sch&#xFC;tzen, dem Skorpion die Leviten lesen und den Stachel ausrei&#xDF;en.</p><p><strong>&#xAB;Es ist eigentlich ganz einfach, Mausi&#xBB;, </strong>sagt Jan schlie&#xDF;lich, als er einen Schluck von seinem Tee genommen hat. <strong>&#xAB;Du kannst die Menschen um dich herum nicht &#xE4;ndern, du kannst nur dich selbst &#xE4;ndern&#xBB;</strong>, klugscheisst er und mir ist bewusst, dass er recht hat. Ich habe schon unz&#xE4;hlige Male versucht, etwas an mir zu &#xE4;ndern. Di&#xE4;ten, Haarkuren, Tipps und Tricks aus dem Internet. Ich habe sogar schon &#xFC;ber Sch&#xF6;nheitsoperationen nachgedacht, aber..<br><strong> &#xAB;Ne ne, nicht von au&#xDF;en, sondern von innen&#xBB;</strong>, unterbricht Jan meinen inneren Monolog, als h&#xE4;tte ich wieder laut ausgesprochen, was ich denke. Der Mann legt eine Hand auf seine Brust. Ich bilde mir ein, sein schwarzes Herz, seine Worte nicht meine, klopfen zu h&#xF6;ren &#xA0;- und sch&#xFC;ttele instinktiv den Kopf. Akzeptieren, was mein Gegen&#xFC;ber von sich gibt, kann ich nicht. Einer, der schon immer sch&#xF6;n gewesen ist, kann nicht verstehen, wie es einer geht, die einfach nur abgrundtief h&#xE4;sslich ist und schon gewesen ist.</p><p><strong>&#xAB;Wir w&#xE4;ren beide nicht hier, wenn es in dir drin genauso aussehen w&#xFC;rde wie in mir&#xBB;,</strong> meint Jan. Ich sehe ihm zu, wie er einen weiteren Schluck von seinem Tee nimmt. <strong>&#xAB;Du hast eine Gabe&#xBB;,</strong> plappert er weiter. Keine Ahnung, was er meint, doch ich verteufele das d&#xE4;mliche L&#xE4;cheln, das meine Lippen ohne meine Erlaubnis bilden. Der D&#xE4;mon in mir bricht erneut in Gel&#xE4;chter aus, kugelt sich regelrecht vor Lachen. Die andere Vroni, die in meinem Kopf, l&#xE4;uft unruhig in meinem Oberst&#xFC;bchen rum. Der f&#xE4;llt offensichtlich auch nichts ein, was sie dazu sagen k&#xF6;nnte.</p><p>&#xAB;Und was soll das f&#xFC;r eine Gabe sein?&#xBB;, hake ich nach und bin fast schon stolz, dass ich &#xFC;berhaupt in der Lage bin, eine Frage zu stellen. Gut gemacht, Vroni! Weiter so!</p><p><strong>&#xAB;Du schaffst es, Menschen mit deinen Worten zu verzaubern&#xBB;</strong>, antwortet Jan. &#xAB;Da du deiner Meinung nach &#xFC;ber keinerlei optischen Reize verf&#xFC;gst, hast du deine St&#xE4;rke in etwas anderem gefunden und diese ausgebaut. Verstehst du, was ich meine?&#xBB;</p><p>Aus irgendeinem Grund versp&#xFC;re ich den Drang, den Inhalt der Teetasse in Jans sch&#xF6;nes Gesicht zu sch&#xFC;tten. Selbst wenn sein Kommentar als Kompliment verstanden werden k&#xF6;nnte, weigert sich etwas in mir, es auch anzunehmen.<br><strong> &#xAB;Eine Schande, diese St&#xE4;rke nicht als solche anzusehen&#xBB;</strong>, piekst der Skorpion weiter in der offenen Wunde herum.</p><p>&#x201E;Also bist du bereit f&#xFC;r das Experiment?&#x201C;, lenke ich schnell vom Thema ab. Die Vroni in meinem Kopf jubelt. Habe ich es doch tats&#xE4;chlich geschafft, den h&#xFC;bschen Jan mit meiner forschen Art, das Gespr&#xE4;ch voranzutreiben, zu &#xFC;berfahren. Er ist kurz still, dann nickt er, <em><strong>dann lacht er</strong></em> und irgendwie lache ich mit. Keine Ahnung wieso und was in mich gefahren ist. Wie zwei Bekloppte sitzen wir im Caf&#xE9; und gackern rum, statt rumzumachen. Aber da der Herr klar signalisiert hat, dass unser Date zumindest f&#xFC;r ihn kein richtiges Date ist, bleibt mir nur &#xFC;brig, Option B auszuspielen und Option B besteht daraus, in meine Handtasche zu greifen und die kleine Puppe herauszuholen. Jan reagiert, wie jeder reagieren w&#xFC;rde. Erstmal mit Skepsis und einer Prise Argwohn. Dann verformt sich seine Mimik und ein fettes Grinsen nimmt auf seinem Mund Platz. Wahrscheinlich denkt der Mann in diesem Augenblick exakt das, was jeder &#xFC;ber mich denkt, wenn er mich mit der &#xA0;Puppe in Kombination sieht. Wieder nur irgendein Grufti, der sich zu viel okkulten Quatsch einverleibt hat und nun an das &#xDC;bernat&#xFC;rliche glaubt und sich f&#xFC;r eine Hexe h&#xE4;lt.</p><p>&#x201E;<strong>Okay, die ist schr&#xE4;g&#x201C;</strong>, meint Jan und deutet mit seinem Zeigefinger auf meine Puppe. Gut, dass er mit <em>schr&#xE4;g </em>nicht mich meint, obwohl ich es besser wissen sollte. Trotzdem ist es ein tr&#xF6;stender Gedanke, nicht die einzige Absurdit&#xE4;t an diesem Tisch zu sein. Nun habe ich Verst&#xE4;rkung und irgendwie gibt mir dieses P&#xFC;ppchen das, was mir die ganze Zeit gefehlt hat. Macht. Die Chance, mehr zu sein, als nur das eingesch&#xFC;chterte, verschreckte Ding, das ich zuvor noch gewesen bin.</p><p>&#x201E;Das ist Madeleine&#x201C;, stelle ich meine Begleiterin vor. &#x201E;Sie ist verflucht&#x201C;, f&#xFC;ge ich in einem leisen Ton hinzu, als w&#xE4;re die Information ein Geheimnis, das ich nicht mit jedem teile.</p><p><strong>&#x201E;Verflucht also&#x201C;</strong>, echot Jan. In seiner Stimme h&#xF6;re ich klar und deutlich heraus, dass er mich gar nicht mehr ernst nimmt. <strong>&#x201E;Na dann, erz&#xE4;hl mal, ich bin ganz Ohr&#x201C;</strong>, gibt mein Date von sich, dann lehnt er sich entspannt mit seiner Tasse Tee in der Hand auf seinem Stuhl zur&#xFC;ck und sieht mich erwartungsvoll an. Ich schlucke. Die Sache mit der Macht will nicht so ganz fruchten. Bisschen Muffensausen ist noch da. Haupts&#xE4;chlich oder weil wir in der &#xD6;ffentlichkeit sind. Ich f&#xFC;hle mich beobachtet. Wahrscheinlich gucken einige bereits bl&#xF6;d zu unserem Tisch r&#xFC;ber und fragen sich, was hier gerade abgeht und was die Durchgeknallte mit ihrer Puppe will. Egal. Zieh es nun durch Vroni, wenn schon nicht f&#xFC;r die Liebe, dann f&#xFC;r dein Buch!</p><p>&#x201E;Madeleine ist eine Voodoopuppe, genau genommen eine ganz besondere Voodoopuppe, nicht so eine, wie man sie aus Filmen kennt. Sie erlaubt mir, die Dinge durch deine Augen zu sehen. Zu f&#xFC;hlen, was du f&#xFC;hlst, zu tun, was du tust&#x2026;&#x201C;, druckse ich herum und hasse es, wie sich Jans Mundwinkel immer weiter nach oben schieben. Bald blendet mich sein selbstzufriedenes L&#xE4;cheln so sehr, dass ich davon blind werde.</p><p><strong>&#x201E;Und du glaubst an den Quatsch?&#x201C;</strong>, erkundigt sich Jan, als von mir nichts mehr kommt. &#x201E;Das ist kein Quatsch&#x201C;, murmle ich. Verlegen senke ich den Blick. Mein D&#xE4;mon tanzt. Die andere Vroni im Kopf bibbert. Und ich? Ich will das Ganze endlich hinter mich bringen, und zwar schnell.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[das Hexenhaus]]></title><description><![CDATA[<p>Schnauzer / Schnurrb&#xE4;rte</p><p>Schutt und Asche. Ich sehe die Kirche immer noch brennen, obwohl sie l&#xE4;ngst neu aufgebaut worden ist. Sie hat ihren alten Glanz verloren, ihren Zauber, ihren Geist. Den haben die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten ausgel&#xF6;scht, als sie in</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/das-hexenhaus/</link><guid isPermaLink="false">6906718315fd3a00013959e5</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Sat, 01 Nov 2025 20:47:32 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2025/11/0_2--4-.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2025/11/0_2--4-.png" alt="das Hexenhaus"><p>Schnauzer / Schnurrb&#xE4;rte</p><p>Schutt und Asche. Ich sehe die Kirche immer noch brennen, obwohl sie l&#xE4;ngst neu aufgebaut worden ist. Sie hat ihren alten Glanz verloren, ihren Zauber, ihren Geist. Den haben die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten ausgel&#xF6;scht, als sie in unser Dorf gekommen sind, um uns alles zu nehmen, woran wir geglaubt haben und was uns Kraft und Zuversicht gegeben hat. Jetzt steht dort nur noch ein liebloses Ger&#xFC;st, ein Geb&#xE4;ude, in dem wir beten und heiraten sollen. Ich beobachte den kleinen Joey dabei, wie er Bl&#xFC;mchen vor die tote T&#xFC;r legt. Er hat die Blumen zu einem Kranz geflochten. Die M&#xE4;nner werden das nicht guthei&#xDF;en. Es wird sie an die Hexe erinnern. Die Hexe, die in den Flammen ihr Ende gefunden hat.</p><p>weben</p><p>Seit einigen Tagen tauchen P&#xFC;ppchen in unserem Wald auf. Sie h&#xE4;ngen wie kleine Galgenm&#xE4;nnchen von den &#xC4;sten und beunruhigen die Dorfbewohner. Ich habe Joey eine mitgenommen. Ihm ist egal, dass sie gruselig aussehen. Er liebt es mit dem P&#xFC;ppchen zu spielen und ihr Kleider anzuziehen, die er ihr aus kleinen Stofffetzen zusammengebastelt hat. Ich frage mich, wer die Puppen gemacht hat und woher sie kommen. Keiner will etwas gesehen oder bemerkt haben. Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten werden allm&#xE4;hlich nerv&#xF6;s. Sie halten nun immer &#xF6;fters Versammlungen ab, manchmal sogar mehrmals an einem Tag. Gudrun meint, sie haben angefangen, die Leute aus dem Dorf in das schwarze Haus zu holen. Bisher ist keiner wieder herausgekommen. Ich frage mich, was sie dort drin mit uns machen und wann ich an der Reihe bin.<br> Die Spinnen weben ihr Netz langsam.</p><p>Krone</p><p>Joey ist unser kleiner Prinz, unser K&#xF6;nig. Sein P&#xFC;ppchen tr&#xE4;gt seit heute ein Kr&#xF6;nchen, passend zu ihrem sch&#xF6;nen neuen Kleidchen, dass ich ihr aus Garn gestrickt habe. Er hat mir verraten, dass er eines Tages dieses P&#xFC;ppchen zu seiner Frau nehmen wird. Er hat nicht gesprochen, er hat die Geschichte in den Sand gemalt. Ich bin ihm bis zur Kirche gefolgt. Ich sehe den Ascheregen immer noch. Ich kann diese Bilder und die Ger&#xE4;usche einfach nicht vergessen. Das Rieseln von Russ. Der Schrei der Hexe. Ich glaube, sie hat unser Dorf verflucht und wir werden schon bald f&#xFC;r unsere Verfehlungen b&#xFC;&#xDF;en m&#xFC;ssen. Die P&#xFC;ppchen im Wald haben nun Augen.</p><p>tr&#xFC;b</p><p>Gudrun und ich haben heute versucht, aus unserem Teesatz die Zukunft zu lesen. Wir sind in den Wald gegangen und haben die Wurzeln der B&#xE4;ume ausgebuddelt, an deren &#xC4;ste wir ein Galgenm&#xE4;nnchen entdeckt haben. Daraus haben wir unseren Tee gekocht. Das Wasser ist zu einer z&#xE4;hfl&#xFC;ssigen, tr&#xFC;ben Br&#xFC;he geworden und hat entsetzlich bitter geschmeckt. Es ist mehr eine Qual als ein Genuss gewesen, den Sud zu trinken. Dennoch haben wir versucht, uns zu entspannen und an unsere Fragen zu denken, w&#xE4;hrend wir getrunken haben. Anschlie&#xDF;end haben wir unsere Tassen kopf&#xFC;ber auf eine Untertasse gest&#xFC;lpt. Wir konnten die Muster in unseren Tassen jedoch nicht deuten und die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten verbieten uns, einen Blick in die Bibliothek zu werfen. Das w&#xE4;re Hexenwerk und anst&#xE4;ndige Frauen halten sich vor solchen Praktiken und B&#xFC;chern fern.</p><p>Reh</p><p>Ich habe Joey erwischt, wie er mit einem St&#xF6;ckchen in einem Kadaver herumgestochert hat, um den ausgeh&#xF6;hlten Bauch des Tieres mit Blumen zu f&#xFC;llen. Das Reh ist noch nicht lange tot gewesen. Ich kann nicht sagen, woran es gestorben ist und wer es vor der toten T&#xFC;r abgelegt hat. Fr&#xFC;her haben wir der Erde zur&#xFC;ckgegeben, was sie uns gegeben hat. Wir haben das Opfer geehrt und unseren G&#xF6;ttern dargeboten. Ich f&#xFC;hle mich schlecht, dass ich Joey f&#xFC;r seine Tat ger&#xFC;gt habe. Er sollte keine Angst vor dem Tod haben und seine Neugier sollte keine Strafe nach sich ziehen. Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten sehen nicht gerne, wenn wir unsere Kleinsten mit unseren alten Br&#xE4;uchen bekannt machen. Wir haben das Reh liegen gelassen und jetzt kreisen die Fliegen um es. Wie soll es nur weitergehen?</p><p>durchbohren/stechen</p><p>Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten haben den ersten von uns geh&#xE4;ngt, nachdem sie sein Herz mit einer Art Eisenspeer durchbohrt haben. Er h&#xE4;ngt neben dem Dorfbrunnen und soll als Mahnmal dienen. Wer sich gegen die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten richtet, wird gerichtet, hat der eine gesagt, bevor er die Schlinge um den Hals des Waldh&#xFC;ters gelegt hat. Gudrun meint, die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten h&#xE4;tten ihn der L&#xFC;ge bezichtigt, weil er abgestritten habe, etwas &#xFC;ber die P&#xFC;ppchen im Wald zu wissen. Gudrun weiss immer mehr als alle anderen und manchmal macht mir das Angst. Sympathisiert sie mit unserem Feind und ist es mir gestattet, die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten als unseren Feind zu sehen?</p><p>Seestern</p><p>Joey und ich sind heute beim Bach gewesen und haben einen toten Seestern gefunden. Das ist seltsam. Ich glaube mich daran erinnern zu k&#xF6;nnen, dass Seesterne Meerestiere sind und im Salzwasser leben und nicht in B&#xE4;chen. Ob ihn jemand in unseren Bach geworfen hat und wenn ja, warum sollte jemand so etwas tun? Joey hat den Seestern nach unserem Ritus vor unsere Kirche gelegt. Das Reh ist mittlerweile entsorgt worden. Ich habe es nicht &#xFC;ber das Herz gebracht, Joey zu verbieten, den Seestern zu opfern. Er ist eine Besonderheit. Wir haben ihn mit Salz eingerieben und &#xFC;ber einem kleinen Feuer versiegelt. Dazu haben wir Lieder gesungen und unseren G&#xF6;ttern gehuldigt. Den Seestern wie M&#xFC;ll wegzuwerfen, hat sich nicht richtig angef&#xFC;hlt. Ich hoffe, niemand hat uns dabei gesehen.</p><p>r&#xFC;cksichtslos</p><p>Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten werden immer r&#xFC;cksichtsloser. Sie sind mit Fackeln in den Wald hinein und haben alle Galgenm&#xE4;nnchen angez&#xFC;ndet. Der Wald brennt und wir stehen versammelt vor unserer Kirche und denken an den Tag zur&#xFC;ck, als sie das gleiche mit ihr gemacht haben. M&#xF6;gen unsere G&#xF6;tter den Brand l&#xF6;schen und uns den Regen schicken. Am Himmel sehe ich schon die ersten Wolken und aus der Ferne ist Donnergrollen zu h&#xF6;ren. Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten sind nicht allm&#xE4;chtig, unsere G&#xF6;tter jedoch schon.<br> Ich habe meine Augen nach Gudrun Ausschau halten lassen, habe sie aber in der Menge nicht ausmachen k&#xF6;nnen. Joey hat meine Hand ganz festgedr&#xFC;ckt. Sein P&#xFC;ppchen ist nun das Einzige, was noch &#xFC;briggeblieben ist. Seine K&#xF6;nigin, die uns hoffentlich irgendwann retten wird. Ist es d&#xFC;mmlich, gar sch&#xE4;ndlich von mir, an den Zauber einer kleinen Stoffpuppe zu glauben?<br>Der Seestern ist verschwunden. Irgendjemand hat ihn entfernt.</p><p>schwer</p><p>Es f&#xE4;llt mir immer schwerer, keinen Groll zu empfinden. Es wird mit jedem Tag schlimmer. Unser geliebter gr&#xFC;ner Wald erinnert nun mehr an einen Scheiterhaufen, dem wir alle zum Opfer gefallen sind. Es ist nicht mehr viel &#xFC;briggeblieben, nur einsame, kahle St&#xE4;mme ohne Bl&#xE4;tter, die schwarzen Arme von sich strecken und stumm ihr Leid klagen. Das ist ein Fluch. Die G&#xF6;tter haben uns verlassen. Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten halten viele von uns im schwarzen Haus fest. Ich denke, sie haben Gudrun auch geholt, denn seit dem gro&#xDF;en Brand ist sie wie vom Erdboden verschluckt. Als h&#xE4;tte der Teufel sie zu sich genommen, weil sie ihren Mund nicht halten kann. Sie ist t&#xF6;richt. Wahrscheinlich wird sie nun f&#xFC;r ihr L&#xE4;stermaul b&#xFC;&#xDF;en m&#xFC;ssen. Geschieht ihr recht. Irgendjemand muss f&#xFC;r das alles hier b&#xFC;&#xDF;en, selbst wenn es meine Freundin Gudrun ist. Denn nur wer Bu&#xDF;e tut, wird Heilung erfahren.</p><p>fegen/kehren</p><p>Des Nachts h&#xF6;rt man, wie die Handlanger der M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten die B&#xF6;den fegen. Der Geruch von Asche liegt allgegenw&#xE4;rtig in der Luft, als w&#xFC;rde der Wald noch brennen. Er hat sich in unsere Nasen gebrannt und wird fortan in unseren K&#xF6;pfen wohnen und unsere Gedanken verderben. Es regnet Russ vom Himmel. Wir atmen ihn ein und er schw&#xE4;rzt unsere Lungen. Die &#xC4;lteren von uns husten und keuchen, die J&#xFC;ngeren werden vermehrt krank. Ist das eine Seuche oder die Strafe f&#xFC;r das Sterben unserer B&#xE4;ume?<br> Auch Schreie sind zu h&#xF6;ren. Es sind die Schreie von Frauen und sie kommen aus dem schwarzen Haus. Irgendwann werden sie mich auch holen. Ich sp&#xFC;re es. Ich mache mir Sorgen um Joey. Er ist doch noch so klein.</p><p>stechen</p><p>Da ist ein Stechen in meiner Brust jedes Mal, wenn ich einen Atemzug nehme. Ich versuche mir vor Joey nichts anmerken zu lassen. Er w&#xFC;rde sich Sorgen und sich auf die Suche nach Heilkr&#xE4;utern machen. Es ist besser, wenn er dort drau&#xDF;en nicht alleine herumstreift. Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten sind unberechenbar geworden. Sie toben und w&#xFC;ten und schlagen um sich. Beinahe als w&#xE4;ren sie besessen von was oder irgendwem. Hat sie vielleicht eine Hexe verzaubert? Stehen sie unter einem Bann und was passiert mit uns, wenn jeder einzelne von ihnen seinen Verstand komplett verloren hat?</p><p>geschreddert / zerkleinern</p><p>Die Galgenm&#xE4;nnchen sind wieder aufgetaucht! Sie h&#xE4;ngen an den ausgebrannten &#xC4;sten der toten B&#xE4;ume wie unheilvolle Boten. Ich bin mir fast sicher, dass niemand aus unserem Dorf sie angebracht hat, denn nur ein verwirrter Geist w&#xFC;rde sich sowas noch trauen. Der Wald bietet keinen Schutz mehr. Die Handlanger der M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten streifen des Tages und des Nachts durch unser Dorf und unsere Felder und &#xFC;berwachen uns. Sie h&#xE4;tten den &#xDC;belt&#xE4;ter ertappt, w&#xE4;re er in unseren Reihen.<br>Dennoch ist das Misstrauen gro&#xDF;, so gro&#xDF;, dass die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten angedroht haben, f&#xFC;r jede Puppe, die zuk&#xFC;nftig angebracht wird, ein jeder von uns, um eine Gliedma&#xDF;e zu zerkleinern. Das ist doch Wahnsinn. Wir m&#xFC;ssen sie aufhalten. Wir m&#xFC;ssen uns endlich wehren!</p><p>trinken</p><p>Ich wurde heute von einem der Handlanger zur Rede gestellt, warum ich mich an den Wurzeln der verdorrten B&#xE4;ume vergehe. Sie sind zu dritt gewesen. Ich habe ihnen versichert, dass ich die Wurzeln f&#xFC;r Tee brauche und habe ihnen angeboten, ihn zu kosten, sobald ich ihn fertig gebraut habe. Sie haben mich als Hexe beschimpft und mich vor Joey geschlagen. Als ich am Boden gelegen habe, haben sie mich getreten, bis Blut den Boden getr&#xE4;nkt hat. Joey hat geschrien. Ich habe ihn noch nie schreien geh&#xF6;rt. Ich habe ihn f&#xFC;r stumm gehalten, doch ich habe mich get&#xE4;uscht. Sie haben irgendetwas in ihm erweckt. Wenn ich jetzt in sein Gesicht gucke, sehe ich nicht mehr einen Jungen vor mir: Er ist nun ein anderer. Das Leuchten ist aus seinen Augen verschwunden und sein Mund l&#xE4;chelt nicht mehr. Das Lachen haben sie ihm genommen.</p><p>Stamm</p><p>Es ist nun verboten, in den Wald zu gehen. Irgendjemand hat seltsame Zeichen in die Rinde der dicken St&#xE4;mme der verbliebenen B&#xE4;ume geritzt. Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten halten diese Schnitzereien f&#xFC;r Teufelswerk. Ich w&#xFC;nschte, sie w&#xFC;rden uns erlauben, einen Blick in die B&#xFC;cher zu werfen. Sollte wirklich irgendeine Macht hinter uns her sein, m&#xFC;ssen wir uns wappnen. B&#xF6;se Geister k&#xF6;nnen ferngehalten werden. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter einmal zu mir gesagt hat, ein Affe k&#xF6;nne die D&#xE4;monen fernhalten. Wir haben nicht viel, doch ich habe einige aus unserem Dorf &#xFC;berreden k&#xF6;nnen, aus Papier kleine Affen zu falten. Wir haben sie um unsere Kirche herum verteilt. Hoffentlich halten sie das, was uns heimsucht, auf. M&#xF6;ge irgendein Gott Erbarmen zeigen.</p><p>ragged / zottig, zerlumpt</p><p>Einer der Dorfbewohner behauptet, in der Nacht eine zerlumpte Gestalt gesehen zu haben. Sie w&#xE4;re aus dem Wald gekommen und auch wieder dorthin verschwunden. Ob er sich diese Gestalt nur eingebildet hat? Keiner sonst habe sie umherstreifen gesehen. Auch nicht die Handlanger. Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten haben eine Versammlung ausgerufen und den Mann vor aller Augen ausgepeitscht. Sein Blut hat unsere Gesichter benetzt. Die Grausamkeit der M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten ist grenzenlos. Mittlerweile frage ich mich nicht mehr, was sie mit den Menschen machen, die sie zu sich ins schwarze Haus holen, nein, ich f&#xFC;rchte mich davor.</p><p>blunder / Fehler Schnitzer</p><p>Ich sch&#xE4;me mich f&#xFC;r das, was ich Joey angetan habe. Ich sch&#xE4;me mich so sehr. Es ist ein Fehler gewesen, ihm sein P&#xFC;ppchen wegzunehmen. Ich h&#xE4;tte es besser wissen m&#xFC;ssen. Ich habe ihn doch nur besch&#xFC;tzen wollen. Er hat sein P&#xFC;ppchen &#xFC;berall gesucht und ist in den Wald gegangen. Die Handlanger haben ihn gefunden. Sie haben nicht verstanden, dass der Junge nicht sprechen kann. Sie haben sich von ihm verh&#xF6;hnt gef&#xFC;hlt und ihm Anstand eingepr&#xFC;gelt. Joey ist ein braves Kind. Er w&#xFC;rde nie etwas Unrechtes tun. Ich habe seine Wunden mit warmen Wickeln versorgt. Es ist seltsam. Normalerweise brauchen solche Verletzungen eine Weile, um zu heilen. Vielleicht schwindet allm&#xE4;hlich mein Verstand, doch ich werde das Verlangen nicht los, dem Jungen mehr Wunden zuzuf&#xFC;gen, um zu sehen, ob diese genauso schnell verschwinden wie die anderen.<br>Ich kann Joey vorerst nicht mehr aus dem Haus lassen, sonst halten mich die anderen f&#xFC;r eine Hexe.</p><p>ornate / aufwendig</p><p>Der Traum von letzter Nacht l&#xE4;sst mich nicht mehr los. Ich habe von meiner Mutter getr&#xE4;umt. Vor ihrem Tod hat sie hin und wieder S&#xE9;ancen abgehalten, um Kontakt mit den Geistern aufzubauen. &quot;Die Geister sind uns wohlgesinnt&quot;, hat sie stets behauptet. Es ist nicht gerne gesehen, wenn man Kontakt zum Jenseits aufnimmt. Man kann D&#xE4;monen und andere &#xFC;bernat&#xFC;rliche Entit&#xE4;ten herbeirufen. Das ist gef&#xE4;hrlich, besonders wenn sie nicht zur&#xFC;ck gehen wollen. Um eine S&#xE9;ance durchzuf&#xFC;hren, ben&#xF6;tigt man einen Vermittler. Jemanden, der zwischen den Toten und den Lebenden als &#x201E;Gespr&#xE4;chsrohr&#x201C; fungiert. So hat es meine Mutter genannt. Ich bin mir sicher, sie hat sich diesen Begriff nur ausgedacht. In meinem Traum habe ich meine Mutter bei einer ihrer S&#xE9;ancen beobachtet. Vielleicht ist es eine Erinnerung. Ich kann es nicht so genau sagen. Diese S&#xE9;ance ist aufwendiger als die anderen. Es sind nicht nur Kerzen aufgestellt worden, man hat den Geistern auch einen K&#xF6;rper als Gef&#xE4;&#xDF; angeboten. Ich habe nicht erkannt, wer die sechs Teilnehmer gewesen sind und wer von ihnen die Geister in sich aufgenommen hat. Sie haben alle Kutten getragen und ihre Gesichter verh&#xFC;llt. Ob der Geist noch hier ist und sich geweigert hat zu gehen? Ich habe ein ungutes Gef&#xFC;hl, ich tr&#xE4;ume sonst nie und schon gar nicht, wache ich woanders wieder auf.