Käfermariechen
Warnung:
Wir erinnern uns daran, dass dies nur eine fiktive Geschichte ist. Der Inhalt soll schockieren, abschrecken und Angst auslösen. Das Leben ist kostbar. Das Leben ist ein Geschenk und man sollte andere so behandeln, wie man selbst gerne behandelt werden möchte. Mit Respekt, Liebe und Verständnis. Solltest du dunkle Gedanken haben, die dich drohen einzunehmen, dann suche dir bitte Hilfe.
- Dream
“Wach auf, Marie, wach auf. Hörst du die Sonnenstrahlen nicht?”
“In meinen Träumen…. naja… dort kommen Käfer vor. Wissen Sie?”, sage ich und schaue aus dem Fenster. Nicht, weil es dort etwas zu Sehen gäbe, eher um dem strengen Blick meiner Psychologin auszuweichen.
“Dort kommen Käfer vor, also in Ihren Träumen?”, wiederholt sie in einem skeptischen Unterton. Als ich nicke, höre ich, wie der Bleistift in ihrer Hand über den kleinen Notizblock auf ihrem Schoss kratzt. Das Geräusch ist unangenehm. Ich verabscheue es.
“Können Sie die Käfer beschreiben?”, erkundigt sich die Frau bei mir.
Ich überlege und mustere dabei die unspektakuläre Fassade des Gebäudes gegenüber der Praxis.
“Nun ja”, beginne ich. In meinem Kopf formt sich eine Erinnerung, die ich nur allzu gerne weiterhin verdrängt hätte.
“Sie haben Beine mit Borsten und einen Panzer aus Chitin”, antworte ich plump, schüttele mich angestrengt, als könnte ich so, das Bild, was sich hinter meinen Augen geformt hat, in seine Einzelteile zerstreuen. Was nur minder funktioniert. Die Krabbelviecher verbeissen sich hartnäckig unter meiner Schädelrinde und denken nicht einmal daran, einem anderen Individuum als mir das Leben zur Hölle zu machen. Mistviecher.
“Also sind es normale Käfer”, schlussfolgert meine Psychologin. Ich nicke wieder und verziehe das Gesicht. Als mein Fokus vom Fenster auf die Frau wechselt, die das Pech hat, mich therapieren zu müssen, registriere ich zum ersten Mal in dieser Therapiestunde ihre ratlose Mimik und hätte beinahe losgelacht, weil ich diese Frau dem Anschein nach, sehr verunsichere.
“Was denn? Was haben Sie denn erwartet?”, frage ich und kann das Schmunzeln nun doch nicht mehr unterdrücken. Meine Psychologin erwidert mein Schmunzeln mit einem leicht gezwungenen Lächeln.
“Zumindest nicht, dass Sie von Käfern träumen”, murmelt sie anschließend und blickt auf ihren Notizblock hinunter. “Das ergibt alles keinen Sinn”, sagt sie mehr zu sich selbst als zu mir.
Ich zucke mit den Schultern und starre wieder geradeaus aus dem Fenster. Die Fassade dort ist brüchig, genauso wie mein Verstand, seit du mir begegnet bist.
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