</p><p>dealen /handeln</p><p>Einer der Dorfbewohner hat versucht, mit den M&#xE4;nnern mit den Schnurrb&#xE4;rten zu verhandeln. Die M&#xE4;nner haben nur gelacht und ihre B&#xE4;rte gewippt. &#x201E;Sie werden nicht gehen&#x201C; - der Einzige, der gegangen ist, ist der einf&#xE4;ltige Narr, den sie an einem der B&#xE4;ume aufgehangen haben und nie wieder mehr zu uns zur&#xFC;ckkehren wird. Die Kr&#xE4;hen haben ihm bereits die Augen ausgepickt. Der Tod hat sich in unserem Dorf breit gemacht. Der Gestank der F&#xE4;ule liegt in der Luft und macht uns das Herz und das Atmen schwer.</p><p>Wir werden immer weniger und das schwarze Haus f&#xFC;llt sich mehr und mehr. Bald wird keiner mehr von uns &#xFC;brig sein.</p><p>arctic / Arktis arktisch</p><p>Die K&#xE4;lte macht nicht nur mir zu schaffen. &#x201E;Es ist arktisch&#x201C;, hat einer der &#xC4;lteren verlauten lassen und sobald der Schnee kommt, sind wir verloren. Unsere B&#xE4;uche leiden Hunger und unsere Gem&#xFC;ter sind erkaltet. Wir sind nur noch seelenlose Gestalten, die willenlos herum gescheucht werden, um den M&#xE4;nnern mit den Schnurrb&#xE4;rten zu dienen. Ein Weib soll sich heute Nacht zu einem von ihnen legen und wir sind nur noch neunzehn an der Zahl.</p><p>Ich bin mit Joey zur Kirche gegangen und habe gebetet. Wie die Christen haben wir unsere H&#xE4;nde zu kleinen Pyramiden gefaltet und uns auf den Boden gekniet. Es ist Geschwistern untersagt, sich zu verm&#xE4;hlen, dennoch hoffe ich, dass die G&#xF6;tter Erbarmen zeigen und es mir gestatten. Denn wenn mich Joey zu seiner Frau macht, k&#xF6;nnte er meine Reinheit f&#xFC;r sich bewahren und mich somit vor den M&#xE4;nnern mit den Schnurrb&#xE4;rten sch&#xFC;tzen.</p><p>rivals / Rivalen</p><p>Einige der Dorfbewohner behaupten nun, die zerlumpte Gestalt gesehen zu haben, die herumgeistern soll. Es wird hinter vorgehaltenen H&#xE4;nden getuschelt. Unter anderem werden auch frevelhafte Behauptungen aufgestellt. Die Gestalt soll unser Retter sein, der Rivale, der uns aus den Klauen der M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten befreien und &#xFC;ber das B&#xF6;se siegen wird. Doch sollten diejenigen solche Aussagen lieber f&#xFC;r sich behalten, in Anbetracht, was mit dem Letzten geschehen ist, der laut &#xFC;ber die Gestalt und deren Existenz gesprochen hat.</p><p>Auch andere Stimmen erheben sich, die behaupten, dass die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten die Reinigung all unserer S&#xFC;nden sind.</p><p>blast / Explosion</p><p>Es ist schon wieder passiert. Unsere Kirche ist uns genommen worden. Diesmal ist sie nicht dem Feuer zum Opfer gefallen. Nein. Irgendjemand oder irgendetwas hat sie zerst&#xF6;rt. Wir haben mitten in der Nacht ein Ger&#xE4;usch geh&#xF6;rt. Eine Art Explosion. Ein dumpfer lauter Knall, der uns aus unseren Tr&#xE4;umen gerissen und uns vor unsere T&#xFC;ren gezerrt hat. Dort, wo einst unsere Kirchen gestanden hat, ist nur noch dieses wei&#xDF;e Pulver &#xFC;brig. Es liegt wie Schnee auf dem geweihten Boden und brennt wie S&#xE4;ure, wenn man es wagt, es anzufassen. Einer der &#xC4;lteren behauptet, es k&#xF6;nnte sich um die Sporen von Pilzen handeln, doch wie sollen Pilze unsere Kirche zu Fall gebracht haben? Pilze explodieren nicht und sie erzeugen auch keinen Knall. Vielleicht ist es die Erde. Vielleicht ist sie verflucht worden. Vielleicht sind wir aber auch alle verflucht.</p><p>Die Handlager der M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten kehren und fegen nun auch tags&#xFC;ber. Sie versuchen, das wei&#xDF;e Zeug von unseren H&#xE4;usern fernzuhalten, aber es breitet sich immer weiter aus.</p><p>button / Knopf</p><p>Ohne Kirche wird es keine Verm&#xE4;hlungen mehr geben. Ich zerbreche mir beinahe st&#xFC;ndlich den Kopf dar&#xFC;ber, wie ich es schaffe, meine Verschleppung weiterhin hinausz&#xF6;gern. Die Verzweiflung macht sich in mir breit wie eine Made, die nicht aufh&#xF6;rt zu fressen. Die Gedanken werden von Tag zu Tag dunkler. Sie sind so schwarz, dass ich bald kein Licht mehr sehen kann. Vor Joey will ich mir nichts anmerken lassen. Ich habe Angst und weine heimlich.</p><p>Ich habe ihm heute erlaubt, das Haus zu verlassen und drau&#xDF;en ein wenig Sonne zu tanken. Die Wunden sind verheilt, doch keiner stellt Fragen. Vielmehr interessieren sich alle f&#xFC;r das wei&#xDF;e Pulver. Es ist, als w&#xFC;rden die anderen wie magisch davon angezogen werden. Die Ber&#xFC;hrung sorgt jedoch f&#xFC;r Verbrennungen und derjenige, der es gewagt hat, sich eine Handvoll davon in den Rachen zu stopfen, lebt nicht mehr. Erst sind ihm die Augen aus den H&#xF6;hlen gequollen und anschlie&#xDF;end ist er tot umgefallen. Es ist, als h&#xE4;tte das Verschwinden unserer Kirche den allerletzten Knopf gel&#xF6;st und den Wahnsinn vollkommen entfaltet.</p><p>firefly / Gl&#xFC;hw&#xFC;rmchen</p><p>Das wei&#xDF;e Pulver leuchtet wie Gl&#xFC;hw&#xFC;rmchen in der Nacht. Scharfe Zungen behaupten, es sei ein &#xFC;bernat&#xFC;rliches Ph&#xE4;nomen. Das wei&#xDF;e Zeug w&#xFC;rde von den Au&#xDF;erirdischen kommen, die es auf uns abgesehen haben und uns vernichten wollen. Haben sie alle den Glauben an unsere G&#xF6;tter verloren? Mittlerweile haben auch die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten aufgeh&#xF6;rt, es zu bek&#xE4;mpfen. Vielmehr konzentrieren sie sich darauf, das schwarze Haus mit noch mehr Leben zu f&#xFC;llen.</p><p>Selbst die zerlumpte Gestalt ist in Vergessenheit geraten, keiner will sie mehr gesehen haben und niemand spricht mehr &#xFC;ber sie. Es ist, als h&#xE4;tte man sie aus unseren K&#xF6;pfen gel&#xF6;scht. Joey verh&#xE4;lt sich immer seltsamer. Manchmal l&#xE4;uft er ohne ersichtlichen Grund r&#xFC;ckw&#xE4;rts und wenn er sich unbeobachtet f&#xFC;hlt, murmelt er irgendwelche Phrasen vor sich hin. Ich verstehe die Sprache nicht und verstehe noch weniger, weshalb ich den Jungen all die Jahre f&#xFC;r stumm gehalten und seine Stille kein einziges Mal hinterfragt habe. Ob es f&#xFC;r ihn blo&#xDF; keinen Grund gegeben hat, mit uns zu sprechen? Warum sonst sollte sich ein kleiner Junge dagegen wehren, Worte von sich zu geben?</p><p>rowdy / Radaubruder</p><p>Ich erkenne Joey gar nicht mehr wieder. Sein Benehmen ist r&#xFC;pelhaft und unzumutbar in Anbetracht der Lage, in der wir uns befinden. Erst habe ich gesehen, wie er an das schwarze Haus gepinkelt hat, dann habe ich ihn dabei beobachtet, wie er seinen eigenen Urin vom Boden leckt. Das ist nicht mehr mein Joey, er ist wie von Sinnen. Wenn ich ihn auf seine Taten anspreche, wird er laut und ich bekomme ihn kaum geb&#xE4;ndigt. Mittlerweile denke ich, dass seine Wesensver&#xE4;nderung mit dem P&#xFC;ppchen im Zusammenhang steht. Ich kann mich nicht genau daran erinnern, wann er angefangen hat, sich zu ver&#xE4;ndern, doch ich werde das Gef&#xFC;hl nicht los, dass irgendetwas in ihm erweckt worden ist. &#xDC;ber meine Vermutung zu sprechen, w&#xE4;re vermutlich sein Todesurteil. Das kann und werde ich ihm nicht antun, auch wenn er mich immer &#xF6;fter von sich wegst&#xF6;&#xDF;t. Man kann niemandem mehr vertrauen. Freunde werden zu Feinden und die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten haben ihre Augen und Ohren &#xFC;berall.</p><p>inferno</p><p>Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten haben ihren Handlangern befohlen, das weisse Pulver anzuz&#xFC;nden, so wie sie es mit unseren B&#xE4;umen gemacht haben. Ein weiteres Inferno &#xFC;berleben wir nicht. Unser Leben ist bereits wie die H&#xF6;lle auf Erden. Die Handlanger haben den Befehl verweigert. Es ist das erste Mal, dass die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten ihren Willen nicht bekommen. Ein F&#xFC;nkchen Hoffnung keimt auf. Die Frage ist nur, wie lange es sich gegen den Sturm, der in unseren K&#xF6;pfen tobt, behaupten kann?<br>Einer der Handlanger wurde viergeteilt. Ein anderer l&#xE4;uft nun ohne Arme herum und bei einem weiteren fehlt ein Bein. Sie haben vorher schon abscheulich ausgesehen, jetzt erinnern sie mich an kleine, unf&#xF6;rmige Kastanienm&#xE4;nnchen, die zu vielen Kinderh&#xE4;nden zum Opfer gefallen sind.<br>Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten spielen mit uns. Irgendwann wird sie das Spiel langweilen und was ist dann? Wir m&#xFC;ssen aufh&#xF6;ren mitzuspielen oder endlich anfangen, unsere eigenen Spielregeln aufzustellen. Was f&#xFC;r ein Schicksal wird uns dann ereilen? Wir m&#xFC;ssen uns entscheiden. Entweder wird das weisse Pulver uns wie Schnee unter sich begraben oder wir verenden wie die anderen schlussendlich im schwarzen Haus.</p><p>puzzling /puzzeln</p><p>Die Puzzleteile f&#xFC;gen sich so langsam zusammen. Ich habe Joeys Bett in der Nacht leer vorgefunden. Ein Impuls hat mich dazu verleitet, in sein Zimmer zu gehen und nach ihm zu sehen. Nicht nur mein Bruder hat gefehlt, sondern auch seine Tagesdecke. Wenn ich eins und eins richtig zusammenz&#xE4;hle, k&#xF6;nnte es sein, dass ich herausgefunden habe, wer die zerlumpte Gestalt ist. Ob Joey schlafwandelt, oder was treibt ihn sonst dazu, in der Nacht umherzustreifen? Vielleicht sollte ich mich heimlich an seine Fersen heften und der Sache auf den Grund gehen, w&#xE4;re da nicht die Angst, die jeden Zentimeter meines K&#xF6;rpers in Beschlag genommen hat. Ich m&#xF6;chte mir die Strafe gar nicht ausmalen, sollten die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten oder ihre Handlanger uns erwischen. Mir fehlen zu viele Teile, um so ein gro&#xDF;es Risiko einzugehen. Au&#xDF;erdem weiss ich nicht, wie Joey darauf reagieren wird, dass ich das Geheimnis um die Gestalt gel&#xFC;ftet habe.</p><p>Zwiebel</p><p>Meine Mutter meinte immer, dass Menschen wie Zwiebeln sind. Sie bestehen aus verschiedenen Schichten und meistens ist es mit Tr&#xE4;nen vergie&#xDF;en verbunden, um an den inneren Kern zu kommen. Zwiebeln haben sieben Schichten. Zumindest sind Sieben an der Zahl z&#xE4;hlbar, wenn man die braune Schale entfernt und die d&#xFC;nnen H&#xE4;utchen nicht dazu z&#xE4;hlt. Wie viele Schichten Menschen haben, hat mir meine Mutter nie verraten, sie hat blo&#xDF; gel&#xE4;chelt, als w&#xFC;rde sie viel mehr wissen, als sie preisgeben m&#xF6;chte. Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten haben klug gehandelt. Sie haben diejenige in die Flammen geworfen, die ihnen zum Verh&#xE4;ngnis werden und sie h&#xE4;tte ausl&#xF6;schen k&#xF6;nnen. Wissen ist gef&#xE4;hrlich und eine unscheinbare Macht. <br>Meine Mutter ist nicht nur eine schlaue Frau gewesen, sondern auch eine risikofreudige. Sie hat die Gefahr geliebt. W&#xE4;re ich mehr so wie sie, h&#xE4;tte ich unl&#xE4;ngst einen Weg gefunden, um in die Bibliothek zu gelangen. Mit Muskelkraft wird man die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten nicht bezwingen k&#xF6;nnen, daf&#xFC;r sind sie zu m&#xE4;chtig und zu gewitzt. Man muss sie mit den eigenen Mitteln schlagen, einen wunden Punkt finden und diesen Schicht f&#xFC;r Schicht offenlegen. Anders geht es nicht.<br>Heisst es nicht immer, der Apfel f&#xE4;llt nicht weit vom Stamm? Wie die Mutter, so die Tochter? Ich werde meiner Aufgabe nicht gerecht, ich werde scheitern. Ich sp&#xFC;re es. Ich werde Joey nicht besch&#xFC;tzen k&#xF6;nnen. &#xA0;Ich kann mich nicht einmal selbst sch&#xFC;tzen. Dem Schicksal und den M&#xE4;nnern mit den Schnurrb&#xE4;rten wird man nicht entkommen k&#xF6;nnen. Das ist unm&#xF6;glich.</p><p>Skeletal / Skelett /skelettartig</p><p>Ein Mensch ohne Schichten ist wie ein Skelett. Durchscheinbar und zerbrechlich und am Ende wird von uns allen nicht mehr &#xFC;brigbleiben als Knochen. Wozu sich wehren, wenn dieser Umstand unvermeidbar ist? <br>Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten haben die vorletzte Frau ins schwarze Haus geholt, seitdem ist es still geworden. Keiner traut sich mehr vor die T&#xFC;r. Alle wissen, dass ich die N&#xE4;chste bin. Ich halte die wissenden Blicke und die schreckverzerrten Gesichter nicht mehr aus. Der geweihte Ort ist entweiht. Die Bewohner sind bis auf Wenige ausgemerzt. Und Joey? Er ist nicht mehr zur&#xFC;ckgekehrt. Sein Bett ist leer geblieben. Ich habe ihn &#xFC;berall gesucht. Ich bin sogar bis in den verbotenen Wald vorger&#xFC;ckt. Habe seinen Namen gerufen, die G&#xF6;tter angefleht. Er ist und bleibt verschwunden. &#x201C;Der D&#xE4;mon ist ausgetrieben worden&#x201D;, fl&#xFC;stern die Stimmen, doch sie l&#xFC;gen allesamt. Joey ist kein D&#xE4;mon. Joey ist unser Retter, unser K&#xF6;nig. Mein Bruder. Ein Unschuldslamm.<br>Es ist egal, was ich mache, was ich sage und wohin ich gehe. Ich bin die N&#xE4;chste und keiner wird mir mehr was antun. Ich geh&#xF6;re jetzt ihnen. Ich geh&#xF6;re dem schwarzen Haus. Von dort gibt es kein Entrinnen, keine Wiederkehr. Sie werden mir meine Reinheit nehmen. Meinen Willen brechen. Mich zu einem Teil des Ganzen machen. Das weisse Pulver reicht mir nun bis zu den Knien. Ich wate durch es hindurch und begr&#xFC;sse den Schmerz. Es ist wie ein Tanz auf Messers Schneide. Keiner kann mich mehr aufhalten. Ich werde in die Bibliothek gehen, koste es, was es wolle.</p><p>Lesson / Lektion</p><p>Ich habe meine Lektion gelernt. Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten haben recht. Bei den B&#xFC;chern handelt es sich um Hexenwerk. Ihre Seiten sind leer. Kein einziges Wort steht auf ihnen geschrieben. Sie sind wie ausradiert. Manche der B&#xFC;cher zerfallen schon zu Staub. Mit ihnen all das Wissen, all die Erinnerungen. Sie werden verblassen wie unser Dorf, wie unsere W&#xE4;lder, wie die Bewohner, wie der Glauben, wie unsere Br&#xE4;uche und schlussendlich die Hoffnung. Oder ist das nur der Wahnsinn, der unter meiner Sch&#xE4;delrinde kitzelt und um Freilassung bittet?<br>Wir sind verloren. Wir sind alle verloren. Alles, was uns noch bleibt, uns an den H&#xE4;nden zu nehmen und zu tanzen.</p><p>Vacant/ frei</p><p>Rituale sollen uns von alten Themen, Belastungen und Gewohnheiten befreien, um Platz f&#xFC;r einen Neuanfang zu schaffen. Manche davon beziehen sich auf die Austreibung von Geistern, die auf dem Glauben an D&#xE4;monen beruhen. Zeremonien markieren den &#xDC;bergang in eine neue Lebensphase. Gebete sind eine verbale oder nonverbale rituelle oder freie Zuwendung an transzendente Wesen, an Gott oder Gottheiten. R&#xE4;ucherrituale k&#xF6;nnen dazu dienen, sich von ungewollten Verstrickungen zu l&#xF6;sen und ein Gef&#xFC;hl der Freiheit zu erlangen.</p><p>Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten haben mich in das schwarze Haus geholt und ich bin nun frei.</p><p>Award / vergeben</p><p>Amnesie beschreibt den Verlust des Ged&#xE4;chtnisses f&#xFC;r pers&#xF6;nliche Erlebnisse, &#xF6;ffentliche Ereignisse oder Informationen, trotz ansonsten normaler kognitiver Funktion. Die Ursachen k&#xF6;nnen organisch sein, wie neurologische Zust&#xE4;nde, oder psychogen, ausgel&#xF6;st durch traumatische Erlebnisse.<br>Durch die Hypnose werden Instanzen im Gehirn, die f&#xFC;r das Ich-Bewusstsein und f&#xFC;r die Alltagsvernunft zust&#xE4;ndig sind, sozusagen heruntergefahren. Der Therapeut nutzt diesen Zustand, um negative Verhaltensweisen durch positive zu ersetzen oder um traumatische Erlebnisse aufzuarbeiten.</p><p>&#x201C;Ich z&#xE4;hle nun von eins bis f&#xFC;nf. Bei der F&#xFC;nf bist du wieder im Hier und Jetzt. Im Hier und Jetzt. Eins. Zwei. Drei. Vier. F&#xFC;nf. Du bist im Hier und Jetzt. Du wachst langsam auf und du bist sicher&#x201D;, h&#xF6;re ich die ruhige Stimme meines Therapeuten leise an meinem Ohr. Seine Haare streifen kurz mein Gesicht. Es kitzelt leicht. Ich sp&#xFC;re, wie sich ein d&#xFC;mmliches L&#xE4;cheln auf meinem Mund bildet. Immerhin der funktioniert schon wieder. Meine Augen wollen noch nicht so richtig. Die Lider sind schwer wie Beton, als ich sie wie in Zeitlupe nach oben schieben will. Ich sehe nur verschwommen, will blinzeln, doch f&#xFC;r dieses Unterfangen ist es zu fr&#xFC;h. Geht nicht. Keine Chance.<br>&#x201C;Wie f&#xFC;hlst du dich?&#x201D;, werde ich gefragt. <br>Ich will antworten, will ich wirklich, aber bis auf doof grinsen ist nicht viel zu machen. &#x201C;Alles gut, lass dir Zeit&#x201D;, beruhigt mich mein Therapeut, der sich wie ein hautfarbener Fleck vor meiner Iris abbildet. Irgendwie so. Ich habe nun schon einige Sessions hinter mir, aber an das Gef&#xFC;hl nach der Trance kann ich mich nicht so richtig gew&#xF6;hnen. Das ist immer anders. Seltsam. Wie wenn man aus einer Welt in eine andere gerissen wird. Man muss sich zuerst wieder daran gew&#xF6;hnen, im eigenen K&#xF6;rper angekommen zu sein.</p><p>&#x201E;Da bist du ja&#x201C;, begr&#xFC;&#xDF;t mich mein Therapeut. &#x201E;Da bin ich&#x201C;, wiederhole ich in Gedanken und bin doch nicht vollst&#xE4;ndig da. Die Augenlider sind zwar offen, doch das Sehen funktioniert nur halb. Ich nehme Schemen und Schatten wahr. Mehr nicht. &#x201E;Ich verstehe es immer noch nicht&#x201C;, falle ich mit der T&#xFC;r ins Haus. Mein Therapeut holt sein Notizbuch heraus. Zumindest h&#xF6;rt es sich so an. Rascheln, das Umbl&#xE4;ttern einer Seite, die Kugelschreibermine, die herausgedr&#xFC;ckt wird, das Kratzen von frischen Buchstaben auf Papier. &#x201E;Was genau verstehst du nicht?&#x201C;, hakt mein Therapeut nach.</p><p>Ich seufze und zweifle wie so oft an meinem Verstand. Oder an dem, was davon noch &#xFC;brig ist. &#x201E;Wie mir das alles helfen soll&#x201C;, beantworte seine Frage. &#x201E;Egal, wie oft sie mich in Hypnose versetzen, ich f&#xFC;hle diese Frau nicht. Das bin nicht ich. Ich kann mich absolut nicht mit ihr identifizieren&#x201C;, maule ich frustriert und kann einfach nicht aufh&#xF6;ren, meinen Therapeuten weiterhin zu siezen, obwohl er mir unl&#xE4;ngst das Du angeboten hat. Irgendwie ist es komisch, seinen Therapeuten zu duzen. Besonders wenn sein Vorname so sonderbar ist, dass er eigentlich gar nicht echt sein kann, sondern frei erfunden klingt. Wahrscheinlich ist er mir aber deswegen h&#xE4;ngen geblieben, wenngleich mir sonst f&#xFC;r gew&#xF6;hnlich alles entf&#xE4;llt. Seine Mutter hat ihm den Namen Indigo gegeben. Weil sie diese Farbe so sehr liebt. Ich finde sie auch sch&#xF6;n, doch ich w&#xFC;rde niemals mein Kind so nennen. Sollte ich je eines bekommen.</p><p>&#x201E;Nun, was soll ich sagen? Diese Reisen in ein fr&#xFC;heres oder ein anderes selbst, sind immer etwas knifflig und k&#xF6;nnen f&#xFC;r den Reisenden vorerst verwirrend, gar be&#xE4;ngstigend sein&#x201C;, blubbert mein Therapeut voller Elan los, v&#xF6;llig &#xFC;berzeugt von seiner Strategie. &#x201E;Gerade bei Patienten mit Amnesie bietet sich Hypnose an, um eventuelle Blockaden zu l&#xF6;sen und Antworten zu finden&#x201C;, schwadroniert er pfiffig weiter. &#x201E;An was kannst du dich dieses Mal erinnern? Ich m&#xF6;chte es gerne aus deinem eigenen Mund h&#xF6;ren, damit ich es mit meinen Eindr&#xFC;cken aus unserer heutigen Session abgleichen kann.&#x201C;</p><p>&#x201E;Keine Ahnung, was das bringen soll&#x201C;, mucke ich unn&#xF6;tig rum, da ich mich sowieso nicht davor dr&#xFC;cken. Ich nehme eine Bewegung wahr und wenn ich sie richtig deute, hat sich mein Therapeut gerade auf seinem Stuhl neu positioniert, er wirkt nun n&#xE4;her an mir dran und leicht vorgelehnt. &#x201E;Zwei Menschen k&#xF6;nnen das gleiche Ereignis v&#xF6;llig unterschiedlich wahrnehmen. So ist es auch mit unseren Sessions. Was ich empfinde, was du empfindest, wie wir es verarbeiten, erleben, was haften bleibt, was vielleicht verloren geht. Wir k&#xF6;nnen unsere Eindr&#xFC;cke miteinander teilen und sie uns genauer anschauen und analysieren&#x201C;, schwafelt mein Therapeut mich weiter zu. Manchmal w&#xFC;nsche ich mir, ich k&#xF6;nnte seine Begeisterung teilen. In mir str&#xE4;ubt sich alles dagegen, die ganze Session Revue passieren zu lassen.</p><p>&#x201E;Na gut&#x201C;, gebe ich klein bei und denke nach. Das Kopfweh setzt ein, dicht gefolgt von einem Flackern am Rande meines Sichtfeldes. &#x201E;Ich bin in das schwarze Haus gegangen&#x201C;, sage ich und merke, wie ich mit meinen Fingern rumspiele. Allein das schwarze Haus in meiner Erinnerung zu sehen, macht mich nerv&#xF6;s. Ich wei&#xDF; nicht genau wei&#xDF;, warum das so ist. Schlie&#xDF;lich bin ich nie selbst in diesem Haus gewesen, sondern irgendein fr&#xFC;heres Ich aus einer anderen Zeit. Behauptet Indigo. Bei unserer ersten Session hat er mir das versucht zu erkl&#xE4;ren. Dass wir Menschen dazu neigen, immer wieder die gleiche Reise anzutreten, in der Hoffnung, das Muster irgendwann durchbrechen zu k&#xF6;nnen und zu einem anderen &#x201E;Ich&#x201C; und zu einem v&#xF6;llig neuen Selbst zu reifen.</p><p>&#x201E;Wie hat es in dem schwarzen Haus ausgesehen? Kannst du es beschreiben?&#x201C;, erkundigt sich mein Therapeut. Ich &#xFC;berlege und versuche mich krampfhaft daran zu erinnern. Doch egal wie sehr ich mich konzentriere, da ist nichts. Gar nichts. &#x201E;Nur Schw&#xE4;rze&#x201C;, spreche ich den Gedanken laut aus. Ich h&#xF6;re ein Rascheln, dicht gefolgt von einem Kritzeln. Eine Papierseite wird umgebl&#xE4;ttert. Kurze Stille, dann ein Aufatmen.</p><p>&#x201E;Was denkst du, ist in dem Haus passiert?&#x201C;, bohrt Indigo weiter. &#x201E;Ich denke, die haben mir dort drin etwas angetan, mich vielleicht viergeteilt oder so&#x201C;, gebe ich trostlos von mir, weil ich nicht mehr als eine Vermutung von mir geben kann.</p><p>&#x201E;Mit die meinst du die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten&#x201C;, schlussfolgert Indigo richtig. Ich nicke nur, bin insgeheim stolz auf mich, dass ich meinen Therapeuten in meinem Kopf schon dreimal bei seinem Namen genannt habe. Mein Erfolgserlebnis wird durchbrochen von Papier, das in Schwingung versetzt wird. &#x201E;Als du in die Bibliothek gegangen bist, hast du mir erz&#xE4;hlt, dass die B&#xFC;cher allesamt leere Seiten aufgewiesen haben, richtig?&#x201C;, fragt mein Therapeut.</p><p>&#x201E;Ja, richtig&#x201C;, best&#xE4;tige ich. &#x201E;Sie sind zu Staub zerfallen&#x201C;, f&#xFC;ge ich hinzu.</p><p>&#x201E;Die leeren B&#xFC;cher k&#xF6;nnten ein Sinnbild f&#xFC;r deinen Ged&#xE4;chtnisverlust darstellen&#x201C;, wirft Indigo seine These in den Raum. Ich nicke blo&#xDF;. Mache dann doch noch ein &#x201E;Mhm&#x201C;, ehe ich mir auf die Unterlippe bei&#xDF;e und m&#xFC;hsam auf ihr herum kaue. &#x201E;Ich habe eine Theorie und ich denke, wir sollten, nein, wir k&#xF6;nnen auf dieser aufbauen&#x201C;, schl&#xE4;gt Indigo in einem so zuversichtlichen Tonfall vor, als w&#xE4;re er ein Freund und nicht mein Therapeut. Ich sage nichts. Also f&#xE4;hrt Indigo fort. &#x201E;Die M&#xE4;nner mit den Schnurrb&#xE4;rten haben dir verboten, die Bibliothek zu nutzen, sie haben das Wissen dort verteufelt, es sogar als Hexenwerk betitelt. Richtig?&#x201C;, &#xFC;berfahrt mich mein Therapeut und macht ungeniert damit weiter, ohne meine Best&#xE4;tigung seiner Aussage abzuwarten. &#x201E;Projizieren wir dieses Erlebnis auf das Hier und Jetzt, bedeutet das, dass deine Erinnerung jemandem schaden oder gar zum Verh&#xE4;ngnis werden k&#xF6;nnte. Wer auch immer diese Blockade in deinem Kopf errichtet hat, hat dies getan, um sich selbst zu sch&#xFC;tzen oder aus der Aff&#xE4;re zu ziehen.&#x201C;</p><p>Ich gebe wieder nur ein &#x201E;Hm&#x201C; von mir. &#xA0;&#x201E;Es muss sich um eine Gruppe von Menschen handeln&#x201C;, wirft mein Therapeut nachdenklich ein, dann raschelt es wieder. &#x201E;Eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen R&#xE4;ngen. Die, die befehlen und die, die ausf&#xFC;hren&#x201C;, f&#xFC;hrt Indigo seine These weiter aus. &#x201E;Oder was meinst du?&#x201C;</p><p>&#x201E;Das ist doch ein Schwachsinn&#x201C;, murmle ich und dr&#xFC;cke den Fingernagel vom Zeigefinger gegen das weiche Fleisch vom Daumen. &#x201E;Und was ist mit dem Pulver?&#x201C;, frage ich. &#x201E;Das Zeug ist dort &#xFC;berall und die M&#xE4;nner finden es bl&#xF6;d.&#x201C;</p><p>Nun ist Indigo an der Reihe und gibt ein &#x201E;Hm&#x201C; von sich. &#x201E;Es ist gut, dass du dich an das Pulver erinnerst&#x201C;, lobt er mich und ich wette darauf, dass sein Gesicht in diesem Moment l&#xE4;chelt. &#x201E;Es f&#xE4;llt dir leichter, dich an das zu erinnern, was dein anderes Ich erlebt hat. Das ist genau der Sinn und Zweck unserer gemeinsamen Reise. Es f&#xFC;hlt sich f&#xFC;r dich so an, als h&#xE4;tte es jemand anderes erlebt als du. Das macht es einfacher f&#xFC;r dich, dar&#xFC;ber zu sprechen und dich damit auseinanderzusetzen. Es &#xF6;ffnet Tore, die vorher f&#xFC;r dich fest verschlossen gewesen sind&#x201C;, behauptet Indigo voller Zuversicht, dass wir des R&#xE4;tsels L&#xF6;sung n&#xE4;hergekommen sind. Ich merke nur, wie mir die Pumpe geht und meine Schwei&#xDF;dr&#xFC;sen voll auffahren. Alles, was mein Therapeut von sich gibt, bringt meinen K&#xF6;rper dazu, schleunigst das Weite suchen zu wollen und ich wei&#xDF; gar nicht so genau wieso. Ich kann das weder steuern noch richtig verstehen. Es ist, als h&#xE4;tte er auf Automatik umgestellt und angefangen ein Eigenleben zu entwickeln.</p><p>&#x201E;Das wei&#xDF;e Pulver&#x2026;&#x201C;, greift Indigo den Faden wieder auf, um ihn dann direkt weiter zu spinnen. &#x201E;Ich glaube, es handelt sich bei dem Pulver um Drogen. Genauer gesagt, Psychopharmaka.&#x201C;</p><p>&#x201E;Wie bitte?&#x201C;, platzt es aus mir heraus. Ich nehme ein leichtes Zucken bei meinem Gegen&#xFC;ber wahr.</p><p>&#x201E;Oder Weihwasser, aber das halte ich f&#xFC;r ein bisschen weit hergeholt&quot;, erwidert mein Therapeut.</p><p>&#x201E;Weihwasser&#x201C;, wiederhole ich ungl&#xE4;ubig. &#x201E;Es ist nur eine Theorie&#x201C;, rechtfertigt sich Indigo leicht s&#xE4;uerlich, als w&#xE4;re ich ihm auf den Schlips getreten. Ich h&#xF6;re, wie er sein Buch zuschl&#xE4;gt und von seiner Sitzm&#xF6;glichkeit aufsteht. Er geht ein paar Schritte in die eine Richtung, dann in die andere, dann bleibt er stehen und streckt die Arme von sich. &#x201E;Reden wir &#xFC;ber Joey.&#x201C;</p><p>Ich schlucke automatisch. Oder systematisch. Psychosomatisch. Ein Klo&#xDF; bildet sich in meinem Hals. Meine Brust schwillt an. Die H&#xE4;rchen stellen sich auf. Auf ihn Joey reagiere ich irgendwie allergisch. Oder &#xFC;ber. Keine Ahnung. Es f&#xFC;hlt sich jedenfalls unangenehm an. Belastend. Be&#xE4;ngstigend. Als h&#xE4;tte man alle unangenehmen Gef&#xFC;hle in einen Topf gepackt und daraus eine Suppe gekocht, die man viel zu hei&#xDF; herunterschlucken muss.</p><p>&#x201E;Was ist mit ihm?&#x201C;, frage ich dummbl&#xF6;d und so kr&#xE4;chzig, dass meine Stimme mein Unwohlsein verr&#xE4;t. Indigo kommt ein bisschen n&#xE4;her. Bleibt vor mir stehen. Blickt auf mich herab. Zumindest glaube ich, dass er mich ansieht.</p><p>&#x201E;Warum l&#xE4;sst er dich im Stich?&#x201C;, schleudert mir Indigo entgegen. Die Frage trifft mich so unverhofft und hart, dass ich zum Schwanken komme. Die unsichtbare Kugel hat getroffen. Direkt in mein Herz und nun blutet es. Aus einem Impuls heraus fasse ich mir an die Brust. Dr&#xFC;cke meine Handfl&#xE4;che gegen die schmerzende Stelle. Aua.</p><p>&#x201E;Ihr habt eine enge Bindung und dennoch f&#xFC;hlst du dich allein, zur&#xFC;ckgelassen, betrogen, weggesto&#xDF;en. Da ist eine Wut in dir. Man k&#xF6;nnte es vielleicht auch als Neid oder Eifersucht einordnen. Ja. Immer wieder stellt sich dir die Frage: warum ich? Warum denkst du, ist das so?&#x201C;, stichelt Indigo weiter in der Wunde rum.</p><p>&#x201E;Woher soll ich das denn wissen?&#x201C;, blaffe ich ihn an. &#x201E;Ich habe keinen Bruder&#x201C;, br&#xFC;lle ich und werde so richtig laut und das ohne ersichtlichen Grund.</p><p>&#x201E;Bist du dir sicher?&#x201C;, treibt Indigo meine Wut auf die Spitze. Ich will aufstehen und gehen, doch ich bin wie festgefroren, obwohl es in mir innerlich brodelt. &#x201E;Er spielt eine Schl&#xFC;sselrolle in dem St&#xFC;ck&#x201C;, meint mein Therapeut tollk&#xFC;hn.</p><p>&#x201E;Das ist doch Bl&#xF6;dsinn&#x201C;, zische ich, darauf bedacht, dem Bl&#xF6;dmann im Raum nicht an die Gurgel zu gehen und mich zur&#xFC;ckzuhalten. Die Chance w&#xE4;re ohnehin gering einen Treffer zu landen, daf&#xFC;r sind meine Augen schlichtweg zu schlecht. Die taugen zu nichts. Zu &#xFC;berhaupt rein gar nichts. Nicht mal gut weinen kann man mit ihnen. So trocken wie die Sahara oder als h&#xE4;tte sich das wei&#xDF;e Pulver in meinen Sehnerv gefressen. Ich blinzle irritiert und komme kurz aus der Fassung. Was ist, wenn&#x2026;</p><p>&#x201E;Oh, du hast gerade einen Geistesblitz, stimmt&#x2019;s?&#x201C;, &#xE4;rgert mich Indigo, dem wohl absolut keine Regung von mir entgeht.</p><p>Widerwillig sch&#xFC;ttle ich den Kopf und recke anschlie&#xDF;end angriffslustig das Kinn. &#x201E;Da ist nur Matschepampe in meinem Hirn&#x201C;, behaupte ich eiskalt. &#x201E;Sinnlose, nutzlose Matschepampe, die dort nicht hingeh&#xF6;rt und mir bestimmt eingepflanzt worden ist.&#x201C;</p><p>&#x201E;So denkst du von mir?&#x201C;, Indigos Stimme klingt leicht pikiert. &#x201E;Ich versuche dir zu helfen, meine Liebe.&#x201C;</p><p>Ich merke, wie meine Kinnlade eine Etage nach unten sackt, als mein Therapeut die letzten beiden Worte ausspricht. So hat er mich noch nie genannt und sowas geht ganz eindeutig zu weit. Diese Ebene ist nicht mehr professionell. Das ist &#xFC;bergriffig. Ich bin nicht seine Liebe. Ich bin &#xFC;berhaupt niemandes Liebe. Ich bin&#x2026;</p><p>&#x201E;Ich m&#xF6;chte jetzt gehen!&#x201C;, fordere ich und k&#xE4;mpfe auf verlorenem Posten, denn Indigo r&#xFC;ckt mir noch mehr auf die Pelle, statt von mir zur&#xFC;ck zu weichen. Dann ist er mir ganz nah, so nah, dass mir seine N&#xE4;he unangenehm ist. Ich sp&#xFC;re seinen warmen Atem auf meiner Nase und rieche&#x2026; Rauch. Der Geruch von verbranntem Holz breitet sich aus. Ich will schon losschreien, sagen, dass es brennt, da kommt mir mein Therapeut zuvor und h&#xE4;lt mir den Mund zu. Seine Hand f&#xFC;hlt sich rau auf meinen Lippen an. Arbeiterh&#xE4;nde schie&#xDF;t es mir durch den Sch&#xE4;del und dringt vor bis in mein Gehirn, verankert sich dort und bringt mich zum Gr&#xFC;beln.</p><p>&#x201E;Wei&#xDF;t du, was mein Name bedeutet?&#x201C;, fl&#xFC;stert es an meinem Ohr. Instinktiv will ich zur&#xFC;ckweichen, aber ich gebe blo&#xDF; ein ged&#xE4;mpftes &#x201E;Mh-mh&#x201C; von mir.</p><p>Indigos Grinsen streift meine Wange, dann h&#xF6;re ich es. Ein Kichern, als er sich zur&#xFC;ck auf seinen Stuhl fallen l&#xE4;sst und ich wieder Luft holen kann.</p><p>&#x201E;Die Farbe Indigo hilft den Geist zu &#xF6;ffnen und ein tieferes Bewusstsein zu erlangen. Ich helfe dir dich zu konzentrieren, &#xFC;ber das Physische hinauszublicken und das Unsichtbare wahrzunehmen. Ich bringe Leben in deine verworrenen Tr&#xE4;ume und stelle die Verbindung zwischen deinem K&#xF6;rper und deinem Geist wieder her&#x201C;, kl&#xE4;rt mich mein Therapeut in einem v&#xF6;llig n&#xFC;chternen Ton auf. Nun frage ich mich, wer von uns beiden hier eine Therapie braucht. Schlagartig f&#xE4;llt der Groschen. Und ich sehe klar. Klarer denn je, obwohl mein Suchfeld nach wie vor getr&#xFC;bt ist und bleibt.</p><p>&#x201E;Ich bin im schwarzen Haus&#x201C;, schie&#xDF;t es aus mir heraus. Indigo klatscht begeistert in seine H&#xE4;nde. &#x201E;Bravo! Endlich l&#xE4;sst du dich auf die Wahrheit ein&#x201C;, jubelt er los. &#x201E;Nun musst du dich nur noch von der L&#xFC;ge befreien.&#x201C;</p><p>&#x201E;Welche L&#xFC;ge?&#x201C;, erwidere ich dummbl&#xF6;d.</p><p>&#x201E;Was ist mit den P&#xFC;ppchen?&#x201C;, lenkt mein Therapeut von der eigentlichen Frage ab. &#x201E;Kannst du dich an die P&#xFC;ppchen erinnern?&#x201C;</p><p>&#x201E;Ja, die, die pl&#xF6;tzlich im Wald aufgetaucht sind&#x201C;, sage ich und spiele vorerst sein Spielchen mit. Ein Stich f&#xE4;hrt mir durch die Sch&#xE4;delrinde und ich zucke zusammen. Die Kopfschmerzen werden schlimmer. Irgendwann breche ich noch zusammen, wenn das so weitergeht. &#x201E;K&#xF6;nnen wir vielleicht eine Pause einlegen?&#x201C;, flehe ich. In meiner Verzweiflung dr&#xFC;cke ich meine Handfl&#xE4;che fest gegen die Stirn. Doch auch das bringt keine Linderung.</p><p>&#x201E;Was denkst du, wer sie dort aufgeh&#xE4;ngt hat?&#x201C;, hakt Indigo nach und ignoriert meine Bitte komplett.</p><p>&#x201E;Die Hexe&#x201C;, murmle ich leidend.</p><p>&#x201E;Und wer ist die Hexe?&#x201C;</p><p>&#x201E;Ich wei&#xDF; es nicht.&#x201C;</p><p>&#x201E;Du wei&#xDF;t es.&#x201C;</p><p>Gerade als ich meinem Therapeuten ein weiteres &#x201E;Ich wei&#xDF; es nicht&#x201C; entgegen spucken will, kommt er mir zuvor und kotzt mir die n&#xE4;chste Frage ins Gesicht. &#x201E;Wer spielt mit Puppen?&#x201C;</p><p>Ich bin kurz &#xFC;berrumpelt. Denke nach. Ziehe die Stirn in Falten und komme mir leicht verarscht vor. Meint der die Frage nun wirklich ernst oder ver&#xE4;ppelt er mich?</p><p>&#x201E;Kinder&#x201C;, antworte ich z&#xF6;gerlich. Wieder ernte ich ein Klatschen, das ich sogleich unterbreche. &#x201E;Kinder h&#xE4;ngen aber keine P&#xFC;ppchen an B&#xE4;umen auf. Die sind doch daf&#xFC;r viel zu klein. Au&#xDF;erdem ergibt das &#xFC;berhaupt keinen Sinn. Warum sollten Kinder P&#xFC;ppchen im Wald aufh&#xE4;ngen?&#x201C;</p><p>&#x201E;Was ergibt f&#xFC;r dich denn mehr Sinn?&#x201C;, nervt Indigo weiter.</p><p>Ich &#xFC;berlege und komme, egal wie viel ich gr&#xFC;bele, nicht auf einen gr&#xFC;nen Zweig, also zucke ich ahnungslos mit den Schultern.</p><p>&#x201E;An was kannst du dich denn noch erinnern? Gehe in dich und denke nach&#x201C;, fordert mich mein Therapeut auf. Alles str&#xE4;ubt sich in mir dagegen, trotzdem f&#xFC;ge ich mich und tue, was er von mir verlangt.</p><p>&#x201E;An einen Seestern&#x201C;, sage ich.</p><p>&#x201E;Wo hast du ihn gefunden?&#x201C;, bohrt Indigo nach.</p><p>&#x201E;Ich glaube in einem Bach.&#x201C;</p><p>&#x201E;Wei&#xDF;t du, was f&#xFC;r eine Bedeutung einem Seestern nachgesagt wird?&#x201C;</p><p>Ich sch&#xFC;ttle den Kopf.</p><p>&#x201E;Ein Seestern steht f&#xFC;r Hoffnung. Ihm wird nachgesagt, ein Krafttier zu sein. Er soll bei der Erforschung der eigenen Gef&#xFC;hle helfen und ein Gef&#xFC;hl der Sicherheit vermitteln&#x201C;, schmiert mir Indigo seinen spirituellen Unsinn unter die Nase. Ich gebe blo&#xDF; ein leicht irritiertes &#x201E;Okay?&#x201C; von mir. Mehr f&#xE4;llt mir dazu schlichtweg nicht ein.</p><p>&#x201E;Was hast du noch gefunden?&#x201C;</p><p>&#x201E;Ein totes Reh.&#x201C;</p><p>&#x201E;Ein Reh steht oft f&#xFC;r Sanftmut, Anmut, Intuition und Verletzlichkeit. Aber auch f&#xFC;r die Balance zwischen Verletzlichkeit und St&#xE4;rke. Dein Reh hingegen hast du tot vorgefunden. Das k&#xF6;nnte bedeuten, dass die Balance zwischen St&#xE4;rke und Verletzlichkeit aus den Fugen geraten ist oder auch, dass ein St&#xE4;rkerer die Verletzlichkeit eines Schw&#xE4;cheren ausgenutzt hat.&#x201C;</p><p>Ich sehe das Gesicht von meinem Therapeuten zwar nicht deutlich vor mir und kann seine Mimik nicht genau erkennen, aber irgendetwas Indigos Tonfall gibt mir klar zu verstehen, dass er mehr zu wissen scheint, als er bisher durchdringen lassen hat. Und ich glaube, dass sein Mund dabei l&#xE4;chelt und auch, dass dieses L&#xE4;cheln kein nettes L&#xE4;cheln ist.</p><p>&#x201E;Auf wen veranstaltet man eine Hexenjagd?&#x201C;, f&#xFC;hrt Indigo seinen Fragenmarathon fort.</p><p>&#x201E;Auf jemanden, der was Schlimmes getan hat?&#x201C;, entgegne ich mich einer Gegenfrage.</p><p>&#x201E;Du meinst ein Verbrecher?&#x201C;</p><p>&#x201E;Sowas in der Art?&#x201C;</p><p>&#x201E;Verstehe. Also hat die Hexe etwas Schlimmes getan&#x201C;, fasst mein Therapeut zusammen. Ich blinzle und verstehe immer noch nicht, was das Ganze bezwecken soll. Die Hypnose, die Therapie, das Gespr&#xE4;ch.</p><p>&#x201E;Du musst aufh&#xF6;ren dagegen anzuk&#xE4;mpfen&#x201C;, klugscheisst Indigo. &#x201E;Die Reise wird hier und heute enden, danach bist du auf dich allein gestellt.&#x201C;</p><p>&#x201E;Ich wei&#xDF; doch nicht einmal, wogegen ich ank&#xE4;mpfe!&#x201C;, maule ich und merke, wie Panik in mir aufsteigt. Ich will nicht allein sein. &#xA0;Nicht allein in diesem schwarzen Haus! Er kann mich doch nicht im Stich lassen! Ich brauche ihn, sonst komme ich hier nie wieder heraus!</p><p>&#x201E;Du musst dich deinen D&#xE4;monen stellen, denn die G&#xF6;tter haben dich verlassen&#x201C;, schwafelt Indigo ohne R&#xFC;cksicht auf mich zu nehmen</p><p>drauf los. &#x201E;Ich kann dir nicht mehr helfen. Du willst dich nicht &#xF6;ffnen. Du willst es nicht akzeptieren. Willst nicht einmal hinsehen. Denn du kannst es nicht wahrhaben. Verschlie&#xDF;t nach wie vor die Augen davor!&#x201C;</p><p>&#x201E;Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst, verdammt!&#x201C;</p><p>&#x201E;Meine Liebe, ich glaube, du hast etwas sehr Schlimmes getan. Und du hast versucht, es zu verdr&#xE4;ngen, es sogar verschwinden zu lassen. Du hast falsche F&#xE4;hrten gelegt, nach einem Schuldigen gesucht. Wolltest vergessen. Deine Tat ausradieren. Doch so einfach ist es nicht. Einfach ist es nie, es wird dich nicht mehr loslassen. Es wird dich verfolgen. Denn du kannst nicht Ungeschehen machen, was passiert ist. Ich stelle dich nun vor die Wahl. Willst du im schwarzen Haus bleiben oder gehst du mit mir durch die wei&#xDF;e T&#xFC;r und f&#xE4;ngst an, dir selbst zu vergeben und ein neues Ich zu erschaffen?&#x201C;</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Unkonventionelle Anzüge]]></title><description><![CDATA[<p></p><p>Kaum haben Phil und ich den Laden betreten, kommt uns bereits eine ambitionierte Verk&#xE4;uferin entgegen. Zumindest denke ich, dass es sich bei dieser Frau um eine Verk&#xE4;uferin handelt. Sie tr&#xE4;gt das f&#xFC;r Verk&#xE4;uferinnen &#xFC;bliche Namensschildchen &#xFC;ber ihrer Brust,</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/unkonventionelle-anzuge/</link><guid isPermaLink="false">674dda6537477f000118d279</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Fri, 06 Jun 2025 20:55:05 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2025/06/spammembran_a_male_wearing_a_suit_smiling_evil_gentle_ominous_c_3f819711-ed9d-4825-8807-7a53526092b3.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2025/06/spammembran_a_male_wearing_a_suit_smiling_evil_gentle_ominous_c_3f819711-ed9d-4825-8807-7a53526092b3.png" alt="Unkonventionelle Anz&#xFC;ge"><p></p><p>Kaum haben Phil und ich den Laden betreten, kommt uns bereits eine ambitionierte Verk&#xE4;uferin entgegen. Zumindest denke ich, dass es sich bei dieser Frau um eine Verk&#xE4;uferin handelt. Sie tr&#xE4;gt das f&#xFC;r Verk&#xE4;uferinnen &#xFC;bliche Namensschildchen &#xFC;ber ihrer Brust, auch wenn der Rest ihrer Aufmachung so gar nicht zum edlen und eher teuer angehauchten Look des Ladens passt. <br>Die junge Frau mit den pechschwarzen, zu einem endlos langen Zopf geflochtenen Haaren sieht aus, als w&#xE4;re sie soeben einer Gruft entsprungen, wenn man den Teil mit den Spinnennetzen und dem Staub einmal wegl&#xE4;sst. Und als h&#xE4;tte Phil gerade den Gedanken mit mir geteilt, tippt er mich von der Seite an und fl&#xFC;stert mir leise &#x201E;Uhh, eine Gothic Braut&#x201C; ins Ohr. <br>Ich verpasse ihm einen kleinen, freundschaftlichen Sto&#xDF; und keine Sekunde sp&#xE4;ter steht die besagte &#x201E;Gothic Braut&quot; vor uns und l&#xE4;chelt uns an. Wobei man <em>L&#xE4;cheln </em>dazu nicht wirklich sagen kann. Die Mundwinkel schieben sich ein bisschen in die H&#xF6;he, wahrscheinlich um den Anstand zu wahren und nicht, weil sie sich freut, uns gleich bedienen zu k&#xF6;nnen. &#xA0;<br>&#x201E;Kann ich behilflich sein?&#x201C;, erkundigt die Dame sich bei uns und im ersten Moment bin ich erstaunt, wie sanft und freundlich ihre Stimme im Kontrast zu der d&#xFC;steren Aufmachung klingt. <br>&#x201E;Wir brauchen einen Anzug. Er ist mein Trauzeuge&quot;, Phil zeigt auf mich, ehe er fortf&#xE4;hrt. &#x201E;Und er hat bisher nicht geschafft, sich einen Anzug f&#xFC;r meine Hochzeit zu besorgen, die &#xFC;brigens morgen stattfindet&#x201C;, informiert der zuk&#xFC;nftige Br&#xE4;utigam die tot-aber-doch-lebendig-Verk&#xE4;uferin und l&#xE4;sst es sich dabei nicht nehmen, mich sp&#xFC;ren zu lassen, wie unglaublich genervt er von mir ist. Ja, zugegeben, ich h&#xE4;tte den Anzug schon l&#xE4;ngst besorgen k&#xF6;nnen, aber Anz&#xFC;ge sind nun mal eben nicht so mein Ding. Ich mag es einfach, gem&#xFC;tlich und dezent.<br><br>&#x201E;Da sind sie bei uns ja genau richtig&#x201C;, meint die Verk&#xE4;uferin zuckers&#xFC;&#xDF; und schiebt ihre Mundwinkel noch einen Millimeter h&#xF6;her. Gruselig, wenn das so weitergeht, bekommen wir bis zum Ende des Tages wirklich noch ein richtiges L&#xE4;cheln auf ihr Gesicht. Irgendetwas sagt mir, dass so eins dieser Frau sogar richtig gut stehen k&#xF6;nnte, schlie&#xDF;lich sieht sie auch ohne ziemlich niedlich aus, selbst wenn ich eigentlich nicht so auf diese von-den-Toten-auferstandenen-Aufmachung stehe.</p><p>&#x201E;Perfekt, am besten einen in dunkelblau mit Manschetten&#x201C;, ordert Phil. <br>Die Verk&#xE4;uferin nickt. &#x201E;Alles klar, davon haben wir einige zur Auswahl.&#x201D;<br>Sie signalisiert uns mit einer Handbewegung ihr zu folgen, was wir sogleich, brav wie wohlerzogene H&#xFC;ndchen tun. <br>Zusammen schlendern wir an diversen Kleiderst&#xE4;ndern mit &#xFC;berteuerten Brautkleidern vorbei und begeben uns in den hinteren Bereich, der wohl f&#xFC;r M&#xE4;nner und ihre Belange vorgesehen ist. </p><p></p><p><strong>M&#xF6;chtest du die ganze Geschichte lesen? Dann schreib mir gerne!</strong></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Rubinrot - 6]]></title><description><![CDATA[<p></p><p>Gedanken an dich <br><br></p><p>Unwillk&#xFC;rlich denke ich an Ruby. Ruby, f&#xFC;r die ich nicht genug getan habe. Ruby, die ich h&#xE4;ngen gelassen habe. Ruby, der ich einen Brief geschrieben habe. Es dreht komplett durch in mir. Nicht nur in meinem Brustkorb, sondern auch in meinem</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/rubinrot-6/</link><guid isPermaLink="false">6776fa85733a9b0001263b8e</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Thu, 02 Jan 2025 20:44:41 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2025/01/spammembran_a_young_female_with_freckles_on_the_right_a_lake_in_0e2c856c-6924-4079-80e9-186827958bb3.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2025/01/spammembran_a_young_female_with_freckles_on_the_right_a_lake_in_0e2c856c-6924-4079-80e9-186827958bb3.png" alt="Rubinrot - 6"><p></p><p>Gedanken an dich <br><br></p><p>Unwillk&#xFC;rlich denke ich an Ruby. Ruby, f&#xFC;r die ich nicht genug getan habe. Ruby, die ich h&#xE4;ngen gelassen habe. Ruby, der ich einen Brief geschrieben habe. Es dreht komplett durch in mir. Nicht nur in meinem Brustkorb, sondern auch in meinem Verstand. Ein Jahr lang habe ich so getan, als h&#xE4;tte ich sie vergessen und nun ist sie da. Pr&#xE4;senter denn je, obwohl sie mir so fern ist und fern bleiben sollte.</p><p>Ja, ich habe den Brief in der Absicht, ihr diesen irgendwann geben zu k&#xF6;nnen, aufbewahrt und nicht wie so vieles andere verworfen oder weggeworfen. Doch wenn ich das tue, ihr den Brief geben, wei&#xDF; ich, wo ich landen werde, und zwar nicht auf der Parkbank, auf die ich gerade so zielsicher zusteuere.</p><p>Ich glaube, auf dieser Welt gibt es viele Ungerechtigkeiten und ihr fernzubleiben ist nur eine davon.<br></p><p>Lange werde ich es auf dem Friedhof nicht aushalten. Es ist ein Platz, an dem die Toten ruhen und eigentlich wei&#xDF; ich es besser, denn nur ein Teil von uns wird hier ruhen, der andere ist ganz woanders untergebracht, an einem Ort, an dem ich schon einmal gewesen bin.<br></p><p>Ich hole mein Notizbuch heraus und fange wie fr&#xFC;her an, einfach zu zeichnen. Zeichnen hilft die D&#xE4;monen fernzuhalten oder wie Dr. Walrus meint, sie erst recht heraufzubeschw&#xF6;ren. Doch sie bleiben auf dem Papier. Sind dort gefangen und k&#xF6;nnen mir nichts tun. Naja, zumindest nicht im wesentliche Sinne etwas antun. Schabernack mit meinen Gedanken treiben k&#xF6;nnen sie schon. &#xA0;Oder um es in Poes Worten auszudr&#xFC;cken: &#x201E;Aber das tun sie st&#xE4;ndig und immerzu, sie lassen uns niemals in Ruh.&#x201C;</p><p>Ich fange an mit einem harmlosen Strich. F&#xFC;hre die Linien weiter, bis daraus ein Menschlein entsteht. Das bin ich. Vor so vielen Jahren, als ich mit Poe und Max drau&#xDF;en im &#x201E;verbotenen&#x201C; Viertel Fu&#xDF;ball gespielt haben. Wir haben es das &#x201E;verbotene&#x201C; Viertel genannt, weil Max dort wohnt und seine Eltern streng sind. Sehr streng. So streng, dass Max eigentlich gar nicht h&#xE4;tte mit uns befreundet sein d&#xFC;rfen, weil seine Eltern niemanden tolerieren, der ihren Sohn von seinen Pflichten ablenken k&#xF6;nnte, geschweige denn nicht die gleichen religi&#xF6;sen Ansichten wie sie teilt. Beides traf auf Poe und mich zu. Dennoch hat es uns nicht davon abgehalten, Max hin und wieder aus seinem elterlichen Gef&#xE4;ngnis herauszulocken und ihn zu bitten, mit uns abzuh&#xE4;ngen. Heimlich versteht sich, obwohl sie uns oft genug zusammen erwischt haben. Aber wir sind Kinder gewesen, unbelehrbar, ein wenig rebellisch und cool. Zumindest in unseren K&#xF6;pfen haben wir gedacht, dass wir cool sind. Ein bisschen schr&#xE4;g, aber halt eben cool. Max war cool&#x2026;.</p><p>Ihn zu zeichnen, tut ganz besonders weh - mit seinen knallroten Haaren, den Sommersprossen im Gesicht und der blauen Latzhose, die er immer getragen hat. Er ist der Erste, der damals gegangen ist. Weggezogen nach diesem einen Vorfall, der eines Tages beim Fu&#xDF;ball spielen passiert ist und nicht h&#xE4;tte passieren sollen.</p><p>Viel wei&#xDF; ich nicht mehr davon. Schlie&#xDF;lich bin ich der gewesen, der danach im Krankenhaus aufgewacht ist. Nicht wie heute weil man mich f&#xFC;r verr&#xFC;ckt gehalten hat. Nein. Eher, weil man Kopf eine Kugel gefressen hat. Eine Kugel, die von jemandem abgefeuert worden ist, &#xFC;ber den ich nicht reden darf, den ich aber zeichnen kann. Keine Ahnung, wie oft ich diesen Mann bereits gezeichnet habe. Unz&#xE4;hlige Male und auch diesmal sp&#xFC;re ich den stechenden Schmerz &#xFC;ber meinem rechten Ohr, als ich den Stift ansetze und dieses Monster zu Blatt Papier bringe. Rundes Gesicht, runzelige Haut. Sommersprossen. Rote krause Haare. Ein Bart, der nicht sch&#xF6;n gewachsen ist. Massive Schultern. Ein zu enger G&#xFC;rtel. Stiefel. Die M&#xFC;ndung der Knarre, die auf mich gerichtet ist. Gesehen habe ich sie nie, aber in meiner Vorstellung muss es genau so ausgesehen haben, als er auf mich geschossen hat. Strenger, von Wut getr&#xE4;nkter Blick. Lippen, so mal wie ein Spalt. Jede Faser seines K&#xF6;rpers zum Bersten angespannt.</p><p>Und wie ich jetzt, muss dieser Mann geschwitzt haben. Gehofft haben. Gebangt haben, dass ein einziger Schuss reicht, um seinen Willen durchzusetzen. Plottwist, es hat nicht gereicht, denn sonst w&#xE4;re die Geschichte, der Comic, an dieser Stelle bereits vorbei gewesen und all das, was danach passiert und gefolgt ist, h&#xE4;tte niemals so stattgefunden. Vielleicht w&#xFC;rde dann Poe noch leben und an seiner Stelle w&#xFC;rde nun f&#xFC;r mich hier auf diesem Friedhof ein Grabstein stehen. Einer, der tats&#xE4;chlich unter sich &#xDC;berreste birgt, um dessen Verschiedenen man trauern k&#xF6;nnte. Und wahrscheinlich w&#xE4;re das besser gewesen. Ja. Es w&#xE4;re besser gewesen, wenn ich dort liegen w&#xFC;rde und dein Name auf diesem h&#xE4;sslichen Ding stehen w&#xFC;rde. Es tut mir leid, mein Freund. Wo auch immer du gerade bist.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Deine Mutter]]></title><description><![CDATA[<p>&#x201E;Die Sonnenwende findet am 21. Dezember statt und rate, wo ich dann bin?&#x201C;, frage ich Klaus und lasse dabei sch&#xF6;n meine Augenbrauen auf- und abtanzen.<br> &#x201E;In meiner Mutter?&#x201C;, verdirbt er mir den Spa&#xDF;, doch den Triumph lasse ich mir nicht nehmen und setze</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/untitled-2/</link><guid isPermaLink="false">6766c436607c7f0001d27d80</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Sat, 21 Dec 2024 13:36:22 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/12/spammembran_an_evil_male_laughing_hard_dark_ambience_comic_art_3ecfc592-28bb-4744-815a-c698ecbc40f5.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/12/spammembran_an_evil_male_laughing_hard_dark_ambience_comic_art_3ecfc592-28bb-4744-815a-c698ecbc40f5.png" alt="Deine Mutter"><p>&#x201E;Die Sonnenwende findet am 21. Dezember statt und rate, wo ich dann bin?&#x201C;, frage ich Klaus und lasse dabei sch&#xF6;n meine Augenbrauen auf- und abtanzen.<br> &#x201E;In meiner Mutter?&#x201C;, verdirbt er mir den Spa&#xDF;, doch den Triumph lasse ich mir nicht nehmen und setze noch einen obendrauf.<br> &#x201E;Und soll ich dir sagen, wo ich gewesen bin, in der Nacht, als du gezeugt worden bist?&#x201C;<br> &#x201E;In meiner Mutter?&#x201C;, versucht es Klaus schon wieder. Schlingel. Ich lache innerlich, als ich mich zu ihm herunterbeuge und ihm nun ganz nah komme. &#x201E;Nein, mein Sohnemann, ich bin ganz woanders gewesen. Frag doch deine Mutter wo.&#x201C;</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[ROADKILL ANGEL]]></title><description><![CDATA[<p>Manchmal frage ich mich, warum ich es f&#xFC;r eine gute Idee gehalten habe, auf dem Land zu wohnen und in der Stadt zu arbeiten. Der Arbeitsweg ist einfach lang. Viel zu lang, besonders dann, wenn man unfreiwillig &#xDC;berstunden schiebt, todm&#xFC;de und die Sonne l&#xE4;</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/roadkill-angel/</link><guid isPermaLink="false">6760174837477f000118d296</guid><category><![CDATA[kontroverse Geschichten]]></category><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Mon, 16 Dec 2024 12:04:53 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/12/spammembran_a_male_angel_walking_on_a_lonely_road_no_shirt_dark_63a2d0c8-16be-4692-b194-f31f2e4ed2b6.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/12/spammembran_a_male_angel_walking_on_a_lonely_road_no_shirt_dark_63a2d0c8-16be-4692-b194-f31f2e4ed2b6.png" alt="ROADKILL ANGEL"><p>Manchmal frage ich mich, warum ich es f&#xFC;r eine gute Idee gehalten habe, auf dem Land zu wohnen und in der Stadt zu arbeiten. Der Arbeitsweg ist einfach lang. Viel zu lang, besonders dann, wenn man unfreiwillig &#xDC;berstunden schiebt, todm&#xFC;de und die Sonne l&#xE4;ngst untergegangen ist. Wahrscheinlich tue ich mir das an, weil ich die Ruhe auf dem Land so sehr liebe und auch irgendwie brauche - da dr&#xFC;ckt man bei der Stunde Autofahrt schon einmal ein Auge zu und wer weiss, vielleicht habe ich Gl&#xFC;ck und auch bei meinem Job wird Homeoffice irgendwann eine Option. Praktisch w&#xE4;re es ja ohnehin und umsetzbar auch, aktuell scheint es wohl nur eine Kostenfrage zu sein. Was mich schmerzhaft daran erinnert, dass die Benzinpreise mir, sollten sie weiter so steigen, bald das Genick brechen werden und ich mir entweder einen neuen Job oder einen neuen Wohnort suchen muss. Oder ich mache es wie andere in meinem Alter und lege mir einen Onlyfans Account zu.</p><p>Seufzend drehe ich den Autoschl&#xFC;ssel um und starte, anstelle einer Karriere als Erotikdarstellerin, den Motor. Es ist bereits 22 Uhr, stockdunkel und eigentlich lohnt es sich gar nicht mehr, um die Zeit nach Hause zu fahren - schlie&#xDF;lich muss ich um 6 Uhr morgens schon wieder aus dem Bett und mich fertigmachen f&#xFC;r die Arbeit. Okay. Ich muss wirklich aufh&#xF6;ren mit diesen &#xDC;berstunden. Die tun mir nicht gut. Die M&#xFC;digkeit kitzelt in meinen Augenwinkeln, die Konzentration ist dahin und meiner Laune gehen die zus&#xE4;tzlichen Stunden sowas von an den Kragen. Die ist n&#xE4;mlich schlecht. Ultimativ schlecht und sie wird leider auch nicht besser, als ich auf die Autobahn abbiege und meine Lieblingsmusik aus dem Radio sprudelt. Heute schafft es wohl nicht einmal meine Playlist mich aufzuheitern. Immerhin sind die Stra&#xDF;en um die Uhrzeit wie leer gefegt - so muss man sich schon nicht &#xFC;ber andere Autofahrer aufregen, das ist aber nur ein kleiner Trost, denn leider sorgt das Fernbleiben von Verkehr unter anderem dazu, dass meine Augen nicht wach bleiben wollen. Die Lider werden allm&#xE4;hlich ganz sch&#xF6;n schwer, als h&#xE4;tte jemand heimlich kleine Betonkl&#xF6;tzchen an meine Wimpern geheftet und ich ertappe mich mindestens zweimal dabei, wie ich kurz davor bin, einfach hinter dem Lenkrad wegzuknicken. Sekundenschlaf. Etwas, woran ich nun schon l&#xE4;nger leide und weil das Problem f&#xFC;r mich nicht unbekannt ist, habe ich so meine Tricks, um trotzdem irgendwie sicher ans Ziel zu kommen.</p><p>Der erste Trick ist: von der Autobahn runterzufahren und die Landstra&#xDF;e zu nehmen. Warum ich das tue? Nun ja, man ist mit weniger Kmh unterwegs und weniger potentiellen Gefahren ausgesetzt. Dazu die Landschaft, die ein bisschen f&#xFC;r Abwechslung sorgt, na gut, zwar nicht um diese Uhrzeit, aber sollte ich wirklich hinter dem Steuer einschlafen, w&#xE4;re es mir dann doch lieber, irgendwo in eine Wiese hinaus zu brettern, als auf der Autobahn wom&#xF6;glich in die Gegenfahrbahn abzudriften und irgendwo voll Karacho gegen zu knallen.</p><p>Der zweite Trick besteht darin, meinen BH auszuziehen. Ich bin ziemlich empfindlich und gerade wenn man m&#xFC;de ist, k&#xF6;nnen Baumwollstoff und Sicherheitsgurt zu sehr guten Liebhabern werden. Um das Ganze noch ein wenig mehr auszureizen, kommt Trick Nummer drei zum Einsatz. Das Fenster leicht runterkurbeln f&#xFC;r k&#xFC;hle Luft im Auto. Und Trick Nummer vier - die leere Wasserflasche, die immer griffbereit im Getr&#xE4;nkehalter steht, zweckzuentfremden und&#x2026; gerade als ich die Flasche zwischen meine Beine pressen will, nehme ich einen Schatten im Augenwinkel wahr. Ich dr&#xFC;cke auf die Bremsen und lege eine Notbremse hin. Doch es ist bereits zu sp&#xE4;t und was auch immer ich kurz wahrgenommen habe, landet auf meiner Motorhaube und wenig sp&#xE4;ter unter den R&#xE4;dern. Okay. Scheisse. Scheisse. Jetzt bin ich zwar wach, verdammt wach, und mir geht sowas von die Pumpe, aber was zur H&#xF6;lle habe ich da gerade angefahren?! Da war doch nichts, als ich&#x2026; Mein Blick f&#xE4;llt auf die Flasche, die von meiner Hand in den Fu&#xDF;raum gefunden hat. Ich verfluche mich. Ich hasse mich und die bl&#xF6;de Flasche und &#xFC;berhaupt&#x2026;<br>Ich traue mich gar nicht, aus dem Auto auszusteigen und nachzusehen, was ich da soeben r&#xFC;cksichtslos &#xFC;berfahren habe. Der Aufprall war nicht ohne. Und es muss gro&#xDF; gewesen sein. Sehr gro&#xDF;. Vielleicht ein Reh. Oh Gott, bitte lass es ein Reh sein. Oder ein Fuchs. Von mir aus auch ein Wildschwein, aber bitte, lass es keinen Menschen gewesen sein. Bitte. Das ist so surreal. Das kann mir doch nicht wirklich passiert sein?!</p><p>Ich weiss nicht, wie lange ich nur da sitze und aus der Windschutzscheibe auf die Strasse vor mir starre. Gef&#xFC;hlt eine ganze Ewigkeit. Und als w&#xFC;rde mich ein h&#xF6;heres Wesen abgrundtief hassen, f&#xE4;ngt es in diesem Moment auch noch an zu regnen. Wirklich? Muss das sein? Verdammt. Ja. Es muss. Ich muss aussteigen. Ich muss helfen. Ich muss den Notarzt rufen. Die Polizei. Egal was, aber ich muss etwas tun. Ich kann nicht einfach hier sitzen, D&#xE4;umchen drehen und losfahren und Fahrerflucht begehen schon mal gar nicht. Das liegt nicht drin. Sowas k&#xF6;nnte ich mir niemals verzeihen.</p><p>Irgendwann schaffe ich es tats&#xE4;chlich, die T&#xFC;r meines Autos zu &#xF6;ffnen und auszusteigen. Doch statt wie ein Superheld, wem oder was auch immer, zur Hilfe zu eilen, &#xFC;bergebe ich mich erstmal ausgiebig auf die Stra&#xDF;e. Zus&#xE4;tzlich zu dem Kotzebrei aus meinem Mund ist mir auch noch schwindelig. Meine Beine sind weich. Die Welt dreht sich und alles, was ich einmal im Nothelferkurs gelernt habe, ist wie aus meinem Kopf gefegt. Da herrscht nur Leere und vermutlich ein Sch&#xE4;delhirntrauma oder sowas in der Art. Dabei w&#xE4;re es jetzt echt hilfreich, das 1 x 1 des Verkehrsunfalls abrufen zu k&#xF6;nnen.<br><br></p><p>Ein kl&#xE4;gliches St&#xF6;hnen holt mich mit einem Schlag aus meinem Selbstmitleid heraus. Okay. Scheisse. Ich habe wirklich einen Menschen angefahren. Der wie frisch anger&#xFC;hrte Fluchtinstinkt will mich zur&#xFC;ck in mein Auto treiben und r&#xE4;t mir, mich schleunigst aus dem Staub zu machen, aber mein Gewissen rei&#xDF;t das Ruder in allerletzter Sekunde um. Statt wie ein feiges Huhn das Weite zu suchen, findet meine Hand in meine Hosentasche hinein. Ich z&#xFC;cke mein Handy hervor, um den Notruf zu t&#xE4;tigen, halte aber prompt inne, als mein Blick auf den Boden zu meinen F&#xFC;ssen f&#xE4;llt. Ich schlucke und schlucke nochmals. Weisse Federn. Sind da tats&#xE4;chlich weisse Federn auf dem Asphalt? Ich b&#xFC;cke mich, will wie auf Autopilot danach greifen..<br>Wieder erklingt ein St&#xF6;hnen und die Kombination aus St&#xF6;hnen und Federn jagt mir einen eiskalten Schauer &#xFC;ber den R&#xFC;cken. Irgendetwas stimmt hier nicht, so ganz und gar nicht, es sei denn, ich habe einen fl&#xFC;chtigen H&#xFC;hnerdieb niedergefahren. Aka einen Typen, der mit einem &#xFC;berdimensional gro&#xDF;en Huhn &#xFC;ber die Stra&#xDF;e gerannt ist. Das ergibt doch keinen Sinn. Mit zittrigen Fingern aktiviere ich die Taschenlampe meines Handys und leuchte in die Dunkelheit hinein.</p><p>Mein Herz bleibt stehen. Meine Augen kugeln aus ihren H&#xF6;hlen und mein Mund steht so sperrangelweit offen, dass ein Flugzeug ohne Probleme darin h&#xE4;tte landen k&#xF6;nnen. Vor mir auf dem Asphalt und hinter meinem Auto entdecke ich das, was ich &#xFC;berfahren habe und will meinen Augen kein Vertrauen schenken. Okay. Ich habe wirklich ein Sch&#xE4;delhirntrauma. Oder Schlimmeres. W&#xFC;sste ich es nicht besser, w&#xFC;rde ich sagen, ich bin sturzbesoffen oder habe mir irgendwas eingeworfen, was &#xFC;ble Halluzinationen hervorruft. Ganz &#xFC;ble Halluzinationen.</p><p>Meine erste Reaktion w&#xE4;re Lachen, laut, aus vollster Kehle, stattdessen l&#xF6;st sich ein gellender Schrei, als das Ding, was ich &#xFC;berrollt habe, anf&#xE4;ngt, sich zu bewegen. Und kurz darauf nochmals ein schmerzhaftes St&#xF6;hnen von sich gibt. Scheisse. Das Ding lebt. Noch. Ich bei&#xDF;e mir aus purer Verzweiflung in den Handballen hinein und sehe mich um. Einmal links. Einmal rechts, doch weit und breit kein anderes Auto in Sicht. Die Stra&#xDF;e ist wie leergefegt, verlassen und mitten im Nirgendwo, dort wo sich Fuchs und Hase die Hand geben.</p><p>Mein Blick f&#xE4;llt wieder auf mein Handy, das durch den Regen ganz nass geworden ist. Mist. Das ist nicht wasserdicht, und als w&#xE4;re das aktuell mein gr&#xF6;&#xDF;tes Problem, sch&#xFC;ttele ich mein Handy in der Luft herum, in der bizarren Hoffnung es im Regen trocken irgendwie sch&#xFC;tteln zu k&#xF6;nnen und heule dazu auch noch los wie eine Seem&#xF6;we &#xFC;ber dem Atlantik. Okay. Nun drehe ich durch. V&#xF6;llig durch.</p><p>&#x201E;Bitte&#x2026; ich muss&#x2026;&#x201C;, die tiefe, m&#xE4;nnliche und &#xE4;u&#xDF;erst menschliche Stimme katapultiert mich aus meinem Wahnsinn heraus und auf die Stra&#xDF;e zur&#xFC;ck. Ich schlucke. Und schlucke wieder, ehe ich z&#xF6;gerlich einen Schritt vorw&#xE4;rts und auf das&#x2026; Ding zu mache, was so halb unter meinem Autos liegt. Ich starre auf die vielen wei&#xDF;en Federn. Auf das Blut. Und auf den jungen Mann, der sich schmerzhaft hin und her windet.</p><p>&#x201C;Bist du ein Engel?&#x201D;, platzt es unverhohlen aus mir heraus. Kaum haben die Worte meinen Mund verlassen, bereue ich sie schon wieder. Es gibt keine Engel, Kiana. Wahrscheinlich kommt der Typ von irgendeiner Convention oder Kost&#xFC;mparty und war auf dem Weg nach Hause, bevor du ihn schamlos nieder gebrettert hast, weil du es dir mit einer Flasche besorgen wolltest. Haha. Ja, genau. Der Typ ist bestimmt Cosplayer und es gibt bestimmt einen guten Grund, warum er mitten in der Nacht verloren in der Pampa heruml&#xE4;uft und unter deinen R&#xE4;dern landet. Bestimmt. Ja&#x2026;</p><p>&#x201C;Ich muss&#x2026;&#x201D;, keucht es unter meinem Auto hervor. &#x201C;Nach Hause, bitte&#x2026;&#x201D;</p><p>Ich bin gewillt zu fragen, wo er denn wohne, in der Hoffnung, nicht &#x201C;Himmel&#x201D; als Antwort auf die Frage zu h&#xF6;ren. Bl&#xF6;des Sch&#xE4;delhirntrauma. Stattdessen reisse ich mich endlich am Riemen und tue das, was normale Menschen tun. Ich schalte die Taschenlampe meines Handys an und sehe mir das volle Ausmass meiner Tat etwas genauer an. Ein weiterer Schrei k&#xE4;mpft sich aus mir heraus.</p><p>Die Fl&#xFC;gel sind echt und die wei&#xDF;en Schwingen kommen wirklich aus dem R&#xFC;cken dieses Kerls heraus, der hilflos auf dem Boden liegt und mich mit seinen hellen Augen ansieht. Dann streckt er auch noch seine Hand in den Strahl der Taschenlampe hinein, um sich vor dem Licht abzuschirmen und in der Dunkelheit zu verschwinden.<br>&#x201C;Hilf mir&#x201D;, dr&#xE4;ngt er mich, diesmal klingt seine Stimme nicht schwach, sondern fordernd und als h&#xE4;tte er mir mit diesem Aufruf eine imagin&#xE4;re Ohrfeige verpasst, setzt sich mein K&#xF6;rper in Bewegung.<br><br></p><p>Ich komme erst so richtig wieder zu mir, als ich zitternd wie Espenlaub vor dem Engel stehe und er meine Wangen in seinen warmen H&#xE4;nden h&#xE4;lt. Sein Blick ist eindringlich und die hellblauen Augen strahlend wie Kristalle.<br>&#x201C;Bring mich nach Hause&#x201D;, fleht er. &#x201C;Bitte, bring mich nach Hause&#x201D;, wiederholt er, als ich ihn weiterhin wortlos anstarre, als k&#xF6;nnte ich mich nicht an ihm sattsehen. Und da ist tats&#xE4;chlich etwas dran. Dieser Mann ist unglaublich. Die dunklen Haare h&#xE4;ngen ihm nass ins Gesicht. Er ist gro&#xDF;. Erstaunlich gut aussehend trotz der Blessuren, die er vom Crash davongetragen hat und zu allem &#xDC;berfluss tr&#xE4;gt er kein Oberteil und da ragen immer noch diese wei&#xDF;en Engelsfl&#xFC;gel aus seinem R&#xFC;cken, wovon der linke etwas demoliert aussieht. Und ja, die riesigen Schwingen ziehen mich v&#xF6;llig in ihren Bann. Sie sind so surreal, dass ich baff bin, dass sie real sein m&#xFC;ssen. Schlie&#xDF;lich sind sie zum Greifen nah. Scheisse, habe ich wirklich einen verdammten Engel niedergefahren?</p><p>&#x201C;Du bist ein Engel&#x201D;, piepse ich aus meinem Mund heraus, der noch immer weit offen steht. Der Engel sch&#xFC;ttelt den Kopf. &#x201C;Du bist nicht ganz bei Sinnen&#x201D;, sagt er. Vermutlich hat er recht, aber andererseits.. da steht ein verdammter Engel vor mir, da ist es doch total verst&#xE4;ndlich, dass ich durchdrehe, Stuss von mir gebe und komplett Plemplem bin.</p><p>&#x201C;Kannst du mich fahren?&#x201D;, fragt er und ich nicke, dann sage ich sowas wie &#x201C;&#xFC;berall hin&#x201D; und f&#xFC;ge ein &#x201C;dort steht mein Auto&#x201D; hinzu, inklusive Hand ausstrecken und damit auf mein verbeultes Auto zeigen. Der Engel sch&#xFC;ttelt wieder den Kopf und dr&#xFC;ckt mein Gesicht fester zwischen seine Handfl&#xE4;chen.<br>&#x201C;Wie hei&#xDF;t du?&#x201D;, erkundigt der Engel sich bei mir.</p><p>&#x201C;Kiana&#x201D;, antworte ich und h&#xE4;nge wie automatisch ein &#x201C;Und du?&#x201D; hinten dran.</p><p>&#x201C;Yuri&#x201D;, erwidert er. &#x201C;Das, was ich jetzt tue, tut mir leid, aber es muss sein&#x201D; - mit diesen Worten verpasst mir der Engel eine und die Schelle zeigt Wirkung, aber erst, nachdem die Sternchen, die vor meinem Gesicht tanzen, aus dem Himmel fallen und ich wieder klar sehen kann. Ich meine, die Fl&#xFC;gel sind immer noch da, ja, und das ist schr&#xE4;g, aber andererseits erkenne ich nun auch das Blut, das dem Engel &#xFC;ber die Schl&#xE4;fe l&#xE4;uft und auf eine Kopfverletzung hindeutet. Und mit denen ist nicht zu spassen. Die Frage ist nur, k&#xF6;nnen Kopfverletzungen auch Engel etwas anhaben?</p><p>&#x201C;Kiana&#x201D;, h&#xF6;re ich die Stimme des Engel nun eindringlicher. Die kristallenen Augen machen mich kirre. Und nat&#xFC;rlich die Schwingen. Und der nackte Oberk&#xF6;rper. Eigentlich seine ganze Erscheinung. Tr&#xE4;ume ich etwa? Und wenn ja, was ist das f&#xFC;r ein Traum? Albtraum oder&#x2026;</p><p>&#x201C;Du musst mich nach Hause fahren, h&#xF6;rst du?&#x201D;, unterbricht der Engel meinen inneren Monolog.</p><p>&#x201C;Wo wohnst du denn?&#x201D;, erwidere ich v&#xF6;llig neben der Spur, so wie mein Auto. <br>&#x201C;Ich zeige dir den Weg.&#x201D;</p><p>&#x201C;Okay&#x201D;, sage ich, dann f&#xE4;llt mein Blick wieder auf die Engelsfl&#xFC;gel. &#x201C;Passt du &#xFC;berhaupt mit denen in mein Auto hinein?&#x201D;, erg&#xE4;nze ich mehr f&#xFC;r mich selbst als f&#xFC;r ihn. Der Engel sch&#xFC;ttelt den Kopf und ich will den Mund schon &#xF6;ffnen, um etwas von mir zu geben, doch er legt mir einen Finger auf die Lippen.<br>&#x201C;Ich bin alles andere als ein Engel, aber ich muss nach Hause, meine Zeit l&#xE4;uft ab&#x201D;, gibt der Engel von sich und klingt dabei irgendwie traurig. Ich will schon fragen, warum seine Zeit abl&#xE4;uft, da f&#xE4;hrt der Lichtblitz wie automatisch in mich ein.<br>&#x201C;Scheisse ja, sollten wir nicht eher einen Krankenwagen rufen? Oder nein, ich fahr dich ins Krankenhaus&#x201D;, beschlie&#xDF;e ich und will schon loslaufen, um meinen Plan in die Tat umzusetzen, da h&#xE4;lt mich der Engel fest.</p><p>&#x201C;Ich brauche keinen Arzt, ich brauche deine Hilfe.&#x201D;<br></p><p>Wahrscheinlich hat sich mein gesunder Menschenverstand schon aus dem Staub gemacht, als ich dem Engel die T&#xFC;r meines Wagens &#xF6;ffne und zusehe, wie die riesigen Schwingen mitsamt Mann in einem kleinen Auto verschwinden, selbst der demolierte Fl&#xFC;gel findet Platz, besser gesagt verschwindet in dem Polster des Sitzes, als w&#xE4;re er pl&#xF6;tzlich nicht mehr stofflich sondern das Gegenteil davon. Mein Sch&#xE4;delhirntrauma-Hirn hat sichtlich m&#xFC;he, das Gesehene zu verarbeiten. Mein linkes Augenlid zwickt und mein ganzer K&#xF6;rper kribbelt, als st&#xFC;nde er unter Strom.</p><p>Trotzdem pflanze ich mich hinters Lenkrad und starre wenig sp&#xE4;ter aus der Windschutzscheibe. Kein einziger Riss im Glas, nur Regen, der unaufh&#xF6;rlich herunter prasselt. Wie mechanisch starte ich den Motor und man&#xF6;vriere mein Auto wieder auf die richtige Bahn. Ich fahre gerade aus, doch es f&#xE4;llt mir deutlich schwer, mich auf die Strasse vor mir zu konzentrieren und nicht auf den Engel neben mir, der blutet und schwer atmet und dabei auch noch auf nat&#xFC;rliche Art und Weise verdammt gut aussieht. Vielleicht liegt es an den Fl&#xFC;geln, die transparent durch den Sitz hindurch schimmern und sich im Kofferraum ausbreiten. Oder daran, dass der Mann, Engel, Yuri, was auch immer, herrlich duftet. Irgendwie nach einer Mischung aus&#x2026; Ich kann es nicht ganz deuten. Rauchig und dennoch s&#xFC;&#xDF;.</p><p>&#x201C;Die n&#xE4;chste Links&#x201D;, st&#xF6;hnt mein Engel, der eigentlich nicht MEIN Engel ist. Obwohl er echt himmlisch aussieht. Oh Gott, ich sollte wirklich aufh&#xF6;ren, von dem Mann neben mir zu fantasieren oder generell zu fantasieren, mal davon abgesehen, dass ich ihn nur deshalb angefahren habe. Weil meine Gedanken in der Horizontalen waren, statt auf den Verkehr gerichtet. Wow. Horizontalen? Verkehr? Kiana, du bist schlimm. Du bist ein ganz schlimmes M&#xE4;dchen und du hast ab sofort Flaschenverbot im Auto. H&#xF6;rst du? Ich linse einmal vorsichtig in den Fussraum hinunter zu der Flasche und verfluche mich f&#xFC;r meine Dummheit, Naivit&#xE4;t und Notgeilheit, denn gerade in dem Augenblick, als mein Blick abschweift, hustet der Engel los. Ertappt dr&#xFC;cke ich wie automatisch und abrupt auf die Bremse, was daf&#xFC;r sorgt, dass der Engel sich verschluckt und wenig sp&#xE4;ter Blut auf seine Handfl&#xE4;chen spuckt.</p><p>&#x201C;Sicher, dass wir nicht zu einem Krankenhaus fahren sollen?&#x201D;, frage ich zaghaft, w&#xE4;hrend ich das Tempo drossele und den Engel dabei ansehe. Er sieht m&#xFC;de und abgek&#xE4;mpft aus und zum ersten Mal, seit ich ihm begegnet bin, kommt etwas zum Vorschein an ihm, was so ganz und gar nicht engelshaft ist. Wahrscheinlich ist es mir vorher einfach nicht aufgefallen, aber jetzt daf&#xFC;r umso mehr, als meine Augen an dem schon fast d&#xE4;monisch wirkenden Totensch&#xE4;del haften bleiben. Offenbar f&#xE4;llt ihm direkt auf, was ich soeben ins Visier gefasst habe, denn seine blutverschmierte Hand bedeckt die Stelle sofort.<br>&#x201C;Ich habe dir doch gesagt, dass ich kein Engel bin&#x201D;, knurrt der Engel los, der kein Engel sein soll.</p><p>&#x201C;Warum siehst du dann aus wie einer?&#x201D;, hake ich nach. &#x201C;Ich meine, du hast Fl&#xFC;gel und so.&#x201D;<br>Der Engel lacht laut auf. &#x201C;Siehst du etwa auch einen Heiligenschein oder was?&#x201D;<br>&#x201C;Nein&#x201D;, gebe ich zu und schiele missmutig zu dem Haaransatz hinauf. Nein. Definitiv kein Heiligenschein &#xFC;ber seinem Kopf.</p><p>&#x201C;Siehst du, kein Engel, ich bin einfach nur Yuri&#x201D;, meint Yuri. <br>&#x201C;Yuri mit Engelsfl&#xFC;geln&#x201D;, murmle ich vor mich hin, widme mich dem Gaspedal und richte meinen Blick wieder auf die Strasse, die nach wie vor wie leergefegt ist. Schweigen bricht zwischen uns aus, w&#xE4;hrend ich stumpfsinnig geradeaus fahre, nachdem ich wie angeordnet links abgebogen bin.</p><p>Mit dem Schweigen kehren auch tausend und abertausend Fragen ein und machen es sich in meinem vom Sch&#xE4;delhirntrauma vernebelten Verstand gem&#xFC;tlich. Fragen wie &#x201C;was zum Teufel tue ich hier&#x201D; oder &#x201C;Was zum Teufel tut er eigentlich hier?&#x201D;, aber meine Lippen sind wie versiegelt. Als h&#xE4;tte sie Yuri mit einem imagin&#xE4;ren Tacker zu getackert, damit er in Ruhe neben mir die Augen schlie&#xDF;en und ein kleines Nickerchen halten kann. Wobei ich nicht wirklich davon ausgehe, dass er schl&#xE4;ft. Daf&#xFC;r hebt und senkt sich seine Brust zu stark. Vielmehr leidet der Mann, Engel, Schmerzen, was es f&#xFC;r mich nur noch unlogischer macht, nicht zu einem Krankenhaus zu fahren oder die Rettung zu rufen.</p><p>Am Ende ist es Yuri, der die Stille durchbricht. Erst mit einem Hustenanfall, dann r&#xE4;uspert er sich und wenig sp&#xE4;ter sp&#xFC;re ich seine Hand auf meiner Schulter, was mich zusammenzucken l&#xE4;sst. Weil es komisch ist, dass er mich anfasst und noch komischer, dass die Ber&#xFC;hrung kalt ist und sich so anf&#xFC;hlt, als w&#xFC;rde seine Handfl&#xE4;che einfach so durch mich hindurch gleiten. Von wegen kein Engel. Da ist doch etwas faul. Entweder das, oder ich..</p><p>&#x201C;Danke&#x201D;, unterbricht Yuri meinen Gedankengang und seufzt dabei leise auf. &#x201C;Danke, dass du mich nach Hause f&#xE4;hrst.&#x201D;</p><p>&#x201C;Kein Ding&#x201D;, sage ich, als h&#xE4;tte ich eine andere Wahl. Gut, genau genommen habe ich eine Wahl, doch irgendwie habe ich das Gef&#xFC;hl, diese nicht zu haben. Keine Ahnung wieso.</p><p>&#x201C;Ich bin schon so lange nicht mehr zuhause gewesen&#x201D;, f&#xE4;hrt Yuri fort und zieht seine Hand zur&#xFC;ck. Der Mann neben mir wirkt betr&#xFC;bt, beinahe so, als h&#xE4;tte er Heimweh. Starkes Heimweh. Sein Kopf ist leicht gesenkt, der Mund etwas ge&#xF6;ffnet, der Blick ins Leere gerichtet.</p><p>&#x201C;Warst du im Ausland unterwegs?&#x201D;, frage ich plump und entlocke Yuri mit der Frage ein gequ&#xE4;ltes Auflachen.</p><p>&#x201C;K&#xF6;nnte man so sagen&#x201D;, erwidert er trocken. <br>Ich will &#xFC;ber meine Schulter blicken und den Mann mustern, in der Hoffnung, dadurch etwas &#xFC;ber ihn herausfinden zu k&#xF6;nnen, stattdessen kleben meine Augen auf der Stra&#xDF;e.<br>&#x201C;Wo warst du denn?&#x201D;, platzt es unverhohlen aus mir heraus.</p><p>&#x201C;Ich war an einem sehr schlimmen Ort, doch das ist jetzt vorbei. Ich will einfach nur noch nach Hause. Mehr will ich nicht&#x201D;, Yuri neben mir beginnt zu weinen. Ich sehe es nicht, aber ich h&#xF6;re es, wenn auch nur leise. Ein Schluchzen, das so klingt, als w&#xFC;rde gerade irgendetwas in dem Mann zerbrechen. Und wieder einmal mehr reihen sich die Fragen in meinem Kopf zu einer Endlosschleife an Fragezeichen auf. Es muss etwas passiert sein. An diesem Ort. Und weil ich eine dumme Pute bin, muss ich nat&#xFC;rlich direkt an die H&#xF6;lle denken. An das Fegefeuer und pl&#xF6;tzlich kann ich nicht anders, als diesen Mann doch f&#xFC;r einen Engel zu halten. Die Fl&#xFC;gel. Der schlimme Ort. Wie er aus dem Nichts auf der Stra&#xDF;e aufgetaucht ist und all die anderen Merkw&#xFC;rdigkeiten. W&#xE4;re da nicht dieses Tattoo an seinem Hals oder die Tatsache, dass der Mann selbst sagt, er sei kein Engel.</p><p>&#x201C;Was ist denn an diesem Ort passiert?&#x201D;, hake ich vorsichtig nach und merke, ohne hinzusehen, dass sich Yuri auf dem Beifahrersitz versteift. Eine Antwort jedoch bleibt er mir schuldig. Tats&#xE4;chlich wechseln wir kein Wort mehr miteinander bis Yuri von seinem Platz hochschreckt, als wir an einem Ortsschild vorbeifahren.</p><p>&#x201E;Hier&#x2026; hier wohne ich&#x201C;, dringt es aus ihm heraus. Wieder sp&#xFC;re ich seine Hand auf meiner Schulter und wie sich seine Finger verkrampfen und wieder ist dort diese unnat&#xFC;rliche K&#xE4;lte, die mich diesmal zum Schaudern bringt.</p><p>&#x201E;Hier wohnst du&#x201C;, echoe ich und erkenne nicht viel in der Dunkelheit bis auf ein paar Stra&#xDF;enlaternen, die an uns vorbeiziehen. Wir fahren bis zum Dorfende und vor dem letzten Haus an der Stra&#xDF;e bittet mich Yuri anzuhalten. Was ich auch tue. Kaum ist der Motor aus, packt mich Yuri und zieht mich an sich ran. &#x201E;Du hast mich nach Hause gebracht&#x201C;, schluchzt er in mein Ohr. Sein ganzer K&#xF6;rper zittert wie ein Zitteraal.</p><p>Ich will wieder sowas sagen wie &#x201E;Kein Ding, habe ich doch gern gemacht&#x201C;, doch etwas l&#xE4;sst mich innehalten. Die Feder, die an meiner Nase kitzelt. Der Geruch von Blut und dieses flaue Gef&#xFC;hl, was sich daraufhin in meinem Bauch ausbreitet.</p><p>&#x201E;Yuri&#x201C;, fl&#xFC;stere ich und dr&#xFC;cke den Mann ein wenig von mir weg. &#x201E;Bist du dir sicher, dass du kein Engel bist?&#x201C;, versuche ich es ein letztes Mal. Yuri&#x2018;s helle Augen sehen mich an und obwohl in seinem Blick die Traurigkeit innewohnt, schiebt sich der linke Mundwinkel zu einem zaghaften L&#xE4;cheln hinauf.</p><p>&#x201E;Einfach nur Yuri&#x201C;, erwidert Yuri und streift mir eine nasse und lose Haarstr&#xE4;hne aus meinem Gesicht. &#x201E;Danke, Kiana.&#x201C;</p><p>Wir sehen uns noch lange so an. Dann zieht sich Yuri zur&#xFC;ck und blickt statt auszusteigen aus dem Fenster zu seiner rechten.</p><p>&#x201E;Der Ort an dem ich war&#x2026;&#x201C;, beginnt er leise und presst die Lippen aufeinander, bevor er weiter spricht, als w&#xFC;rde er mit sich hadern. &#x201E;Dort wird die Unschuld aus den Unschuldigen gepresst&#x201C;, Yuri formt mit seinen H&#xE4;nden eine Bewegung, als w&#xFC;rde er jemanden erw&#xFC;rgen wollen. Ich blinzele verwirrt und kann mir keinen Reim darauf bilden.</p><p>&#x201E;Wie meinst du das?&#x201C;</p><p>Yuri sieht mich an. &#x201E;Ich bin ein schlechter Mensch, Kiana. Doch nun bin ich zuhause. Jetzt wird alles besser.&#x201C;</p><p>&#x201E;Ich verstehe nicht&#x2026;&#x201C;, setze ich an, sch&#xFC;ttele den Kopf, starre auf die wei&#xDF;en Schwingen, die aus seinem R&#xFC;cken ragen. Was zur H&#xF6;lle meint der Kerl blo&#xDF;? Und liegt es an meinem Sch&#xE4;delhirntrauma, dass alles, was aus seinem Mund kommt, total schr&#xE4;g f&#xFC;r mich klingt?</p><p>&#x201E;Wird Zeit f&#xFC;r mich zu gehen&#x201C;, meint Yuri nur und greift nach der T&#xFC;rklinke. Ich will r&#xFC;bergreifen und ihn aufhalten, doch meine Hand will diesem</p><p>Befehl keine Folge leisten. Ich sitze blo&#xDF; da wie festgefroren und schaue dem Mann, Engel, dabei zu, wie er aus meinem Auto steigt. Ich will ihm auch folgen und hinterherrennen, als er auf das Haus zul&#xE4;uft, vor dem wir parken, aber auch das gelingt mir nicht. Ich kann nur zusehen, wie der Mann mit den engelhaften Fl&#xFC;geln sich von mir entfernt und irgendwann ist es so, als w&#xE4;re er nie dagewesen. Als w&#xE4;re er nie in meinem Auto gewesen und als h&#xE4;tte ich ihn niemals angefahren. So richtig bewusst wird mir das erst, als ich den R&#xFC;ckw&#xE4;rtsgang einlege und mein Fu&#xDF; das Gaspedal durchdr&#xFC;ckt.<br></p><p>Teil 2<br><br></p><p>Wieder zuhause, lege ich mich nach einer hei&#xDF;en Dusche ins Bett und kurz darauf versinke ich in einem Schlaf, der von komischen Tr&#xE4;umen heimgesucht wird. Tr&#xE4;ume &#xFC;ber Engel und Orte, die schlimm sind. Die Tr&#xE4;ume sind so real, dass ich am n&#xE4;chsten Morgen v&#xF6;llig verunsichert bin, ob ich mir nicht doch die ganze Begegnung mit Yuri nur eingebildet habe. Bis zu dem Moment, als ich mich mit meinem Fr&#xFC;hst&#xFC;cksm&#xFC;sli vor den Fernseher setze und die Nachrichten anschalte. Meine Kinnlade inklusive Fr&#xFC;hst&#xFC;ck M&#xFC;sli f&#xE4;llt auf den Boden und ich vor Schock auf das Sofa. Ungl&#xE4;ubig stiere ich den Bildschirm meines Fernsehers an und staune nicht schlecht, als die Nachrichtensprecherin von einem Leichenfund berichtet. Ein Mann wurde erdrosselt aus einem See geborgen und sei noch nicht identifiziert worden, stehe aber vermutlich mit einem Verbrechen in Verbindung. Die Polizei suche noch nach Hinweisen. Als ein Foto von Yuri&#x2018;s Tattoo am Hals eingeblendet wird, schlucke ich schwer. Wie eine, hinter der der Teufel her ist, sprinte ich nur mit Morgenmantel bekleidet aus meiner Wohnung und nehme die Treppen zur Tiefgarage hinunter. Dort angekommen st&#xFC;rze ich mich wie eine Bekloppte auf mein Auto und nehme es einmal gr&#xFC;ndlich unter die Lupe. Meine erste Reaktion ist Schreien. Dicht gefolgt von einem Nervenzusammenbruch, der filmreif gewesen w&#xE4;re und mir eigentlich ein One-Way-Ticket in die Klapse bescheren h&#xE4;tte sollen. Denn das Einzige, was darauf hinweist, dass ich gestern Nacht wirklich einen Engel nieder gebrettert haben k&#xF6;nnte, ist die bescheuerte Flasche im Fu&#xDF;raum. Ansonsten ist mein Auto in einem Topzustand. Keine Beule. Keine Delle. Keine Kratzer. Rein gar nichts, was auf einen Crash hinweisen k&#xF6;nnte, bei dem ein Engel unter meiner Haube gelandet ist. Nicht im romantischen Sinne. Das ist, als w&#xE4;re dieser Vorfall auf der Landstra&#xDF;e nie passiert und h&#xE4;tte lediglich in meinem Kopf stattgefunden. Ich kann mir das doch nicht eingebildet haben?!</p><p>In meiner Verzweiflung rei&#xDF;e ich die Beifahrert&#xFC;r auf und&#x2026; schreie wieder los. Diesmal wie am Spie&#xDF;. Auch dort ist nichts. Kein Blut. Kein s&#xFC;&#xDF;er, rauchiger Duft. Nicht einmal Matsch oder... Keine Ahnung was. Ich drehe durch. Ich muss durchdrehen. Das ist doch alles vollkommen abstrus.</p><p>Ich lasse mich auf den Beifahrersitz plumpsen. Starre geradeaus durch die Windschutzscheibe und kann mir auf das alles keinen Reim bilden. Selbst wenn ich mir die Begegnung mit Yuri nur eingebildet oder ertr&#xE4;umt habe, wie kann es dann sein, dass ausgerechnet am n&#xE4;chsten Tag ein Typ aus dem See geborgen wird und dieser das gleiche Tattoo am Hals hat, wie Yuri eins am Hals hatte? Bin ich nun ein Medium oder&#x2026; was? Mein Blick f&#xE4;llt in den R&#xFC;ckspiegel und Schrei Nummer Drei l&#xF6;st sich aus meiner Kehle. Nicht weil ich dort etwas sehe, nein, vielmehr weil dort nichts ist. Mein Wagen ist sauber, wie die Polizei sagen w&#xFC;rde. Keine Anzeichen von Yuri oder einem Engel, der dort etwas hinterlassen haben k&#xF6;nnte.</p><p>Resigniert steige ich aus meinem Auto aus, nur um wenig sp&#xE4;ter, nachdem ich mich in meiner Wohnung angezogen und fertig gemacht habe, auf der Fahrerseite wieder Platz zu nehmen. Es gibt eigentlich nur eins, was ich jetzt noch tun kann, und zwar zu dieser Adresse zu fahren, wo dieser omin&#xF6;se Yuri angeblich wohnt oder gewohnt hat. Zu ihm nach Hause fahren, sozusagen. Schon wieder. Ein zweites Mal. Vorausgesetzt ich finde heraus, wo das &#xFC;berhaupt gewesen ist. Doch bevor ich den Schl&#xFC;ssel ins Z&#xFC;ndschloss stecke, muss das fiese Ding, was mich in diese Situation gebracht hat, entfernt und f&#xFC;r immer aus diesem Auto verbannt werden. Der Ursprung allen &#xDC;bels. Die Flasche. Ich b&#xFC;cke mich zur Quelle meiner Misere hinunter und hole sie aus dem Fussraum hervor. Kaum ber&#xFC;hren meine Finger das PET, durchf&#xE4;hrt mich ein Blitz. Kein Oh-ja-geil-Blitz wie sonst, wenn ich auf Tuchf&#xFC;hlung mit dieser Flasche gehe, nein, es ist eine ganz unangenehme Sorte Blitz, die einen in einer Schockstarre zur&#xFC;ckl&#xE4;sst und ganz ekelhaft am ganzen K&#xF6;rper kribbelt. Statt dass ich die Flasche wie erwartet leer vorfinde, befindet sich nun etwas in dem durchsichtigen Beh&#xE4;lter. &#x201C;Flaschenpost&#x201D;, schie&#xDF;t es mir durch den Kopf. Doch wie&#x2026; hat dieses eingerollte St&#xFC;ck Papier in meine Flasche hinein gefunden?! Oder ist das eine weitere Fatamorgana, die mich heimsucht? Eine billige Illusion, weil mein Gehirn gerade nicht mit der Gesamtsituation klar kommt?<br>Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden. Hastig schraube ich die Flasche auf und versuche erst mit einem Finger, dann mit zwei, den bl&#xF6;den Zettel aus der schmalen &#xD6;ffnung zu bugsieren. Mit wenig Erfolg. Ich muss tats&#xE4;chlich zur&#xFC;ck in meine Wohnung und eine Pinzette zwecksentfremden f&#xFC;r dieses schwierige Unterfangen. Mit einem viel zu lauten &#x201C;Hab ich dich&#x201D; man&#xF6;vriere ich die mysteri&#xF6;se weisse Rolle aus ihrem durchsichtigen Gef&#xE4;ngnis und halte sie wie eine Siegerehrung eine Arml&#xE4;nge von mir entfernt in die H&#xF6;he. Mein Puls rast. Mein Herz galoppiert und mein Verstand macht eine Karussellfahrt der Extraklasse, nach der man erst einmal ordentlich abreiern gehen muss. Mir ist tats&#xE4;chlich schlecht. So schlecht, dass ich nichts dagegen h&#xE4;tte, meine Fr&#xFC;hst&#xFC;cksflocken wieder loszuwerden. Ich rei&#xDF;e mich jedoch zusammen und beschlie&#xDF;e, mich erst um das zusammengefaltete, gerollte Problem zu k&#xFC;mmern.</p><p>Meine H&#xE4;nde zittern, als ich die Botschaft auseinander friemele und es wird nicht besser, als ich lese, was dort in krakeliger Schrift geschrieben steht.<br>Wenn ich mich nicht t&#xE4;usche, muss das die Adresse sein, zu der ich den Engel oder Yuri oder die Illusion gefahren habe. Ja. Das muss sie sein! &#xA0;Doch was mache ich jetzt? Wie eine total Geistesgest&#xF6;rte dorthin fahren und&#x2026; ja und was? Hoffen Yuri dort anzutreffen? Bei ihm klingeln und auf einen Tee vorbeikommen und &#xFC;ber alles reden, wie zum Beispiel die Tatsache, dass jemand mit dem gleichen, seltsamen Hals-Tattoo soeben von der Polizei aus einem See geborgen worden ist!? Vielleicht hat er einen Zwillingsbruder oder dieses Hals-Tattoo ist verbreiteter als man denkt. Ja. Ein Gang-Tattoo oder sowas in der Art. Oder irgendein Trend, der komplett an mir vorbeigegangen ist. Das muss es sein. Haha. Oder jemand hat Yuri, nachdem ich davon ged&#xFC;st bin, einfach mal eben mit einem Seil um die Ecke gebracht und tauchen geschickt. Was total bl&#xF6;dsinnig ist. Wer sollte einen Engel ermorden? Kann man Engel &#xFC;berhaupt t&#xF6;ten oder sind die schon tot und warum zur H&#xF6;lle mache ich mir &#xFC;berhaupt &#xFC;ber so etwas Gedanken?! Irgendetwas l&#xE4;uft in meinem Oberst&#xFC;bchen nicht so ganz richtig. Wahrscheinlich habe ich mir wirklich den Kopf zu doll gesto&#xDF;en und nun Hirnblutungen. Oder Ged&#xE4;chtnisverlust oder generell eine schlimme Form von akutem Hirnschwund. Okay, Kiana. Komm klar, es gibt keine Engel und du h&#xE4;ttest den Bl&#xF6;dmann einfach zum n&#xE4;chsten Krankenhaus fahren sollen statt irgendwo ins Nirgendwo hinausfahren und&#x2026;</p><p>Ich hole einmal tief Luft. Hilft aber auch nicht wirklich. Der Zettel zwischen meinen Fingern flattert, so stark zittern sie. Wenn ich nicht gleich runterkomme, fliegt der Fetzen Papier noch genauso davon wie Yuri letzte Nacht vor meine K&#xFC;hlhaube.<br>Gehen wir davon aus, dass der Typ von letzter Nacht nicht der Typ im See ist und dass es ihm gut geht und er wohlauf ist. Also gibt es keinen Grund zur Sorge und das alles wird sich auch ganz ohne mein Zutun oder meine Hilfe kl&#xE4;ren. Ich kann so tun, als w&#xE4;re nie etwas passiert und als h&#xE4;tte ich nicht gerade in meiner Flasche eine omin&#xF6;se Botschaft gefunden, auf der eine Adresse steht.</p><p>Wann hat er &#xFC;berhaupt dieses Zettelchen in meine Flasche gemacht? W&#xE4;re mir das nicht aufgefallen? Oder bin ich so neben der Spur gewesen, dass ich das komplett ausgeblendet habe?</p><p>Ich muss mich dazu zwingen, meinen Allerwertesten zur&#xFC;ck in meine Wohnung zu verfrachten und meinem Fr&#xFC;hst&#xFC;cksm&#xFC;sli eine zweite Chance zu geben. Mein Appetit hat sich komplett aus dem Staub gemacht und das nagende Gef&#xFC;hl unter meiner Sch&#xE4;delrinde macht mich ganz kirre, so kirre, dass ich mich dabei ertappe, wie ich immer und immer wieder die R&#xFC;ckspulfunktion meiner TV-Box aktiviere, um mir das Tattoo nochmal vor Augen zu f&#xFC;hren. Es ist identisch. Ja. Es ist eins zu eins das gleiche oder sogar dasselbe Tattoo. Hundertpro. Die Sch&#xFC;ssel M&#xFC;sli segelt zu Boden wie mein gesunder Menschenverstand davon, als ich mein Handy in die Hand nehme und die eingeblendete Telefonnummer in der Flimmerkiste auf meinem Telefon eintippe und sogar dort anrufe. Es dauert ein bisschen, bis jemand rangeht und h&#xF6;chstwahrscheinlich das Standard-Spr&#xFC;chlein runter brettert, das alle zu h&#xF6;ren bekommen, die denken, sie k&#xF6;nnten etwas zu dem Fall beitragen. Ich lasse den Menschen ausreden und verfluche mich innerlich, nicht doch auf eigene Faust zur Adresse gefahren zu sein. Nur um zu checken, ob ich noch alle Latten im Zaun habe oder ob ich bereits ein Fall f&#xFC;r die Geschlossene bin.<br>Ich melde mich mit einem zaghaften &#x201C;Hallo&#x201D; und &#xFC;berlege noch, ob ich wirklich meinen Namen sagen soll. Wenn ich mich mit diesem Anruf komplett zum Deppen mache, w&#xE4;re mir lieber, die wissen nicht, wer ich bin. Wobei die Polizei anhand meiner Nummer vermutlich ohnehin herausfindet, wer angerufen hat. Schlie&#xDF;lich habe ich vergessen, meine Nummer zu unterdr&#xFC;cken.&#x201C;Wie kann ich helfen?&#x201D;, poltert es am anderen Ende der Leitung. Tja. Okay. Wie fange ich das Gespr&#xE4;ch jetzt an? H&#xE4;tte ich mir eventuell vorher &#xFC;berlegen sollen. Toll. Nerv&#xF6;s stupse ich mit meinem Zeh die kaputte M&#xFC;sli-Sch&#xFC;ssel auf dem Boden an und ringe um Worte. &#x201C;Ich&#x2026; &#xE4;hhh&#x2026; &#x201C;, starte ich wie jemand, dem man eine Pistole an die Schl&#xE4;fe h&#xE4;lt.<br>&#x201C;Haben Sie einen Hinweis zum aktuell&#x2026;&#x201D;, hilft mir der Mann auf die Spr&#xFC;nge und ich platze ihm ungeniert ins Wort.<br>&#x201C;Ich habe den Typen mit dem Tattoo gesehen!&#x201D;</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Cakefarts - Drabble]]></title><description><![CDATA[<p>&#x201E;Erst kill&#x2018; ich ihre Gro&#xDF;eltern, dann lasse ich sie auf den Schokokuchen furzen und anschlie&#xDF;end verscharre ich die ganze Familie im Garten&#x201C;, sage ich zu meinem Sohn und denke an meine Verlobte. </p><p>Bildlich sehe ich sie schon vor mir, wie sie tr&#xE4;</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/cakefarts/</link><guid isPermaLink="false">674f701937477f000118d286</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Tue, 03 Dec 2024 20:56:17 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/12/spammembran_A_evil_good_looking_male_eating_a_cake_dark_ambienc_81ef2cda-6e1e-40e6-89a1-dcbfc1edf360--1-.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/12/spammembran_A_evil_good_looking_male_eating_a_cake_dark_ambienc_81ef2cda-6e1e-40e6-89a1-dcbfc1edf360--1-.png" alt="Cakefarts - Drabble"><p>&#x201E;Erst kill&#x2018; ich ihre Gro&#xDF;eltern, dann lasse ich sie auf den Schokokuchen furzen und anschlie&#xDF;end verscharre ich die ganze Familie im Garten&#x201C;, sage ich zu meinem Sohn und denke an meine Verlobte. </p><p>Bildlich sehe ich sie schon vor mir, wie sie tr&#xE4;nen&#xFC;berstr&#xF6;mt auf der K&#xFC;chentheke kauert und ihren fetten Arsch in die Glasur h&#xE4;lt. Der Gedanke erheitert mich und ich muss grinsen. Manche meinen, ich gucke zu viele Filmchen, ich hingegen bin der Meinung, dass man sich vielseitig inspirieren lassen sollte. </p><p>&#x201E;Au&#xDF;erdem hat sie nichts anderes verdient, nachdem sie dich angefasst hat, Kleiner&#x201C;, fl&#xFC;stere ich und streichle &#xFC;ber sein K&#xF6;pfchen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Federzart - Drabble]]></title><description><![CDATA[<p></p><p>&#x201E;Mach mal das <strong>Licht</strong> an, ich kann das Huhn nicht im Dunkeln rupfen!&#x201C;, br&#xFC;llt mich der Meister an. Statt die Gl&#xFC;hbirne anzuknipsen, ziehe ich den <strong>Vorhang</strong> zur Seite. Schwupps wird es hell in dem kleinen Raum.<br> &#x201E;Echt jetzt?&#x201C;, werde ich daraufhin angemault.</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/federhart/</link><guid isPermaLink="false">6745bcb137477f000118d265</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Tue, 26 Nov 2024 12:19:49 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/FA47FF9C-9B0E-4E92-8EC5-6ACBFF09E453.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/FA47FF9C-9B0E-4E92-8EC5-6ACBFF09E453.png" alt="Federzart - Drabble"><p></p><p>&#x201E;Mach mal das <strong>Licht</strong> an, ich kann das Huhn nicht im Dunkeln rupfen!&#x201C;, br&#xFC;llt mich der Meister an. Statt die Gl&#xFC;hbirne anzuknipsen, ziehe ich den <strong>Vorhang</strong> zur Seite. Schwupps wird es hell in dem kleinen Raum.<br> &#x201E;Echt jetzt?&#x201C;, werde ich daraufhin angemault. Ich zucke lediglich mit den Schultern. Schmerzensschreie dringen an mein Ohr. Ich wende den Blick ab und b&#xFC;cke mich nach einer &#x201E;<strong>Feder</strong>&#x201C;.<br> &#x201E;Und was genau hast du damit vor?&#x201C;, frage ich leicht angewidert.<br> &#x201E;Na was wohl, ich mache aus diesem s&#xFC;&#xDF;en V&#xF6;gelchen ein Kunstwerk. Denn, man muss die T&#xE4;ubchen erst zerst&#xF6;ren, damit sie ihre wahre Sch&#xF6;nheit entfalten k&#xF6;nnen.&#x201C;</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Bauch-Strangulations-Hose]]></title><description><![CDATA[<p>Trage ich sonst lieber Rock,<br> ereilt mich morgens gleich der Schock,<br> das Wetter kalt, ekelhaft, und nass,<br> Meine Haut f&#xE4;rbt sich ganz blass<br> Ich muss an den Schrank,<br> sonst werde ich noch krank,<br> und greife nach dir,<br> schon graut es mir,<br> kenne ich doch deine Enge,<br> in Anbetracht</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/bauch-strangulations-hose/</link><guid isPermaLink="false">6741aa3f37477f000118d24a</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Sat, 23 Nov 2024 10:11:42 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_female_who_is_trying_to_fit_in_her_jeans_raining__fe93628a-ebfd-4454-9626-c50f1cf6a746.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_female_who_is_trying_to_fit_in_her_jeans_raining__fe93628a-ebfd-4454-9626-c50f1cf6a746.png" alt="Bauch-Strangulations-Hose"><p>Trage ich sonst lieber Rock,<br> ereilt mich morgens gleich der Schock,<br> das Wetter kalt, ekelhaft, und nass,<br> Meine Haut f&#xE4;rbt sich ganz blass<br> Ich muss an den Schrank,<br> sonst werde ich noch krank,<br> und greife nach dir,<br> schon graut es mir,<br> kenne ich doch deine Enge,<br> in Anbetracht meiner Menge,<br> wie passe ich da nur rein,<br> du bist mir viel zu klein,<br> Wie w&#xE4;re es mit Gewalt?<br> okay, nein, zu schmal der Spalt,<br> dann eben mit Technik,<br> und ein wenig Geschick.<br> Es klappt! Bin drin, oh, Schreck!<br> Igitt! &#xDC;berall quillt der Speck!<br> sitzt nicht sch&#xF6;n und nicht famose,<br> Meine Bauch-Strangulations-Hose.</p><div class="kg-card kg-audio-card"><img src alt="Bauch-Strangulations-Hose" class="kg-audio-thumbnail kg-audio-hide"><div class="kg-audio-thumbnail placeholder"><svg width="24" height="24" fill="none" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M7.5 15.33a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0ZM15 13.83a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0Z"/><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M14.486 6.81A2.25 2.25 0 0 1 17.25 9v5.579a.75.75 0 0 1-1.5 0v-5.58a.75.75 0 0 0-.932-.727.755.755 0 0 1-.059.013l-4.465.744a.75.75 0 0 0-.544.72v6.33a.75.75 0 0 1-1.5 0v-6.33a2.25 2.25 0 0 1 1.763-2.194l4.473-.746Z"/><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M3 1.5a.75.75 0 0 0-.75.75v19.5a.75.75 0 0 0 .75.75h18a.75.75 0 0 0 .75-.75V5.133a.75.75 0 0 0-.225-.535l-.002-.002-3-2.883A.75.75 0 0 0 18 1.5H3ZM1.409.659A2.25 2.25 0 0 1 3 0h15a2.25 2.25 0 0 1 1.568.637l.003.002 3 2.883a2.25 2.25 0 0 1 .679 1.61V21.75A2.25 2.25 0 0 1 21 24H3a2.25 2.25 0 0 1-2.25-2.25V2.25c0-.597.237-1.169.659-1.591Z"/></svg></div><div class="kg-audio-player-container"><audio src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/media/2024/11/hose_mixdown.wav" preload="metadata"></audio><div class="kg-audio-title">Hose mixdown</div><div class="kg-audio-player"><button class="kg-audio-play-icon"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><path d="M23.14 10.608 2.253.164A1.559 1.559 0 0 0 0 1.557v20.887a1.558 1.558 0 0 0 2.253 1.392L23.14 13.393a1.557 1.557 0 0 0 0-2.785Z"/></svg></button><button class="kg-audio-pause-icon kg-audio-hide"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><rect x="3" y="1" width="7" height="22" rx="1.5" ry="1.5"/><rect x="14" y="1" width="7" height="22" rx="1.5" ry="1.5"/></svg></button><span class="kg-audio-current-time">0:00</span><div class="kg-audio-time">/<span class="kg-audio-duration">0:53</span></div><input type="range" class="kg-audio-seek-slider" max="100" value="0"><button class="kg-audio-playback-rate">1&#xD7;</button><button class="kg-audio-unmute-icon"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><path d="M15.189 2.021a9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h1.794a.249.249 0 0 1 .221.133 9.73 9.73 0 0 0 7.924 4.85h.06a1 1 0 0 0 1-1V3.02a1 1 0 0 0-1.06-.998Z"/></svg></button><button class="kg-audio-mute-icon kg-audio-hide"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><path d="M16.177 4.3a.248.248 0 0 0 .073-.176v-1.1a1 1 0 0 0-1.061-1 9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h.114a.251.251 0 0 0 .177-.073ZM23.707 1.706A1 1 0 0 0 22.293.292l-22 22a1 1 0 0 0 0 1.414l.009.009a1 1 0 0 0 1.405-.009l6.63-6.631A.251.251 0 0 1 8.515 17a.245.245 0 0 1 .177.075 10.081 10.081 0 0 0 6.5 2.92 1 1 0 0 0 1.061-1V9.266a.247.247 0 0 1 .073-.176Z"/></svg></button><input type="range" class="kg-audio-volume-slider" max="100" value="100"></div></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[10 Tage Challenge]]></title><description><![CDATA[<p><em><strong>Ertrinken </strong>- Auszug aus Wikipedia: &#x201C;Das Einatmen von Fl&#xFC;ssigkeiten f&#xFC;hrt zu einem augenblicklichen Verschluss des </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Epiglottis"><em>Kehldeckels</em></a><em>. Dieser Schutzmechanismus wird durch Rezeptoren ausgel&#xF6;st, die sich im Bereich des Kehlkopfeingangs befinden. Gleichzeitig wird versucht, die Fremdk&#xF6;rper, die Fl&#xFC;ssigkeit etc. aus diesem</em></p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/10-tage-challenge/</link><guid isPermaLink="false">67384e8737477f000118d22e</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Sat, 16 Nov 2024 08:11:26 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_male_in_panic_shizophrenic_dark_ambience_shattere_169a1f69-2d83-46bc-a48e-185f6b496111.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_male_in_panic_shizophrenic_dark_ambience_shattere_169a1f69-2d83-46bc-a48e-185f6b496111.png" alt="10 Tage Challenge"><p><em><strong>Ertrinken </strong>- Auszug aus Wikipedia: &#x201C;Das Einatmen von Fl&#xFC;ssigkeiten f&#xFC;hrt zu einem augenblicklichen Verschluss des </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Epiglottis"><em>Kehldeckels</em></a><em>. Dieser Schutzmechanismus wird durch Rezeptoren ausgel&#xF6;st, die sich im Bereich des Kehlkopfeingangs befinden. Gleichzeitig wird versucht, die Fremdk&#xF6;rper, die Fl&#xFC;ssigkeit etc. aus diesem Bereich durch </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Husten"><em>Abhusten</em></a><em> zu entfernen.</em><br><em>Viele Menschen, die zu ertrinken drohen, sind nicht in der Lage, aktiv auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. Dies h&#xE4;ngt unter anderem mit der jeweiligen Art des Ertrinkens zusammen.</em><br><em>Ist der Mensch bei Bewusstsein und grunds&#xE4;tzlich in der Lage zu schwimmen, so ist das typische Ertrinken aus Ersch&#xF6;pfung als Kampf gegen das Untergehen mit mehrmaligem Auftauchen in Kombination mit nach Luft schnappen deutlich zu beobachten.</em><br><em>Auch Ertr&#xE4;nken kann zum Ertrinken f&#xFC;hren.&#x201D;</em></p><p></p><p><strong>Eckdaten zu meiner Person</strong></p><p>Tobias Becker</p><p>1999 &#x2003;Geburt</p><p>2003 &#x2003;4 Jahre alt, Tod der Mutter</p><p>2007 &#x2003;Aufenthalt in der Klinik (8 Jahre alt)</p><p>2008 &#x2003;Therapie Dr. Roling (9 Jahre alt)</p><p>2009 &#x2003;Timmy (10 Jahre alt)</p><p>2019 &#x2003;20 Jahre alt</p><p></p><p></p><p><strong>Vorwort Tagebuch Nr. 731</strong></p><p><em>Prolog</em></p><p>Wer bin ich?</p><p>Ich bin Tobi und ich leide an einer seltenen Form einer multiplen Pers&#xF6;nlichkeitsst&#xF6;rung, auch bekannt unter dem Namen dissoziative Identit&#xE4;tsst&#xF6;rung. Diagnostiziert wurde diese psychische Erkrankung bei mir am 14. Januar 2008 von Frau Doktor Roling, bei der ich bis heute in Behandlung bin. Vor der &#xDC;berschreibung in Doktor Rolings Obhut wurde ich von meinem Hausarzt Herrn Dr. Peter wegen Verdacht auf Kinderdemenz behandelt. Die Ged&#xE4;chtnisl&#xFC;cken und die rapiden Ver&#xE4;nderungen in meinem Verhalten sowie in meiner Pers&#xF6;nlichkeit waren ausschlaggebend daf&#xFC;r. Nach diversen Tests und einem langen Aufenthalt in der Klinik im Jahr 2007 konnte man die Kinderdemenz schlussendlich bei mir ausschlie&#xDF;en. Man vermutet, dass meine Erkrankung aus einem Trauma in der Kindheit herr&#xFC;hren muss. Als Kleinkind (ich war etwa vier Jahre alt) wurde ich Zeuge des abscheulichen Mordes an meiner Mutter. Ich kann leider oder Gott sei Dank keinerlei Erinnerungen aus dieser Zeit abrufen; weiss aber aus Erz&#xE4;hlungen, was damals vorgefallen ist. <br>Timmy, meine andere Pers&#xF6;nlichkeit, ist zw&#xF6;lf Jahre alt und uns kennengelernt oder von unserer gegenseitigen Existenz erfahren, haben wir im Jahr 2009. Wir k&#xF6;nnen keinen direkten Kontakt zueinander aufbauen respektive in Gedanken miteinander kommunizieren und verst&#xE4;ndigen uns daher mit Hilfe von kleinen Nachrichten, Tagebucheintr&#xE4;gen und Videobotschaften. Diese Art der Kommunikation hat uns Dr. Roling geraten, um die L&#xFC;cken zu f&#xFC;llen, die auftreten, sobald einer von uns &#x201E;aktiv&#x201C; ist. In der Zeit, in der ich k&#xF6;rperlich sowie geistig anwesend bin, h&#xE4;lt sich Timmy in einer Art Wachkoma auf. Dieses Wachkoma verl&#xE4;uft Trance-&#xE4;hnlich. <br>Die Zeit zwischen seiner aktiven Phase und meiner aktiven Phase wird von uns als eine Art Zeitsprung wahrgenommen. Timmys Zeitgef&#xFC;hl sowie Alterungsprozess ist relativ. Ich beschreibe dieses Ph&#xE4;nomen als eine Art &#x201E;Zeitblase&#x201C;, in der nur er festzustecken scheint, ich bin davon zum Gl&#xFC;ck nicht betroffen. <br>Timmys Wahrnehmung, Interessen und Empfindungen unterscheiden sich erheblich von meinen. <br>Dr. Roling hat mich als sogenannten Host identifiziert und Timmy als eine Teilpers&#xF6;nlichkeit. Timmy hat eine geminderte Sozialkompetenz und Schwierigkeiten mit zwischenmenschlichen Aktivit&#xE4;ten. Sein Herz brennt f&#xFC;r Science Fiction, er liebt es zu lesen und ist bevorzugt allein. Mittlerweile haben wir gelernt, miteinander zu leben und uns bestm&#xF6;glich zu organisieren. Familie, Freunde und Arbeitsstelle sind &#xFC;ber meinen Zustand informiert und kommen Timmy und mir so gut wie es geht entgegen.</p><p>Bisher wissen wir noch nicht, was den Wechsel zwischen mir und Timmy ausl&#xF6;st und ob es &#xFC;berhaupt einen Ausl&#xF6;ser gibt. Das Thema Heilung ist bei uns kritisch. Wenn Dr. Roling von Heilung spricht, bedeutet das im gleichen Atemzug auch den Mord an Timmy. Und obwohl ich ihm niemals begegnen kann, habe ich ihn in mein Herz geschlossen und als einen Teil von mir akzeptiert, auch wenn dieser Zustand, in dem wir uns befinden, seine und meine Lebensqualit&#xE4;t erheblich mindert.</p><p>Eintrag vom 20.01.2019 / &#xA0;14:30 Uhr</p><p>Wir sind nicht mehr zu zweit.</p><p>Diese omin&#xF6;se Homepage ist schon wieder im Browser-Verlauf aufgetaucht. Timmy hat mir am 15. Januar 2019 (um 22:20 Uhr habe ich seine Handnotiz gelesen) best&#xE4;tigt, dass er den Computer nicht benutzt und definitiv nicht nach dieser omin&#xF6;sen Homepage gesucht oder diese besucht hat. Die Homepage, um die es sich handelt, tr&#xE4;gt den Namen Forum Grau und es handelt sich bei dieser Homepage um eine Selbstmord-Website. Ich habe am 18. Januar 2019, also vor zwei Tagen (der Eintrag steht im Tagebuch Nr. 730, ganz hinten), mit Dr. Roling &#xFC;ber die Selbstmord-Website gesprochen, aber sie hat mich &#xFC;berhaupt nicht ernst genommen! Sie meinte nur, sie habe weder bei Timmy noch bei mir wesentliche Ver&#xE4;nderungen wahrgenommen. Wir sind beide weiterhin stabil. &#xA0;Ich muss mir keine Sorgen machen. Tue ich aber. Seit ein paar Monaten sind n&#xE4;mlich wieder vermehrt L&#xFC;cken aufgetaucht, die weder Timmy noch ich uns erkl&#xE4;ren k&#xF6;nnen. Zeitabst&#xE4;nde, die nirgendwo vermerkt sind. Ja, es h&#xE4;tte auch einfach sein k&#xF6;nnen, dass wir nachl&#xE4;ssiger mit unseren Eintr&#xE4;gen geworden sind. Hin und wieder passiert es, dass wir vergessen, gewisse Aktivit&#xE4;ten oder Erlebnisse im Kalender oder in den Orientierungsplan einzutragen, aber im Wesentlichen f&#xFC;hren wir unsere Listen sehr akribisch. Zumindest ich. Timmy ist ein Tr&#xE4;umer. Er ist nicht so diszipliniert wie ich.</p><p>Um zum Ursprungsthema zur&#xFC;ckzukommen. Ich habe mir dieses omin&#xF6;se Forum Grau, etwas genauer angesehen und ich bin entsetzt. Auf dieser Plattform werden einem Schritt f&#xFC;r Schritt &#x201C;Wie-bringe&#x2013;ich-mich-am-Besten-um-Anleitungen&#x201D; zur Verf&#xFC;gung gestellt und schmackhaft gemacht. In den Anleitungen wird man &#xFC;ber die Risiken und die Effektivit&#xE4;t der jeweiligen Selbstmord-Varianten ausf&#xFC;hrlich informiert und aufgekl&#xE4;rt. Es gibt sogar ein Punkte- und Bewertungssystem, wie man sich am besten umlegt! Und der Gipfel des Eisbergs ist, dass die Website unter anderem auch &#xFC;ber eine Kommentarfunktion verf&#xFC;gt, damit sich die User &#xFC;ber misslungene Selbstmordversuche und bereits gemachte Erfahrungen austauschen k&#xF6;nnen. <br>Dann gibt es noch einzelne Kategorien, um seine pers&#xF6;nliche Lebensgeschichte mit anderen zu teilen. Ein paar der Beitr&#xE4;ge habe ich kurz aus Neugier &#xFC;berflogen. Selbstmord ist bisher nie ein Thema f&#xFC;r mich gewesen und negative Gedanken habe ich selten bis nie. Trotz meiner Krankheit bin ich ein aufgestellter und fr&#xF6;hlicher Mensch. Man lernt die Zeit, in der man aktiv ist, einfach mehr zu sch&#xE4;tzen, wenn man sich bewusst wird, dass man sein Leben und seinen K&#xF6;rper mit jemand anderem teilen muss. Ich sehe gewisse Dinge anders oder in einem anderen Licht, als andere Menschen, denen es nicht so geht wie mir und diese Krankheit haben. Aber darum geht&#x2019;s nicht, denn auf diesem Forum findet man kein Licht, nur Dunkelheit und einen alles verschlingenden Abgrund, in den die User mit voller Absicht hineingezogen werden.</p><p>Und als w&#xE4;ren diese bizarren Anleitungen und Beitr&#xE4;ge nicht schon frevelhaft genug, motivieren und unterst&#xFC;tzen sich die User auch noch gegenseitig in diesen Abgrund hinein zu springen und sich davon vollkommen aufsaugen zu lassen. Ich habe mir auf der Diskussionsplattform ein paar der Schicksale durchgelesen, eins tragischer und trauriger als das n&#xE4;chste. Aber ich glaube nicht, dass diese Erlebnisse den Mord an sich selbst irgendwie und auch nur ansatzweise rechtfertigen. <br>W&#xE4;hrend meines Aufenthaltes in der Klinik vor einigen Jahren habe ich viele Menschen kennengelernt, deren Lebensgeschichte denen auf dieser Website nicht un&#xE4;hnlich sind. Es schn&#xFC;rt mir einfach die Kehle zu, lesen zu m&#xFC;ssen, dass viele angemeldete User auf dieser Website keinen anderen Ausweg mehr sehen au&#xDF;er den Tod. Diese Menschen wissen das Leben schlichtweg nicht zu sch&#xE4;tzen und zu lieben. Anstatt, wenn&#x2019;s einmal nicht l&#xE4;uft, wieder von vorne anzufangen und es nochmal zu versuchen, lassen sie sich lieber von anderen Usern dazu anspornen, aufzugeben und ihr Leben wegzuwerfen - und das ist entsetzlich. <br>Am liebsten w&#xFC;rde ich diese Website endg&#xFC;ltig aus dem Browserverlauf l&#xF6;schen, nein, sogar verbannen. Das Problem ist nur - &#xA0;ich habe die Vermutung, dass ein bisher unbekannter Teil von mir sich von dieser vielversprechenden Schw&#xE4;rze auf dieser Website angezogen f&#xFC;hlt. Sehr sogar. Woher ich das wei&#xDF;? Wer auch immer an meinem Computer gewesen ist, hat sich ein Userprofil in dem abscheulichen Forum angelegt und ich bin es garantiert nicht gewesen. Und wie ich das herausgefunden habe? Aus Jux habe ich gestern einfach mal in das Anmeldefeld der Website geklickt und prompt sind gespeicherte Anmeldedaten erschienen. Mein Computer speichert n&#xE4;mlich Benutzername sowie Passwort IMMER automatisch. Diese Funktion habe ich eingestellt, weil ich meine Anmeldedaten f&#xFC;r diverse Websites regelm&#xE4;&#xDF;ig vergesse und keine Lust habe, mich durch einen Haufen kleiner Notiz-Zettelchen zu w&#xFC;hlen, um an Passwort und den dazugeh&#xF6;rigen Username zu kommen.</p><p>Mit schwei&#xDF;nassen Fingern (ich habe wirklich geschwitzt wie ein Schwein kurz vor der Schlachtung) habe ich mich mit dem gespeicherten Username<em> johndoe13557</em> auf der Website angemeldet und (scheisse verdammt) festgestellt, dass wer auch immer sich auf meinem Computer mit diesem Profil eingeloggt hat, vor hat, sich umzubringen. Und zwar schon in zehn Tagen. Ja, in zehn verdammten Tagen!?! &#xA0;Johndoe13557 will sich zehn Tagen umbringen. Ich meine, ich kann es doch unm&#xF6;glich selbst gewesen sein, oder? Ich will schlie&#xDF;lich nicht sterben und daran, ein Profil auf dieser abscheulichen Website angelegt zu haben, w&#xFC;rde ich mich garantiert erinnern! <br>Doch etwas bereitet mir mehr Muffensausen als alles andere. Au&#xDF;er Timmy und mir h&#xE4;tte niemand sonst die M&#xF6;glichkeit gehabt, sich an diesen Computer zu setzen und sich hier in diesem Forum Grau anmelden zu k&#xF6;nnen. Das bedeutet, es kann nur jemand von uns beiden gewesen sein - und ich bin es nicht gewesen und er streitet es vehement ab. Irgendwie glaube ich ihm, dass er unschuldig ist. Warum sollte er l&#xFC;gen? Ich habe ihm immer vertraut und es bisher nie bereut. Also kann es nur eine plausible Erkl&#xE4;rung f&#xFC;r dieses Ph&#xE4;nomen geben. Wir sind nicht mehr zu zweit. Dieses Profil, die L&#xFC;cken, die fehlenden Eintr&#xE4;ge. Das ist doch mehr als offensichtlich! Da ist ein Dritter an Bord, von dem wir nichts wissen. Von dem nicht mal Dr. Roling etwas wei&#xDF;. Ich muss ihr unbedingt davon erz&#xE4;hlen. Von diesem Profil. Von dem bevorstehenden Selbstmord. Sie muss uns unter Beobachtung setzen, bevor es zu sp&#xE4;t ist und wir in zehn Tagen tot sind!</p><p>Nachtrag 20. Januar 2019 / &#xA0;22:30 Uhr</p><p>Ich war gerade bei Dr. Roling. Sie sagt, ich w&#xFC;rde &#xFC;berreagieren und sie h&#xE4;lt eine &#x201E;Quarant&#xE4;ne&#x201C; f&#xFC;r Timmy und mich f&#xFC;r viel zu &#xFC;berst&#xFC;rzt. Bisher habe sie bei all ihren Beobachtungen, Tests und wei&#xDF; der Gucker was noch, keine weitere Pers&#xF6;nlichkeit feststellen oder ausmachen k&#xF6;nnen. Diese Website w&#xE4;re in ihren Augen sehr zwielichtig und es k&#xF6;nnte m&#xF6;glich sein, dass es sich bei diesem John-Doe-Profil um einen Virus oder schlichtweg um eine vorprogrammierte Funktion der Website handelt. Da habe ich aber so meine Zweifel, schlie&#xDF;lich sind die Login-Daten auf meinem Computer gespeichert gewesen und dieses Forum taucht unz&#xE4;hlige Male im Browserverlauf auf, nicht nur einmal. <br>Ich verfluche Timmy daf&#xFC;r, dass ich mich von ihm &#xFC;berreden lassen habe, die Kameras in unserem Wohnzimmer zu deinstallieren, sonst h&#xE4;tte ich handfeste Beweise und Gewissheit, dass da noch ein anderer sein muss, au&#xDF;er wir zwei. <br>Jedenfalls habe ich mich mit Dr. Roling darauf geeinigt, dass sie - wenn ich an Tag f&#xFC;nf immer noch das Gef&#xFC;hl habe, in Gefahr zu sein - eine tempor&#xE4;re Einweisung veranlassen wird. Das beruhigt mich vorerst ein bisschen. Au&#xDF;erdem bin ich gespannt, was Timmy bez&#xFC;glich meiner Theorie von dem Dritten an Bord h&#xE4;lt. Ich habe ihm einen Brief geschrieben. Zus&#xE4;tzlich habe ich Dr. Roling gebeten unsere Gespr&#xE4;che, auch die mit Timmy, ab sofort wieder auf Videoband aufzunehmen. Nur f&#xFC;r den Fall der F&#xE4;lle. Sicher ist sicher.<br></p><p>Nachtrag 20. Januar 2019 / 23:30 Uhr</p><p>Vorhin war ich wieder in diesem omin&#xF6;sen Forum Grau unterwegs und bin &#xFC;ber diese 10-Tage-Challenge gestolpert. Das Forum Grau bietet die M&#xF6;glichkeit an, zu anderen Teilnehmern dieser Challenge Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam die &#x201E;Selbstmordmission&#x201C; zu bestreiten. Man muss daf&#xFC;r auf diesen schrecklichen &#x201E;Mach-mit-Button&apos;&apos; klicken und bekommt automatisch einen der Teilnehmer vorgeschlagen, der sich ebenfalls zu dieser Challenge angemeldet hat. Ziel von dieser Challenge und der Kontaktaufnahme ist es, das die Teilnehmer sich, vorzugsweise per Mail, gegenseitig gut zureden, sich unterst&#xFC;tzen und motivieren den endg&#xFC;ltigen Schritt zu gehen und Selbstmord zu begehen. Wer denkt sich sowas Makaberes aus?! Ist das &#xFC;berhaupt legal!?</p><p>Ich habe nicht anders gekonnt und mir ein eigenes Profil auf dieser Seite angelegt (die Anmeldedaten habe ich ausnahmsweise einmal nicht von meinem Computer speichern lassen, sondern in mein neues Tagebuch geschrieben, das ich sicherheitshalber auf dem Dachboden versteckt habe und von dem ich Timmy nicht erz&#xE4;hlen werde). <br>Mein Username ist <em>johndoe77896</em>, ein automatisch generierter Name. Offenbar sind die Namen der User, die an der Challenge teilnehmen, automatisch generiert. Bei der Anmeldung wurde mir ein Fragebogen zugeschickt, den ich ausf&#xFC;llen soll (die Fragen sind jenseits von Gut und B&#xF6;se). Zus&#xE4;tzlich zum Fragebogen habe ich auch eine Teilnehmerliste erhalten. <br><em>johndoe13557</em>&#x2019;s Profil ist auf dieser Liste aufgef&#xFC;hrt und hinter seinem Namen ist eine <strong>10 </strong> vermerkt, was wohl f&#xFC;r zehn Tage steht (10 Tage sind &#xFC;brigens das Minimum, das man angeben kann f&#xFC;r diese Challenge) Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich <em>johndoe13557</em> vorgenommen hat, sich in &#xA0;*&#xDC;BERRASCHUNG* 10 Tagen umzubringen! <br>Z&#xE4;hneknirschend habe ich hinter meinem eigenen Benutzername leider Gottes ebenfalls eine 10 eingetragen und die Liste mit dem Vermerk, die Challenge zusammen mit <em>johndoe13557</em> bestreiten zu wollen, zur&#xFC;ck an den Absender geschickt. Als Antwort habe ich f&#xFC;r eine sofortige Kontaktaufnahme die Mailadresse von <em>johndoe13557</em> erhalten. <br>Mein Entschluss steht also fest. Ich werde Dr. Roling beweisen, dass ein Dritter an Bord ist und ich werde herausfinden, warum er uns umbringen will. Aber ich will nichts &#xFC;berst&#xFC;rzen oder ihn gar verschrecken. Also trete ich erstmals anonym mit diesem <em>johndoe13557 </em>in Kontakt. Ich glaube, das ist besser so, vielleicht weiss er gar nichts von Timmy und mir und w&#xE4;re &#xFC;berfordert, wenn ich mit der T&#xFC;r direkt ins Haus falle. So, die Mail ist raus und ich sterbe vor Aufregung.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Hol dich ab 2]]></title><description><![CDATA[<div class="kg-card kg-audio-card"><img src alt="audio-thumbnail" class="kg-audio-thumbnail kg-audio-hide"><div class="kg-audio-thumbnail placeholder"><svg width="24" height="24" fill="none" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M7.5 15.33a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0ZM15 13.83a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0Z"/><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M14.486 6.81A2.25 2.25 0 0 1 17.25 9v5.579a.75.75 0 0 1-1.5 0v-5.58a.75.75 0 0 0-.932-.727.755.755 0 0 1-.059.013l-4.465.744a.75.75 0 0 0-.544.72v6.33a.75.75 0 0 1-1.5 0v-6.33a2.25 2.25 0 0 1 1.763-2.194l4.473-.746Z"/><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M3 1.5a.75.75 0 0 0-.75.75v19.5a.75.75 0 0 0 .75.75h18a.75.75 0 0 0 .75-.75V5.133a.75.75 0 0 0-.225-.535l-.002-.002-3-2.883A.75.75 0 0 0 18 1.5H3ZM1.409.659A2.25 2.25 0 0 1 3 0h15a2.25 2.25 0 0 1 1.568.637l.003.002 3 2.883a2.25 2.25 0 0 1 .679 1.61V21.75A2.25 2.25 0 0 1 21 24H3a2.25 2.25 0 0 1-2.25-2.25V2.25c0-.597.237-1.169.659-1.591Z"/></svg></div><div class="kg-audio-player-container"><audio src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/media/2024/11/Hol-dich-ab2_mixdown.wav" preload="metadata"></audio><div class="kg-audio-title">Hol dich ab2 mixdown</div><div class="kg-audio-player"><button class="kg-audio-play-icon"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><path d="M23.14 10.608 2.253.164A1.559 1.559 0 0 0 0 1.557v20.887a1.558 1.558 0 0 0 2.253 1.392L23.14 13.393a1.557 1.557 0 0 0 0-2.785Z"/></svg></button><button class="kg-audio-pause-icon kg-audio-hide"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><rect x="3" y="1" width="7" height="22" rx="1.5" ry="1.5"/><rect x="14" y="1" width="7" height="22" rx="1.5" ry="1.5"/></svg></button><span class="kg-audio-current-time">0:00</span><div class="kg-audio-time">/<span class="kg-audio-duration">6:38</span></div><input type="range" class="kg-audio-seek-slider" max="100" value="0"><button class="kg-audio-playback-rate">1&#xD7;</button><button class="kg-audio-unmute-icon"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><path d="M15.189 2.021a9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h1.794a.249.249 0 0 1 .221.133 9.73 9.73 0 0 0 7.924 4.85h.06a1 1 0 0 0 1-1V3.02a1 1 0 0 0-1.06-.998Z"/></svg></button><button class="kg-audio-mute-icon kg-audio-hide"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><path d="M16.177 4.3a.248.248 0 0 0 .073-.176v-1.1a1 1 0 0 0-1.061-1 9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h.114a.251.251 0 0 0 .177-.073ZM23.707 1.706A1 1 0 0 0 22.293.292l-22 22a1 1 0 0 0 0 1.414l.009.009a1 1 0 0 0 1.405-.009l6.63-6.631A.251.251 0 0 1 8.515 17a.245.245 0 0 1 .177.075 10.081 10.081 0 0 0 6.5 2.92 1 1 0 0 0 1.061-1V9.266a.247.247 0 0 1 .073-.176Z"/></svg></button><input type="range" class="kg-audio-volume-slider" max="100" value="100"></div></div></div><p>C&#xE9;line Dion, my heart will go on. Meine Eltern. Vielleicht Jutta, wobei Jutta mich nicht mehr mag. Sie hat mir die Freundschaft gek&#xFC;ndigt als ich,&#x2026;</p><p>&#x201E;Wenn du dir Gedanken dar&#xFC;ber machst, welche</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/hol-dich-ab-2/</link><guid isPermaLink="false">673254946544e400010055eb</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Mon, 11 Nov 2024 19:03:47 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_young_female_with_a_pony_tail_sitting_inside_a_ca_5c5a0dcc-eb9b-494d-908a-11a68c5dfb7f.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<div class="kg-card kg-audio-card"><img src alt="Hol dich ab 2" class="kg-audio-thumbnail kg-audio-hide"><div class="kg-audio-thumbnail placeholder"><svg width="24" height="24" fill="none" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M7.5 15.33a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0ZM15 13.83a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0Z"/><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M14.486 6.81A2.25 2.25 0 0 1 17.25 9v5.579a.75.75 0 0 1-1.5 0v-5.58a.75.75 0 0 0-.932-.727.755.755 0 0 1-.059.013l-4.465.744a.75.75 0 0 0-.544.72v6.33a.75.75 0 0 1-1.5 0v-6.33a2.25 2.25 0 0 1 1.763-2.194l4.473-.746Z"/><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M3 1.5a.75.75 0 0 0-.75.75v19.5a.75.75 0 0 0 .75.75h18a.75.75 0 0 0 .75-.75V5.133a.75.75 0 0 0-.225-.535l-.002-.002-3-2.883A.75.75 0 0 0 18 1.5H3ZM1.409.659A2.25 2.25 0 0 1 3 0h15a2.25 2.25 0 0 1 1.568.637l.003.002 3 2.883a2.25 2.25 0 0 1 .679 1.61V21.75A2.25 2.25 0 0 1 21 24H3a2.25 2.25 0 0 1-2.25-2.25V2.25c0-.597.237-1.169.659-1.591Z"/></svg></div><div class="kg-audio-player-container"><audio src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/media/2024/11/Hol-dich-ab2_mixdown.wav" preload="metadata"></audio><div class="kg-audio-title">Hol dich ab2 mixdown</div><div class="kg-audio-player"><button class="kg-audio-play-icon"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><path d="M23.14 10.608 2.253.164A1.559 1.559 0 0 0 0 1.557v20.887a1.558 1.558 0 0 0 2.253 1.392L23.14 13.393a1.557 1.557 0 0 0 0-2.785Z"/></svg></button><button class="kg-audio-pause-icon kg-audio-hide"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><rect x="3" y="1" width="7" height="22" rx="1.5" ry="1.5"/><rect x="14" y="1" width="7" height="22" rx="1.5" ry="1.5"/></svg></button><span class="kg-audio-current-time">0:00</span><div class="kg-audio-time">/<span class="kg-audio-duration">6:38</span></div><input type="range" class="kg-audio-seek-slider" max="100" value="0"><button class="kg-audio-playback-rate">1&#xD7;</button><button class="kg-audio-unmute-icon"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><path d="M15.189 2.021a9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h1.794a.249.249 0 0 1 .221.133 9.73 9.73 0 0 0 7.924 4.85h.06a1 1 0 0 0 1-1V3.02a1 1 0 0 0-1.06-.998Z"/></svg></button><button class="kg-audio-mute-icon kg-audio-hide"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" viewbox="0 0 24 24"><path d="M16.177 4.3a.248.248 0 0 0 .073-.176v-1.1a1 1 0 0 0-1.061-1 9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h.114a.251.251 0 0 0 .177-.073ZM23.707 1.706A1 1 0 0 0 22.293.292l-22 22a1 1 0 0 0 0 1.414l.009.009a1 1 0 0 0 1.405-.009l6.63-6.631A.251.251 0 0 1 8.515 17a.245.245 0 0 1 .177.075 10.081 10.081 0 0 0 6.5 2.92 1 1 0 0 0 1.061-1V9.266a.247.247 0 0 1 .073-.176Z"/></svg></button><input type="range" class="kg-audio-volume-slider" max="100" value="100"></div></div></div><img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_young_female_with_a_pony_tail_sitting_inside_a_ca_5c5a0dcc-eb9b-494d-908a-11a68c5dfb7f.png" alt="Hol dich ab 2"><p>C&#xE9;line Dion, my heart will go on. Meine Eltern. Vielleicht Jutta, wobei Jutta mich nicht mehr mag. Sie hat mir die Freundschaft gek&#xFC;ndigt als ich,&#x2026;</p><p>&#x201E;Wenn du dir Gedanken dar&#xFC;ber machst, welche Musik an deiner Beerdigung gespielt und wer erscheinen wird, ist es eigentlich schon zu sp&#xE4;t&#x201C;, hallt es durch meine Gedanken. Ja, ich wei&#xDF;, Theo wird mich t&#xF6;ten, ich wei&#xDF; nur noch nicht wann und wie und vor allem wo es passieren wird.</p><p>&#x201E;Das ist doch genau das, was du gewollt hast, als du doofe Kuh das Inserat ins Internet gestellt hast&#x201C;, triezt mich eine fiese Stimme im Kopf. Sie hat recht. Im Nachhinein betrachtet, h&#xE4;tte ich mir das vielleicht noch einmal &#xFC;berlegen sollen.</p><p>Jetzt ist es sowieso zu sp&#xE4;t und wir unterwegs zu meinem ganz pers&#xF6;nlichen Begr&#xE4;bnis. Oh Mann, klingt das makaber.</p><p>&#x201E;Wir werden deine Haare f&#xE4;rben m&#xFC;ssen&#x201C;, katapultiert mich Theo zur&#xFC;ck in die Realit&#xE4;t. Ich gucke sch&#xFC;chtern zu ihm her&#xFC;ber. H&#xE4;tte er mir gerade er&#xF6;rtert, mir jedes Haar einzeln ausrei&#xDF;en zu wollen, h&#xE4;tte ich nicht weniger bekloppt aus der W&#xE4;sche geguckt. Ein schlichtes &#x201E;Wie&#x201C; verl&#xE4;sst meinen Mund, zu mehr bin ich nicht imstande.</p><p>Theo lacht. &#x201E;Mit Haarf&#xE4;rbemittel, wie soll das denn sonst gehen?&#x201C;</p><p>Ich will gerade so etwas sagen wie &#x201E;Ich habe aber keines dabei&#x201C;, schaffe es aber noch mich zur&#xFC;ckzuhalten. &#x201E;Du faselst ganz sch&#xF6;n bl&#xF6;des Zeugs, Mila, komm klar, ja? Du schaffst das&#x201C;, versuche ich mich selbst im Stillen zu beruhigen. Die Sache mit dem Vertrag hat doch bereits geklappt. &#x201E;Und Theo ist gar nicht so eklig, wie ihn du dir ausgemalt hast&#x201C;, erg&#xE4;nzt mein zweites Ich und ich stimme ihm gedanklich zu.</p><p>&#x201E;Ich fahre bei der n&#xE4;chsten Tanke raus&#x201C;, k&#xFC;ndigt Theo an. Ich schlucke und muss die Frage, die mir auf der Seele brennt, nun doch stellen. Auch wenn ich Angst vor der Antwort habe.</p><p>&#x201E;Mit wie vielen M&#xE4;dchen hast du das denn eigentlich schon gemacht?&#x201C;, piepse ich kleinlaut. &#x201E;Also sie entf&#xFC;hrt und&#x2026; ja..&#x201C;, stammele ich unbeholfen weiter. Auf Theos Mund bildet sich ein unangenehmes Grinsen. Unangenehm, weil man bei so einer Frage nicht Grinsen sollte.</p><p>&#x201E;Was denkst du denn?&#x201C;, kontert er ungeniert mit einer Gegenfrage und l&#xF6;st in meinem Bauch mit diesem Man&#xF6;ver ein ganz schreckliches Gef&#xFC;hl aus. Eine Abfolge von unbekannten Gesichtern rauscht an meinem inneren Auge vorbei. So schnell, dass ich sie nicht z&#xE4;hlen kann. Zumal diese sowieso nur imagin&#xE4;r sind und mir bei der L&#xF6;sung dieses R&#xE4;tsels nicht behilflich sein werden.</p><p>&#x201E;Keine Ahnung&#x201C;, sage ich also, als die Stille zwischen uns nicht erdr&#xFC;ckender sein k&#xF6;nnte.</p><p>&#x201E;W&#xFC;rde es dir besser gehen, wenn ich sage, dass du meine Erste bist?&#x201C;, veralbert er mich Theo, dem dieses Gespr&#xE4;ch offenbar mehr Spa&#xDF; bereitet als mir. Beinahe schon fast so, als ob er sich &#xFC;ber mich lustig macht. Was fies w&#xE4;re und in mir den Drang ausl&#xF6;st, diese Mission ganz schnell abzubrechen. Blo&#xDF; geht das nicht so einfach in einem fahrenden Wohnmobil mit einem Mann an meiner Seite, der doppelt so breit und doppelt so gro&#xDF; ist wie ich. Also nicht wirklich. Keine Ahnung, wie gro&#xDF; Theo ist. Schwer zu beurteilen, wenn ich ihn bisher nur sitzend gesehen habe.</p><p>&#x201E;Ich denke schon&#x201C;, murmle ich und mummele mich zeitgleich noch ein bisschen mehr in meinem Pulli ein, in der vergeblichen Hoffnung, es w&#xFC;rde sich dort ein Portal in die Freiheit er&#xF6;ffnen, durch das ich unbemerkt abhauen kann.</p><p>&#x201E;Okay&#x201C;, lacht Theo am&#xFC;siert. &#x201E;Dann bist du meine Erste.&#x201C;</p><p>&#x201E;Toll&#x201C;, denke ich und gehe prompt davon aus, dass diese Aussage eine L&#xFC;ge ist. Egal. &#xC4;ndern kann ich es sowieso nicht mehr.</p><p>Weil ich nichts mehr sage, sagt Theo auch nichts mehr und f&#xE4;hrt ungeniert weiter. Irgendwann sind wir auf der Autobahn. Obwohl ich aufgeregt bin und das Adrenalin mich im Normalfall h&#xE4;tte wach halten sollen, bin ich wohl wegged&#xE4;mmert, denn als ich das n&#xE4;chste Mal die Augen &#xF6;ffne, befinden wir uns nicht mehr auf einer Stra&#xDF;e, sondern auf einem Parkplatz. Genauer genommen stehen wir an einer Tanks&#xE4;ule und Theo ist weg. Er ist weg. Einfach gegangen und hat mich alleine im Wohnmobil zur&#xFC;ckgelassen.</p><p>Das w&#xE4;re die perfekte Gelegenheit abzuhauen! Doch stattdessen sitze ich nur da und blinze der Au&#xDF;enbeleuchtung entgegen, w&#xE4;hrend sich mein Po und meine Beine gegen mich verschworen haben und sich keinen Millimeter aus diesem Gef&#xE4;hrt, diesem &#xFC;berdimensionalen Blechgef&#xE4;ngnis bewegen.</p><p>&#x201E;Das ist doch total bekloppt!&#x201C;, fluche ich los. Um meinen Frust irgendwie zu kanalisieren, trete ich gegen meine Sporttasche. Klasse! Treten geht also noch, aber abhauen ist nicht drin?! Dann finden meine F&#xE4;uste Futter und verhauen das Armaturenbrett. Naja. Nicht so richtig verhauen. Es ist mehr so verhauen f&#xFC;r Anf&#xE4;nger, wo einem danach nur die Kn&#xF6;chel weh tun und es rein gar nichts gebracht hat. Ich linse vorsichtig aus dem Fenster, um zu gucken, ob mich eventuell jemand gesehen haben k&#xF6;nnte. Auf frischer Tat ertappt sozusagen. Aber die Tankstelle ist so verlassen, wie ich mich im Inneren f&#xFC;hle. </p><p>Keine Menschenseele ist da. Um Hilfe rufen k&#xF6;nnte ich also nicht, au&#xDF;er ich sch&#xE4;le mich von meinem Sitz hoch und man&#xF6;vriere mein Hinterteil mitsamt Hummeln in den Tankstellen Shop hinein, doch wenn ich das tue, laufe ich Theo direkt in die Arme.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Skinwalker 1-7]]></title><description><![CDATA[<p></p><p>Kapitel 1 - Rucksack</p><p>Die Welt braucht mich! Ja, sie braucht mich, denn ich werde sie bald von einem Skinwalker befreien, der angeblich hier in dieser Gegend sein Unwesen treibt. Ich habe genug Tomb Raider gespielt, um zu wissen, wie ich unter schwierigen Bedingungen &#xFC;berleben kann. Outlast habe ich</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/skinwalker-1-7/</link><guid isPermaLink="false">672bd13b6544e400010055cc</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Wed, 06 Nov 2024 20:31:37 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_spooky_witch_haunting_on_a_mountain_a_pink_butter_0b970549-28ad-463e-901e-064a660bc9fe.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_spooky_witch_haunting_on_a_mountain_a_pink_butter_0b970549-28ad-463e-901e-064a660bc9fe.png" alt="Skinwalker 1-7"><p></p><p>Kapitel 1 - Rucksack</p><p>Die Welt braucht mich! Ja, sie braucht mich, denn ich werde sie bald von einem Skinwalker befreien, der angeblich hier in dieser Gegend sein Unwesen treibt. Ich habe genug Tomb Raider gespielt, um zu wissen, wie ich unter schwierigen Bedingungen &#xFC;berleben kann. Outlast habe ich mir reingezogen, um mit Hexen und Co. klarzukommen und Resident Evil f&#xFC;r den ganzen anderen Kram, den man braucht, wenn einem ein Monster ordentlich auf die Pelle r&#xFC;cken will. Ich habe sozusagen meine komplette Freizeit in Videospiele investiert, um der Bestie den Garaus machen zu k&#xF6;nnen, sobald ich ihr begegne. Oder ich fange die Kreatur lebend und stelle sie der Wissenschaft zu Forschungszwecken zur Verf&#xFC;gung. So oder so, ich bin bestens vorbereitet und bereit zu tun, was n&#xF6;tig ist..</p><p>Zumindest denke ich das, als ich mit meinem Rucksack und meinen neuen Wander-Tretern inmitten der Wandergruppe herumstehe und darauf warte, dass es endlich losgeht. Der Skinwalker hat sich n&#xE4;mlich irgendwo auf diesem Berg oben verschanzt, den wir gleich zusammen besteigen werden.</p><p>Ich falle in der Gruppe auf wie ein bunter Hund in meinem Lara Croft Outfit und meinem viel zu schweren Gep&#xE4;ck. Aber wenn ich mir schon extra f&#xFC;r diese Mission eine Knarre illegal aus dem Internet besorgt habe, will ich diese f&#xFC;r die Jagd nach dem Ungeheuer selbstverst&#xE4;ndlich dabei haben und wie jeder weiss, der schon einmal einen Shooter gespielt hat, braucht man immer genug Munition, wenn man vorhat, mit dem Pist&#xF6;lchen auch ordentlich herum zu ballern. Doch h&#xE4;tte man einen auch vorwarnen k&#xF6;nnen, dass so ein bisschen Blei echt viel wiegt.</p><p>Der Leiter der Gruppe erz&#xE4;hlt irgendetwas &#xFC;ber den Berg, was mich nur minder interessiert und was ich ohnehin schon l&#xE4;ngst aus dem Internet weiss. Vorbereitung ist wichtig, ganz besonders dann, wenn man die einzige aus der Truppe ist, die sich dessen bewusst ist, was dort oben auf uns lauert. Genau genommen habe ich diese Information aus dem Internet, besser gesagt aus diversen Zeitungsartikel, die von mysteri&#xF6;sen Todesf&#xE4;llen hier in der Gegend berichten. Kinder, die verschwinden. Leichen, die pl&#xF6;tzlich nach Jahren auftauchen und andere Abscheulichkeiten, die nie aufgekl&#xE4;rt werden konnten. Nat&#xFC;rlich sch&#xF6;n &#xFC;ber Jahre verteilt, damit es nicht zu auff&#xE4;llig ist, dass im stillen &#xD6;rtchen Calm River East das B&#xF6;se lauert und sein Zuhause gefunden hat.</p><p>Zu Zeiten der KI ist es aber kein Problem mehr, herauszufinden, wo die Kacke am Dampfen ist, egal, wie viele Zeiger-Umdrehungen man dazwischen verstreichen l&#xE4;sst. Den Menschen kann man vielleicht &#xFC;berlisten, nicht so eine k&#xFC;nstliche Intelligenz. Die l&#xE4;sst sich nichts vormachen. Die findet alles f&#xFC;r einen heraus.</p><p>Und ich gehe schwer davon aus, dass wir es hier mit einem waschechten Skinwalker zu tun haben? Warum? Tja. Wie es scheint, hat es dieses s&#xFC;&#xDF;e, kleine &#xD6;rtchen Calm River East mehr als nur faustdick hinter den Ohren. Erinnern wir uns an die Vielzahl von Hexenverbrennungen vor vielen, vielen Jahren, hat es so eine auch in Calm River East gegeben. Genau genommen im Jahre 1651, als ein Zwillings-Geschwisterp&#xE4;rchen der Hexerei bezichtigt worden ist. Jedoch haben sie nur das M&#xE4;dchen in die Finger gekriegt und der Junge gilt bis zum heutigen Stand nach wie vor als vermisst, gar verschollen - wie vom Erdboden verschluckt. Ich habe nichts zu ihm finden k&#xF6;nnen, weder wo er abgeblieben noch was mit ihm passiert ist. Die Geschwister Morgan sind wohl damals der Hexerei angeklagt worden, aufgrund von inzestu&#xF6;sen Handlungen untereinander. Wobei Junge und M&#xE4;dchen relativ ist, die beiden sollen das achtzehnte Lebensjahr bereits erreicht haben, als es ihnen an den Kragen gegangen ist und den &#xDC;berlieferungen zufolge, ja, das Wort klingt so sch&#xF6;n dramatisch, sollen beide rothaarig und gr&#xFC;n&#xE4;ugig gewesen sein. Voll das Klischee, ich weiss, aber vielleicht ist etwas dran. An diesem Mythos, dass alle Hexen rote Haare und Sommersprossen haben, selbst wenn das Internet diesen Mythos als b&#xF6;sen Irrtum schimpft. Man muss ja nicht alles glauben, was einem das gro&#xDF;e WWW weismachen will. Ich bin jedenfalls felsenfest davon &#xFC;berzeugt, dass der Junge hier immer noch sein Unwesen treibt und dem stillen &#xD6;rtchen Calm River East nie verziehen hat, was es seiner Schwester angetan hat. Rache schmeckt ja bekanntlich s&#xFC;&#xDF;, und wer weiss, vielleicht sucht er immer noch nach einem Weg, seine Schwester zur&#xFC;ckzubringen und was w&#xFC;rde sich besser eignen f&#xFC;r dieses Unterfangen als ein Menschenopfer?.</p><p>Ich werde der Sache auf den Grund gehen, doch zuerst werde ich mit diesen Wander-Heinis diesen Gipfel erklimmen.</p><p><br></p><p>Kapitel 2 - Entdecken</p><p>F&#xFC;r mich als Computernerd und auserkorener Couchpotatoe gibt es auf dieser Wandertour viel zu entdecken, wie zum Beispiel, dass Spinnen in der freien Natur genauso eklig sind wie in meinen vier W&#xE4;nden, dass Smalltalk &#xFC;berhaupt nicht mein Ding ist und dass meine nigelnagelneuen Wander-Treter fiese Blasen an den F&#xFC;ssen machen. Zu meinem Gl&#xFC;ck haben wir zwar Oktober, doch das Wetter meint es gut mit uns. Es ist frisch, aber nicht kalt, sondern angenehm k&#xFC;hl und nicht zu warm. Laut unserem Leiter ist das das ideale Wetter f&#xFC;r so eine Tour. Ganz ehrlich? Das Wetter ist mir sowas von Latte. Vielmehr suche ich nach einer Gelegenheit, mich von der Gruppe loszueisen und abzuhauen, um mich auf eigene Faust auf die Suche nach dem Monster, dem Skinwalker, zu begeben!</p><p>Bloss sind die Teilnehmer ziemlich hartn&#xE4;ckig, wenn es darum geht, zusammen zu bleiben und acht zu geben, dass keiner zur&#xFC;ck bleibt. Was echt l&#xE4;stig ist. Auff&#xE4;llig ist vor allem Wilma, die an mir klebt wie ein Hund, der Schinken gerochen hat. Fehlt nur noch, dass sie ihre Z&#xE4;hne in mir versenkt und mich aussagt wie ein Vampir. Wobei&#x2026; vielleicht ist sie ein Vampir und ich befinde mich in unmittelbarer Gefahr!</p><p>Wilma, mit ihren l&#xE4;stigen Smalltalk-Versuchen ist jedoch nicht die einzige Absurdit&#xE4;t in dieser Wandergruppe, nein, denn da gibt es noch den viel zu sch&#xF6;nen Jacob, auf den die Bezeichnung Vampir viel besser zutreffen w&#xFC;rde. Aristokratische Gesichtsz&#xFC;ge, eine Statur, als w&#xE4;re er direkt aus den Seiten eines Dark Romance Roman entsprungen und w&#xFC;rde er in der Sonne noch anfangen zu glitzern, h&#xE4;tte ich Gewissheit, dass dieser Mann viel zu gut aussieht, um ein Mensch sein zu k&#xF6;nnen. Seine Sch&#xF6;nheit ist schon ziemlich &#xFC;bernat&#xFC;rlich, ich kann nur einen einzigen Makel an ihm ausmachen und der h&#xE4;ngt wie ein ekliges Geschw&#xFC;r an seinem Arm, sieht mich bereits die ganze Zeit biestig an. Vanessa, bei der es mich nicht wundern w&#xFC;rde, wenn sich unter der &#xFC;berschminkten und zurechtgemachten Schale ein fieser Goblin versteckt, dem es nur nach einer Gelegenheit d&#xFC;rstet, mir die Augen auszustechen und unfl&#xE4;tige Dinge damit anzustellen.</p><p>Macht aber nichts, dieser Wunsch beruht auf Gegenseitigkeit und irgendetwas sagt mir, dass wenn ich nicht bald die Biege mache, dieses Ereignis durchaus eintreffen k&#xF6;nnte. Apropos Biege machen: Ich sollte mir lieber Gedanken &#xFC;ber ein gutes Ablenkungsman&#xF6;ver machen. Bloss will mir nichts einfallen. Vielleicht Wilma einfach vom Berg schubsen und hoffen, die anderen springen beim Versuch, sie zu retten wie Lemminge hinterher? Keine schlechte Idee, die Umsetzung eher schwierig.</p><p>Semi motiviert stampfe ich weiter den Berg hoch, neben mir bl&#xFC;ht ein undefinierbares Gew&#xE4;chs, ein paar Wurzeln erschweren mir den Weg - doch ich komme meinem Ziel n&#xE4;her. Das habe ich im Gef&#xFC;hl.</p><p>&#x201C;Ich glaube, dort vorne liegt etwas?&#x201D;, meint die nervige Wilma pl&#xF6;tzlich und h&#xE4;lt daf&#xFC;r sogar mit ihrem Gequatsche eine Millisekunde inne. Der Ausruf kommt so &#xFC;berraschend, dass ich beinahe eine Bruchlandung hingelegt h&#xE4;tte, w&#xE4;re da nicht Jacob, der statt hinter mir nun vor mir steht, respektive meinen Sturz mit seinen Muckis abgefangen hat. Hinter mir spuckt derweil Vanessa imagin&#xE4;res Feuer aus ihrem erstaunten Rachen. Lediglich der Leiter der Truppe scheint die Lage noch im Griff zu haben.</p><p>Zielstrebig steuert er Wilmas Fund an und h&#xE4;lt ihn vor sich hoch.</p><p><br></p><p>Kapitel 3 - Stiefel</p><p>&#x201C;Ein Stiefel! Guckt! Dort liegt ein Stiefel!&#x201D;, jauchzt es neben mir. Der Stiefel hallt auch in meinem Kopf nach. Dort rattert es wie in einem Uhrwerk los.</p><p>Doch ehe ich dazu komme, wilde Theorien zu spinnen, warum dort verwahrloste Beinkleidung herum liegt, &#xA0;sch&#xE4;lt mich Jacob von seinem Bodybuilder Brustkorb runter und ich gleite wohlbeh&#xFC;tet in die kuscheligen Arme von Wilma, die sich zu meiner neuen besten Freundin gemausert hat. Schlie&#xDF;lich hat sie das Schuhwerk unter der Tanne ersp&#xE4;ht.</p><p>&#x201C;Wusstest du, dass der dort liegt?&#x201D;, erkundigt sich der Leiter, dem der Argwohn ins Gesicht gemei&#xDF;elt steht.<br>Wilma sch&#xFC;ttelt den Kopf und gibt ein: &#x201C;Ich habe gute Augen&#x201D; als Erkl&#xE4;rung von sich. Lars, einer vom &#xE4;lteren Kaliber, kommt neben dem Leiter zu stehen und nimmt nun ebenfalls den Stiefel in sein Visier.<br>&#x201C;Der liegt noch nicht lange dort&#x201D;, stellt der Mann fest und sieht zu uns her&#xFC;ber. Jetzt starren uns zwei von Zweifel zerfressene Visagen skeptisch an und bringen die sonst so gespr&#xE4;chige Wilma in Erkl&#xE4;rungsnot. <br>&#x201C;Ich wusste nicht, dass der dort liegt&#x201D;, stammelt sie los und guckt hilfesuchend zu ihrer Armbeuge hinunter, in der ich festh&#xE4;nge wie etwas, das nicht auf eigenen Beinen stehen kann. Ich k&#xE4;mpfe mich aus der Schwitzh&#xF6;hle frei und rappele mich auf. Klopfe imagin&#xE4;ren Staub von meiner Kleidung.</p><p>&#x201C;Das ist doch nur ein oller Stiefel&#x201D;, mischt sich Vanessa ein und klingt dabei so gelangweilt wie der Ausdruck auf ihrem Gesicht aussieht. Achtung, der Goblin versucht, unseren Fund als harmlos zu deklarieren. Vielleicht hat sie den Insassen des Stiefels einen Tag zuvor gefressen! Und das ist ihre Masche! Ahnungslose Wandergruppen zu infiltrieren und eine arme Sau davon zu schnabulieren.</p><p>Ich sehe Jacob an, doch Jacob hebt nur eine seiner perfekt gestutzten Augenbrauen an - so nach dem Motto &#x201C;was will die jetzt von mir?!&#x201D;.<br>Mit einem &#x201C;Naja&#x201D;, ergreift der Leiter wieder das Wort. &#x201C;Es kommt hin und wieder vor, dass Wanderer auf diesem Berg von wilden Tieren angefallen werden und&#x2026;&#x201D;<br>&#x201C;Moment, wollen sie uns etwa weismachen, dass es hier auf dem Berg Berg-Alligatoren gibt?!&#x201D;, zischt Vanessa, die die Weisheit allem Anschein nach nicht mit L&#xF6;ffeln gefressen hat. &#x201C;W&#xF6;lfe, Schatz. Er meint W&#xF6;lfe&#x201D;, korrigiert Jacob seinen Goblin. Dieser zieht eine beleidigte Schnute.<br>&#x201C;Warum regen wir uns &#xFC;berhaupt &#xFC;ber einen verloren gegangenen Stiefel auf?&#x201D;, hakt Sweeney nach, der zum ersten Mal seit Beginn der Wanderung &#xFC;berhaupt seinen Mund aufrei&#xDF;t. Prompt mustere ich ihn und stelle fest, dass er der Kobold oder der Leprechaun in unserer Gruppe sein muss. Haupts&#xE4;chlich weil er &#xFC;berdurchschnittlich viel Gr&#xFC;n tr&#xE4;gt und gr&#xFC;ne Augen hat.<br>Lars und der Leiter glotzen sich an, zwischen ihnen der verh&#xE4;ngnisvolle Stiefel. Wilma neben mir tritt nerv&#xF6;s von einem Fuss auf den anderen, der Goblin und der Vampir kleben wieder aneinander und ich komme vor Spannung fast um.</p><p>Dann ringt sich einer der beiden &#xC4;lteren endlich zu einer Erkl&#xE4;rung durch.<br>&#x201C;Das Problem ist nicht der Stiefel, das Problem ist eher im Stiefel&#x201D;, redet der Leiter um den hei&#xDF;en Brei herum. Lars ist es, der die Bombe schlussendlich platzen l&#xE4;sst.<br>&#x201C;Da stecken noch die &#xDC;berreste des Besitzers drin.&#x201D;</p><p><br></p><p>Kapitel 4 - exotisch</p><p>Der Gipfel stellt sich allm&#xE4;hlich als regelrechten Krisengipfel heraus. W&#xE4;hrend bei Wilma die Schnappatmung einsetzt und sie mittlerweile dank ihres Ausbruchs gar nicht mehr so verd&#xE4;chtig scheint, hat selbst der &#xFC;berschminkte Goblin zu Farbe im Gesicht gefunden. Die Wangen leuchten rot, der bemalte Kiefer ist eine Etage tiefer gesackt und wird vermutlich nur von seiner zuvor initiierten Botox-Behandlung davon abgehalten, zur G&#xE4;nze auf den Boden zu krachen. Jacob macht wieder das Ding mit seiner Augenbraue und Sweeney, unser Kobold, wirkt nun passend zu seinem Outfit auch ein bisschen gr&#xFC;nlich um die Nase. Ich hingegen bin Feuer und Flamme und sehe das als einen Beweis an, dass ich vollkommen richtig liege und hier auf diesem Berg ein Skinwalker sein Unwesen treibt und dieser desastr&#xF6;se Stiefel bloss der Anfang eines richtig krassen Abenteuers ist, auf das nur ich gro&#xDF;artig Bock habe. Irgendwo zwischen meinen Hirnwindungen brettert der ber&#xFC;hmt ber&#xFC;chtigte Song von Harry Potter los und in meinen Fingern juckt es.</p><p>&#x201C;Also hei&#xDF;t das, wir befinden uns in Gefahr, dasselbe Schicksal wie der arme Tropf zu erleiden?&#x201D;, erkundigt sich Jacob in einem Slang, als w&#xE4;re er geistig bereits achtzig Jahre alt. Fast so, als w&#xE4;re an meiner Vampir-Theorie wirklich etwas dran.</p><p>&#x201C;Nein, nein. Die Wanderwege sind nur gef&#xE4;hrlich, wenn man alleine auf Wanderungen geht. In der Gruppe wird man meiner Erfahrung nach nie angegriffen&#x201D;, versichert uns der Leiter.</p><p>&#x201C;Und wie lange machen sie schon diesen Job?&#x201D;, bohrt Jacob nach.</p><p>&#x201C;Schon viele, viele Jahre&#x201D;, druckst der Leiter herum und blickt hilfesuchend zu Lars, der das olle Schuhwerk noch immer fest in der Hand h&#xE4;lt, beinahe so, als h&#xE4;tte er Angst, er k&#xF6;nnte uns sonst weglaufen oder abhanden kommen.</p><p>&#x201C;Ja also&#x201D;, startet dieser. &#x201C;Ich schlage wir, wir wickeln den Stiefel in einen Plastiksack ein und nehmen ihn mit. Nach der Wanderung werde ich ihn dann bei der Stadtwache abgeben, damit der Besitzer ausgemacht werden kann.&#x201D;<br>&#x201C;Der Besitzer des Stiefels&#x201D;, kr&#xF6;tet der Goblin leicht pikiert herum.<br>&#x201C;W&#xE4;re es nicht sinnvoller, erstmal den Rest des Besitzers zu suchen? Vielleicht lebt er noch und braucht Hilfe&#x201D;, erwidert Jacob, nicht nur Vampir, sondern direkt Batman. Die Augen des Goblins leuchten vor Liebe und Bewunderung. Die von Lars hingegen nicht. Der scheint von Jacobs Vorschlag so viel zu halten wie von Fusspilz.</p><p>&#x201C;Ja, also ich finde Jacobs Vorschlag toll&#x201D;, schleudert Wilma heraus, als h&#xE4;tte sie jemand nach ihrer Meinung gefragt. Selbst der Kobold nickt. Ich finde, dass die anderen ihre bl&#xF6;de Wanderung gerne alleine zu Ende bringen sollen, w&#xE4;hrend ich mich auf die Suche nach dem Berg-Alligator begebe. Was ich auch sogleich zur Ansprache bringe.<br>&#x201C;Ich k&#xF6;nnte ihn suchen gehen!&#x201D;, bresche ich los wie aus der Kanone geschossen. Alle Glubscher richten sich auf mich. Der Goblin lacht los.</p><p>&#x201C;Sch&#xE4;tzchen, du siehst ja echt exotisch aus, aber &#xFC;bertreiben solltest du es nicht&#x201D;, s&#xE4;uselt die bl&#xF6;de Kuh herum.<br>&#x201C;Was soll denn das heissen?&#x201D;, mucke ich zur&#xFC;ck und gehe in Angriffsstellung.</p><p>&#x201C;Dass du l&#xE4;cherlich aussiehst&#x201D;, wagt es die Kr&#xF6;te zu behaupten. Wilma neben mir wird unruhig, bloss Jacob macht wieder dieses Ding mit der Augenbraue.</p><p>&#x201C;Ich geb&#x2019; dir gleich l&#xE4;cherlich auf die Zw&#xF6;lf&#x201D;, raune ich erbost, bereit, meine neu erlangten Monster-Verdresch-F&#xE4;higkeiten am Goblin auszuprobieren. Kaum habe ich die F&#xE4;uste erhoben und sie die Z&#xE4;hne gefletscht, schiebt sich der Kobold zwischen uns und macht einen auf beschwichtigende Blumenwiese. &#x201C;Ladies, das lohnt sich doch gar nicht&#x201D;, behauptet er und hat wohl den Schuss nicht geh&#xF6;rt.</p><p>&#x201C;Der Tomb-Raider f&#xFC;r Arme-Verschnitt spannt mir meinen Freund aus&#x201D;, pl&#xE4;rrt das Mistvieh von einem Goblin los.<br>&#x201C;Ich tue was?!&#x201D;, kl&#xE4;ffe ich zur&#xFC;ck.<br>&#x201C;Meinen Freund ausspannen!&#x201D;<br>&#x201C;Gar nicht!&#x201D;<br>&#x201C;Doch.&#x201D;<br>Der Schlagabtausch k&#xF6;nnte von mir aus noch ewig so weitergehen, w&#xE4;re da nicht Jacob, der sein Weibchen am Schlafittchen packt und sie wild zappelnd aus der Gefahrenzone bugsiert.</p><p>&#x201C;Okay, nachdem das gekl&#xE4;rt ist&#x201D;, st&#xF6;hnt Lars los. &#x201C;W&#xE4;re einer so lieb und k&#xF6;nnte einen Plastiksack entbehren?&#x201D;</p><p><br></p><p>Kapitel 5 - Fernglas</p><p>Nachdem sich die Gem&#xFC;ter einigerma&#xDF;en beruhigt haben und das makabere &#xDC;berbleibsel in einer T&#xFC;te verstaut ist, geht das elendige herum stiefeln weiter. Wilma sabbelt mir wieder die Ohren Wund, Jacob und sein Goblin turteln herum, der Kobold macht einen auf unsichtbar, obwohl er gr&#xFC;n ist, nur der Leiter und Lars verhalten sich nach unserem schr&#xE4;gen Fund mehr als merkw&#xFC;rdig. Sie stecken immer mal wieder die K&#xF6;pfe zusammen und scheinen irgendetwas miteinander zu bereden, von dem niemand von uns was mitbekommen soll. Ganz bizarr wird es, als einer der beiden, Lars, ein Fernglas herausholt und sich in regelm&#xE4;&#xDF;igen Abst&#xE4;nden von der Gruppe absondert, um was wei&#xDF; ich was damit zu machen. Die Gegend auskundschaften? Ja vielleicht, doch warum wird sich daf&#xFC;r in den Inkognito Modus begeben und schamlos weggeschlichen?!</p><p>Ich w&#xE4;re ihm echt gerne gefolgt, doch die nervige Wilma ist wie eine Geschlechtskrankheit, einmal eingefangen, wird man sie so schnell nicht mehr los. Selbst als ich versucht habe, sie mit einem Toilettengang abzuwimmeln, ist sie mir hinter die B&#xFC;sche gefolgt und seitdem kann ich auch synchron-pinkeln von meiner Liste an Erfahrungen, die ich niemals machen wollte, gepflegt abhaken. Vielen Dank, Wilma. Sch&#xF6;n ist&#x2019;s zwar nicht gewesen, aber ich habe es mir wesentlich schlimmer vorgestellt.</p><p>Irgendwann geht mir Wilmas Gequake jedoch so auf die N&#xFC;sse, dass ich kurzerhand beschlie&#xDF;e, sie von meiner Feindin zur Komplizin zu machen.</p><p>Ich meine, alle guten Helden haben doch ihren Sidekick, also ist Wilma nun meiner. So wie bei Scooby Doo. Wobei die Wilma wenigstens ordentlich was auf dem Kasten hat, was ich bei meiner Wilma eher bezweifle. Dennoch, viel mehr als in die Hose gehen kann es nicht und da mir dank kurzer Hosen schon niemand ans Hosenbein pinkeln kann, kann ich zumindest den Sprung ins kalte Wasser einmal wagen.</p><p>&#x201E;Sag mal, Wilma&#x201C;, beginne ich und begebe mich in Tuschel-Position.</p><p>Von Wilma kommt blo&#xDF; ein &#xFC;berraschtes &#x201E;H&#xE4;!?&#x201C; ehe sie blickt, dass ich ihr etwas im Vertrauen sagen m&#xF6;chte und sie ihr Ohr mit einem &#x201E;Ah!&#x201C; n&#xE4;her an meinen Mund heran bringt. Na geht doch, zwar erst beim zweiten Anlauf, aber wie hei&#xDF;t es so sch&#xF6;n? Gut Ding will Weile haben oder Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.</p><p>&#x201E;Findest du nicht auch, dass sich die beiden da vorne mehr als verd&#xE4;chtig verhalten?&#x201C;, fl&#xFC;stere ich los und zeige mit meinem anklagenden Zeigefinger unauff&#xE4;llig heimlich auf den Leiter und Lars, die just in dem Augenblick losquieken vor Freude wie suizidale Schweine auf der Schlachtbank.</p><p>Bei Wilma rattern erst die Schrauben, bevor sie mit ihrer Antwort um die Ecke schie&#xDF;t und mindestens eine meiner Nerven mit diesem r&#xFC;cksichtslosen Man&#xF6;ver killt. Sie spricht n&#xE4;mlich in so einer Lautst&#xE4;rke, dass selbst der wortkarge Sweeney so aussieht, als h&#xE4;tte er einen ganzen Duden verschluckt, denn der Mund steht ihm so sperrangelweit offen, es h&#xE4;tte mich nicht verwundert, h&#xE4;tte ein Vogel auf Durchreise sein Ende in diesem verh&#xE4;ngnisvollen, aber zugegebenerma&#xDF;en attraktiven Schlund gefunden.</p><p>&#x201E;Ich finde die nicht verd&#xE4;chtig, die sind doch voll nett!&#x201C;, posaunt Wilma los.</p><p>Ich kann gar nicht z&#xE4;hlen, wie viele Augenpaare sich auf uns richten, die der Wildtiere um uns herum und die sich zwischen den B&#xE4;umen verstecken, einmal ausgelassen. Ich bilde mir selbst ein, die Ameisen unter unseren F&#xFC;&#xDF;en vor Emp&#xF6;rung hecheln zu h&#xF6;ren.</p><p>Es dauert auch nicht lange, da steht das erste Selbstmord-Schwein breitbeinig vor mir und statt auf den Bolzenschuss auf Erkl&#xE4;rung wartend.</p><p>&#x201E;Hast du uns etwas zu sagen, Fiona?&#x201C;, plustert sich ein Lars auf, dessen Fernglas-Alleing&#xE4;nge erst f&#xFC;r Unbehagen, zumindest bei mir, gesorgt haben.</p><p>Ich r&#xE4;uspere mich und mache mich gr&#xF6;&#xDF;er als ich in dem Moment bin. &#x201E;Du k&#xF6;nntest uns ja einmal erkl&#xE4;ren, wonach du genau Ausschau h&#xE4;ltst? So oft wie du mit dem Ding da verschwindest, kann schon der Verdacht aufkommen, dass hier etwas nicht ganz stimmt&#x201C;, sage ich und tippe mit meinem Finger auf das kleine Fernglas um Lars Hals. Dieser guckt mich an, als h&#xE4;tte ich ihm mit voller Absicht und mit Anlauf ins Gesicht gekotzt. Dann kriegt er sich widererwarten einigerma&#xDF;en wieder ein, lockert die angespannten Kaumuskeln, aber nicht ohne die Arme vor der Brust zu verschr&#xE4;nken, als h&#xE4;tte er einen Grund, nun in die Abwehrhaltung zu gehen.</p><p>&#x201E;Ich sehe mir blo&#xDF; die sch&#xF6;ne Gegend an&#x201C;, meint er mit einer Nebens&#xE4;chlichkeit in seiner Stimme, die mich zur Wei&#xDF;glut bringt. Der Mann besitzt auch noch die Frechheit und deutet mit seinem Kinn ins Irgendwo so a la &#x201E;guck doch mal, wie sch&#xF6;n es hier ist, du dumme Pute&#x201C; - Ja ist es, keine Frage, aber deswegen muss man hier nicht im Alleingang die Postkarte mit seinem Ferngucker aufsaugen und dabei einen auf FBI-Sonderkommission machen.</p><p>Der Leiter etwas weiter vorne sch&#xFC;ttelt blo&#xDF; den Kopf. Der Goblin und Jacob glotzen mich an. Sweeney kaut noch auf seinem Duden rum und ich f&#xFC;hle mich wie im falschen Film, als Wilma einen Schritt von mir weg und nach rechts macht, um zum zweiten Mal mit ihrer quietschigen Stimme die ganze Gruppe in Aufruhr zu bringen..</p><p>&#x201E;Ich glaube, die Br&#xFC;cke ist kaputt.&#x201C;</p><p><br></p><p>Kapitel 6 - strapazi&#xF6;se Reise</p><p></p><p>Dass diese strapazi&#xF6;se Reise, dieser Trek, uns alle an unsere Grenzen bringen wird, h&#xE4;tte ich zwar erahnen m&#xFC;ssen, aber nicht wissen k&#xF6;nnen. Das Einzige, was ich aktuell mit voller Gewissheit sagen kann, ist die Tatsache, dass Wilmas Augen au&#xDF;ergew&#xF6;hnlich sind. Sie hat zwar nicht unbedingt den Durchblick, daf&#xFC;r definitiv den Weitblick, nicht im &#xFC;bertragenen Sinne, sondern im Wesentlichen. Sie braucht jedenfalls keine Brille und was ihre graublauen Glubscher so drauf haben, ist mehr als be&#xE4;ngstigend, weshalb ich sie kurzerhand von einem Menschen zu einem Alien erkl&#xE4;re. Ein Au&#xDF;erirdischer, der definitiv ein paar Gehirne zu wenig weggeschl&#xFC;rft hat. Da h&#xE4;tte sie sich deutlich mehr einverleiben sollen. Ungef&#xE4;hr hundert oder so.</p><p>Der Leiter ist der Erste, der im Galopp zur Br&#xFC;cke voraus eilt und mit bleicher Visage feststellt, was der Alf in unserer Gruppe unl&#xE4;ngst festgestellt hat. Die Holzbr&#xFC;cke, die uns eigentlich auf die andere Seite des Berges h&#xE4;tte bringen sollen, ist eingest&#xFC;rzt wie ein Kartenhaus nach einem Wirbelsturm. Nur dass in unserem Fall der Wirbelsturm ein perfider Skinwalker ist, der Schabernack mit uns treibt.</p><p>&#x201C;Das ist nicht gut&#x201D;, stellt nun auch Lars fest und ich bin mir sicher, alle anderen der Gruppe stimmen ihm zu. Ich hingegen bin hocherfreut. Mein Riecher hat mich nicht get&#xE4;uscht. Nein, jetzt ist es amtlich. Hier ist Hexenwerk im Gange und rein zuf&#xE4;llig, hust hust, habe ich alles dabei um einer Hexe respektive einem Skinwalker das Leben nicht nur schwer zu machen, sondern auch auszuhauchen.</p><p>Grinsend komme ich neben Sweeney zu stehen, der mit starrer Miene in den Abgrund gafft.<br>&#x201C;Das ist kein Problem&#x201D;, sage ich selbstsicher und klopfe meinem Wander-Kameraden zuversichtlich auf die breite Schulter. Die ist tats&#xE4;chlich so breit, w&#xFC;rde ein Flugzeug gerade landen wollen, h&#xE4;tte es dort die perfekte Landebahn gefunden.</p><p>&#x201C;Warum, kannst du etwa fliegen?&#x201D;, blafft mich Sweeney an, dessen Laune wohl just in dem Moment einen Bungee-Jumping Sprung Richtung Abgrund hingelegt hat. Ich ziehe meine Mundwinkel noch ein St&#xFC;ck h&#xF6;her und gebe ein &#x201C;Das klingt nun etwas abgehoben&#x201D; von mir, und f&#xFC;ge sogleich ein &#x201C;aber ich bin ein wahrer &#xDC;berflieger&#x201D; hinzu. Der Kobold sieht mich daraufhin nur verwirrt an. Ehe wir uns &#xFC;ber meinen flotten Spruch noch weiter Gedanken machen k&#xF6;nnen, taucht der Vampir hinter mir auf, um auch einen Blick &#xA0;auf das Problem zu werfen.</p><p>&#x201C;Wir sind im Arsch&#x201D;, ist seine Feststellung und ohne hinzusehen, weiss ich, dass sein Goblin ihm mit einem stummen Nicken zustimmt. Auch sch&#xF6;n, dass die Bratze einmal ihre Fresse h&#xE4;lt, denke ich noch, und werde glatt von Lars unterbrochen, der meint: &#x201C;Dann nehmen wir halt den Umweg&#x201D; und sich mit dieser Aussage eine Horde ausdruckslose Gesichter einheimst.<br>&#x201C;Was denn? Das sind nur zwei Stunden mehr&#x201D;, versucht er die Gruppe zu beschwichtigen, wenig erfolgreich. &#x201C;Wir sind doch zum Wandern hier, dann wandern wir halt ein bisschen l&#xE4;nger, das wird sch&#xF6;n&#x201D;, schiebt er noch hinterher. Nun gibt der k&#xFC;rzlich verstummt geglaubte Goblin doch einen Laut von sich. Besser gesagt ein Schnauben der Sorte &#x201C;Willst du mich eigentlich verarschen?&#x201D;</p><p>Ich bin mir ziemlich sicher, das will er nicht. Wenn Lars was im Schilde f&#xFC;hrt, dann ist es etwas ganz anderes. Wieder nehme ich den Typen in mein Visier. Verbirgt sich unter dem l&#xE4;ssigen Trekking Outfit und der komischen aalglatt Frisur etwa doch unser Skinwalker?</p><p><br></p><p>Kapitel 7 - Reisepass</p><p></p><p>&#x201C;Was ist, wenn wir einfach wieder zur&#xFC;ckgehen?&#x201D;, erkundigt sich die schrille Wilma beim Leiter, als die Stimmung auch dann nicht besser wird, als wir die ersten hundert Meter hinter uns gebracht haben. Eigentlich beschwert sich nur der Goblin lautstark, alle anderen machen ihre Schritte mit zusammengepressten Lippen und m&#xFC;rrisch gesenkten Augenbrauen.</p><p>&#x201C;Wir wollen doch alle unser Ziel erreichen&#x201D;, meint der Leiter nur und winkt Wilmas Vorschlag ab. Somit w&#xE4;re die Sache beschlossen. Wir setzen unseren Weg fort, koste es, was es wolle, abgetrennten Gliedma&#xDF;en und eingefallenen Br&#xFC;cken zum Trotz. Da die Stimmung sowieso im Keller ist und ich die Einzige bin, wom&#xF6;glich anwesende Hexen einmal ausgeschlossen, die sich bewusst ist, welches Spielchen hier gespielt wird, lege ich einen Zahn zu. Und damit meine ich nicht nur meinen Gang, nein, ich schlie&#xDF;e zu Lars auf und tue das, wof&#xFC;r ich gekommen bin. Wie bei Cluedo packe ich meinen Scharfsinn heraus und versuche das R&#xE4;tsel zu l&#xF6;sen, indem ich meinen Rucksack vom R&#xFC;cken hieve und etwas heraushole, das nur Menschen besitzen.</p><p>Siegessicher halte ich Lars meinen Reisepass unter die Nase. &#x201C;Ich musste den f&#xFC;r den Trip ja extra erneuern lassen&#x201D;, l&#xFC;ge ich und tippe mit meinem Finger auf das Passfoto. &#x201C;Sieht total bescheuert aus&#x201D;, lache ich, um meinen Gespr&#xE4;chspartner ein lockeres Gespr&#xE4;ch vorzugaukeln. Lars hingegen schielt blo&#xDF; f&#xFC;r eine Millisekunde auf das hinunter, was ich unter seinem Zinken hin und her schwenke, als w&#xFC;rde ihn mein ulkiges Passfoto nur minder interessieren.</p><p>Sein Mund verformt sich zu einem wenig &#xFC;berzeugenden L&#xE4;cheln, so ein Anstandsl&#xE4;cheln, mit dem keiner etwas anfangen kann. Also muss ich einen oben drauf setzen und mache mit meinem eine Grimasse.</p><p>&#x201C;Versuchst du gerade etwa zu flirten?&#x201D;, zieht mich der Goblin im Hintergrund wenig geistreich auf. Ich ignoriere sie geflissentlich, lasse es mir aber dennoch nicht nehmen, ihr heimlich einen meiner zwei sch&#xF6;nen Stinkefinger zu demonstrieren, in dem ich ihn so langsam hinter meinem R&#xFC;cken ausfahre, dass selbst Wilmas tr&#xE4;ger Verstand im Vergleich dazu wie ein Marathonl&#xE4;ufer daherkommt.</p><p>&#x201C;Das ist aber nicht nett&#x201D;, fl&#xFC;stert mir Sweeney zu, der wie pl&#xF6;tzlich neben mir aufgetaucht ist und seine Schnute so verd&#xE4;chtig nah und unbemerkt an mein Ohr herangef&#xFC;hrt hat, dass ich im ersten Augenblick erstarre. Ich bleibe auch stehen und muss blinzeln. Einzig allein das biestige Gel&#xE4;chter des Goblins holt mich zur&#xFC;ck ins hier und jetzt.</p><p>&#x201C;Na, ist&#x2019;s nass im Schl&#xFC;ppi geworden?&#x201D;, brettert die bl&#xF6;de Kuh mir an den Kopf und w&#xE4;re sie in unmittelbarer Reichweite gewesen, h&#xE4;tte ich ihr irgendetwas gebrochen, einfach aus Prinzip und weil ich es kann. F&#xFC;r irgendetwas habe ich als Kind Kampfsport gelernt und wenn es nur daf&#xFC;r ist, vorlaute Goblins zu Brei zu verhauen.</p><p>&#x201C;Nimm es ihr nicht &#xFC;bel&#x201D;, meint Jacob und zwinkert mir im Vorbeigehen zu. Tja, toll gemacht, Vampir: Mit diesem unversch&#xE4;mten Man&#xF6;ver hast du nun zwei Frauen gegen dich aufgebracht, die dir nun am liebsten jede Wimper einzeln ausrei&#xDF;en und woanders wieder ankleben wollen. Doch der Goblin muss das allein f&#xFC;r uns &#xFC;bernehmen, denn wider erwarten zieht Lars meine Aufmerksamkeit auf sich.</p><p>&#x201C;Meins sieht auch nicht besser aus&#x201D;, sagt er und h&#xE4;lt mir seinen Reisepass hin. Perplex und mit offener Fressluke nehme ich das eingeschwei&#xDF;te K&#xE4;rtchen an mich und glotze es an, wie etwas, das unwirklich scheint und doch real ist. Somit w&#xE4;ren zumindest zwei Sachen gekl&#xE4;rt und zwar, dass Lars Passfoto wahrhaftig abscheulich ist und dieser Mann leider nicht unser Skinwalker sein kann, denn der Pass sieht viel zu echt aus, um eine F&#xE4;lschung zu sein.</p><p><br></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Katermord - Drabble]]></title><description><![CDATA[<p>&#x201C;Ich habe einen Kater, Liebling&#x201D;, h&#xF6;re ich es aus dem Schlafzimmer rufen. Zornig ramme ich das Messer in die fleischige Masse hinein. Das olle Ding kann zwar nichts daf&#xFC;r, doch &#xDC;bung macht den Meister. Nicht mehr lange und ich&#x2026; </p><p>Egal, wer saufen</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/katermord-drabble/</link><guid isPermaLink="false">672baa7a6544e400010055be</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Wed, 06 Nov 2024 17:43:26 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_female_holding_a_knife_in_her_hands_smiling_evil__ee56905d-8179-4633-9993-261eea85eef7.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_female_holding_a_knife_in_her_hands_smiling_evil__ee56905d-8179-4633-9993-261eea85eef7.png" alt="Katermord - Drabble"><p>&#x201C;Ich habe einen Kater, Liebling&#x201D;, h&#xF6;re ich es aus dem Schlafzimmer rufen. Zornig ramme ich das Messer in die fleischige Masse hinein. Das olle Ding kann zwar nichts daf&#xFC;r, doch &#xDC;bung macht den Meister. Nicht mehr lange und ich&#x2026; </p><p>Egal, wer saufen kann, der hat&#x2019;s nicht anders verdient. Auf leisen Sohlen tapse ich an dich heran, die &#xDC;berraschung dicht an den R&#xFC;cken gedr&#xFC;ckt. Als du mich siehst, ahnst du es bereits. Deine Augen werden gro&#xDF;. Ja. Du wei&#xDF;t, was gleich kommt und dennoch kannst du dich mir nicht entziehen. </p><p>Ich br&#xFC;lle und attackiere deinen Schopf, mit dem frisch geschnitzten K&#xFC;rbis-Totenkopf.</p><p></p><p>gewidmet J.J. Raidark</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Tote Taube - Drabble]]></title><description><![CDATA[<p>&#x201E;Guck mal, Papa, da liegt eine tote Taube&#x201C;, sagt das M&#xE4;dchen zu mir und zeigt mit ihrem ausgestreckten Finger auf die Stra&#xDF;e vor uns. Ich schlucke den Ekel hinunter und handle sofort. Ohne zu z&#xF6;gern, nehme ich den Rucksack von meinem R&</p>]]></description><link>https://rasierklingenschmetterling.de/tote-taube/</link><guid isPermaLink="false">672baa1c6544e400010055b1</guid><dc:creator><![CDATA[Pale Diamonds]]></dc:creator><pubDate>Wed, 06 Nov 2024 17:41:26 GMT</pubDate><media:content url="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_dove_lying_on_the_ground_rainbow_in_the_backgroun_8ddfbc54-0c57-4723-8108-08d06050c22f.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://rasierklingenschmetterling.de/content/images/2024/11/spammembran_a_dove_lying_on_the_ground_rainbow_in_the_backgroun_8ddfbc54-0c57-4723-8108-08d06050c22f.png" alt="Tote Taube - Drabble"><p>&#x201E;Guck mal, Papa, da liegt eine tote Taube&#x201C;, sagt das M&#xE4;dchen zu mir und zeigt mit ihrem ausgestreckten Finger auf die Stra&#xDF;e vor uns. Ich schlucke den Ekel hinunter und handle sofort. Ohne zu z&#xF6;gern, nehme ich den Rucksack von meinem R&#xFC;cken und hole das D&#xF6;schen Sternenstaub heraus. Zusammen erweisen wir dem armen Piepmatz die letzte Ehre. <br>Mimi kniet sich in ihrem R&#xF6;ckchen hin und sch&#xFC;ttet eine Prise Glitzer auf unseren verstorbenen Freund. Irgendwann wird die Kleine merken, dass ich nicht der bin, f&#xFC;r den ich mich ausgebe. Hoffentlich wird sie mir meinen Verrat vergeben und weiterhin meine Tochter bleiben.</p>]]></content:encoded></item></channel></rss>